Bonobo
BTierart – Säugetiere > Primaten
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Pan paniscus
- Ordnung: Primaten (Primates)
- Familie: Menschenaffen (Hominidae)
- Gattung: Schimpansen (Pan)
- Lebensraum: Tropische Regenwälder der Demokratischen Republik Kongo
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 70–83 cm (aufrecht stehend bis 115 cm)
- Gewicht: Weibchen 27–38 kg, Männchen 34–60 kg
- Lebenserwartung: 40–50 Jahre in freier Wildbahn, bis 60 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Bonobo wird gelegentlich als Zwergschimpanse bezeichnet, obwohl diese Benennung irreführend ist – in der Körpergröße unterscheidet er sich kaum vom Gemeinen Schimpansen (Pan troglodytes). Sein Körperbau ist jedoch insgesamt graziler, die Gliedmaßen wirken schlanker und die Beine sind im Verhältnis zum Rumpf etwas länger. Das Fell ist durchgehend schwarz und an der Oberseite des Kopfes zu einem Mittelscheitel arrangiert. Das Gesicht ist von Geburt an dunkel pigmentiert, während junge Gemeine Schimpansen zunächst ein helles Gesicht aufweisen.
Charakteristisch sind die rötlich gefärbten Lippen, die im schwarzen Gesicht deutlich hervortreten. Die Ohren sind kleiner als beim Gemeinen Schimpansen und teilweise vom Kopfhaar verdeckt. Die Arme sind lang und kräftig, was die Art als geschickten Kletterer und Hangeler ausweist. Wie alle Menschenaffen besitzt der Bonobo keinen Schwanz. Weibchen und Männchen zeigen einen moderaten Geschlechtsdimorphismus: Männchen sind im Durchschnitt etwa 20 Prozent schwerer als Weibchen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Bonobos ist auf ein relativ kleines Areal in Zentralafrika beschränkt. Die Art kommt ausschließlich in der Demokratischen Republik Kongo vor, und zwar im Tieflandregenwald südlich des Kongobogens. Der Kongo-Fluss bildet die nördliche und östliche natürliche Grenze des Habitats; auf der gegenüberliegenden Flussseite lebt der Gemeine Schimpanse. Die geographische Isolation durch diesen gewaltigen Strom gilt als wesentlicher Faktor für die Artaufspaltung innerhalb der Gattung Pan, die vor etwa 1,5 bis 2 Millionen Jahren stattfand.
Das bevorzugte Biotop sind feuchte, dichte Primärregenwälder in Höhenlagen bis etwa 700 Meter. Bonobos nutzen sowohl das Kronendach als auch den Waldboden. Sumpfwälder, sekundäre Waldgebiete und Waldlichtungen gehören ebenfalls zum genutzten Lebensraum, solange genügend Baumbestand vorhanden ist. Die Gesamtpopulation wird auf 15.000 bis 20.000 Individuen geschätzt, wobei genaue Zahlen aufgrund der schweren Zugänglichkeit des Habitats nur näherungsweise bestimmbar sind.
Ernährung
Bonobos sind Allesfresser mit einem deutlichen Schwerpunkt auf pflanzlicher Kost. Früchte machen den größten Anteil der Nahrung aus – je nach Saison und Verfügbarkeit bis zu 60 Prozent. Ergänzt wird der Speiseplan durch Blätter, Kräuter, Mark, Samen, Pilze und Blüten. Auch tierische Nahrung wird aufgenommen: Bonobos fressen Insekten, insbesondere Termiten, sowie gelegentlich kleine Wirbeltiere wie Eidechsen oder Eichhörnchen. Kooperative Jagd auf andere Primaten, wie sie beim Gemeinen Schimpansen regelmäßig beobachtet wird, kommt bei Bonobos zwar vor, ist jedoch wesentlich seltener dokumentiert.
Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend tagaktiv. Die Gruppen durchstreifen ihr Revier auf der Suche nach fruchtenden Bäumen und legen dabei täglich Strecken von mehreren Kilometern zurück. Ergiebige Nahrungsquellen werden gemeinschaftlich genutzt, wobei die Verteilung vergleichsweise friedlich verläuft – ein Verhalten, das im Kontrast zu den häufig aggressiven Konkurrenzsituationen beim Gemeinen Schimpansen steht.
Verhalten & Lebensweise
Bonobos leben in Gemeinschaften von 30 bis 80 Tieren, die sich nach dem Fission-Fusion-Prinzip organisieren: Die Gesamtgruppe teilt sich je nach Nahrungsangebot und Aktivität in kleinere Untergruppen auf und formiert sich später wieder neu. Anders als bei den meisten anderen Menschenaffen sind die sozialen Strukturen beim Bonobo matriarchalisch geprägt. Weibchen bilden enge Koalitionen, die ihnen trotz geringerer Körpergröße eine dominante Position gegenüber Männchen ermöglichen. Der Rang eines Männchens wird maßgeblich durch den Status seiner Mutter bestimmt.
Eine der auffälligsten Verhaltensweisen dieser Art ist der Einsatz von sexuellen Kontakten als soziales Instrument. Genitalreiben zwischen Weibchen (sogenanntes GG-Rubbing), Kopulationen und andere sexuelle Interaktionen dienen der Konfliktlösung, dem Spannungsabbau und der Festigung sozialer Bindungen – sie sind nicht primär an die Fortpflanzung gekoppelt. Dieses Verhalten tritt in nahezu allen Alters- und Geschlechtskombinationen auf.
Aggressionen innerhalb der Gruppe werden selten beobachtet; tödliche Konflikte zwischen Gruppen, wie sie vom Gemeinen Schimpansen bekannt sind, konnten bei freilebenden Bonobos bislang nicht nachgewiesen werden. Die Nachtruhe verbringt jedes adulte Tier in einem eigens gebauten Schlafnest im Kronendach der Bäume.
Fortpflanzung & Aufzucht
Weibchen erreichen die Geschlechtsreife mit etwa 9 bis 12 Jahren, gebären ihr erstes Jungtier aber meist erst im Alter von 13 bis 15 Jahren. Die Tragzeit beträgt rund 230 bis 240 Tage. In der Regel wird ein einzelnes Jungtier geboren; Zwillingsgeburten sind äußerst selten. Das Geburtsintervall liegt bei durchschnittlich 4,5 bis 5,5 Jahren, was mit der langen Phase der Jungtierabhängigkeit zusammenhängt.