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Dschelada

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Tierart – Säugetiere > Primaten

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Theropithecus gelada
  • Ordnung: Primaten (Primates)
  • Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
  • Unterfamilie: Backentaschenaffen (Cercopithecinae)
  • Gattung: Theropithecus
  • Lebensraum: Hochland Äthiopiens, Graslandschaften und Felsklippen zwischen 1.800 und 4.400 m Höhe
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 50–75 cm, Schwanzlänge 30–50 cm
  • Gewicht: Männchen 18–21 kg, Weibchen 11–13 kg
  • Lebenserwartung: Etwa 20 Jahre in freier Wildbahn, bis zu 30 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Der Dschelada, auch Blutbrustpavian genannt, ist ein kräftig gebauter Primat mit einem dichten, dunkelbraunen Fell. Auffälligstes Merkmal ist der haarlose, leuchtend rote Hautfleck auf der Brust, der von einem Rand weißlicher Haare eingefasst wird. Dieser Brustfleck ist bei beiden Geschlechtern vorhanden, bei Weibchen jedoch kleiner. Bei weiblichen Tieren verändert sich die Hautpartie rund um den Brustfleck während des Östruszyklus: Sie schwillt an und bildet perlenartige Bläschen, was als visuelles Signal der Empfängnisbereitschaft dient. Diese Verlagerung der Sexualschwellung von der Anogenitalregion auf die Brust steht in direktem Zusammenhang mit der sitzenden Lebensweise der Tiere beim Fressen.

Männchen sind deutlich größer als Weibchen und tragen eine ausgeprägte Mähne aus langen, hellen Haaren, die Schultern und oberen Rücken bedeckt. Das Gesicht ist dunkel pigmentiert mit heller Haut um die Augen. Die Schnauze ist im Vergleich zu echten Pavianen der Gattung Papio kürzer und breiter. Die Hände sind klein und die Finger auffallend kurz, was mit der spezialisierten Ernährungsweise zusammenhängt: Die Dscheladas pflücken und zupfen Gräser mit einer Präzisionsgriff-Technik, die unter Primaten einzigartig ist.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Dschelada beschränkt sich ausschließlich auf das äthiopische Hochland. Er ist damit einer der wenigen Primaten mit einem derart eng begrenzten Habitat. Die Tiere besiedeln die afroalpinen Graslandschaften und Felsklippen des zentralen und nördlichen äthiopischen Hochplateaus, insbesondere im Simien-Gebirge, im Menz-Gebiet und rund um das Wof-Washa-Wald-Schutzgebiet.

Als Biotop bevorzugen Dscheladas offene, baumarme Grasebenen in unmittelbarer Nähe steiler Felswände und Schluchten. Die Klippen dienen als Schlafplätze und bieten Schutz vor Raubtieren wie Leoparden und Hyänen. Jeden Abend klettern die Gruppen die steilen Felswände hinab und verbringen die Nacht auf schmalen Felsbändern, was ihnen einen erheblichen Überlebensvorteil gegenüber bodenlebenden Beutegreifern verschafft. Morgens steigen sie wieder auf die Hochebenen, um dort den Tag mit der Nahrungssuche zu verbringen.

Ernährung

Der Dschelada ist der einzige Primat, dessen Nahrung fast ausschließlich aus Gräsern besteht. Grashalme, Blätter, Samen und Wurzeln machen etwa 90 Prozent der Nahrung aus. In der Regenzeit fressen die Tiere vorwiegend frische Grasblätter, während sie in der Trockenzeit verstärkt auf unterirdische Pflanzenteile wie Rhizome und Knollen zurückgreifen. Ergänzend werden gelegentlich Blüten, Kräuter, Disteln und in seltenen Fällen Insekten aufgenommen.

Die Nahrungsaufnahme erfolgt überwiegend im Sitzen. Die Tiere bewegen sich in einer charakteristischen Rutschbewegung über den Boden, wobei sie im Sitzen mit beiden Händen gleichzeitig Grashalme abzupfen. Dieser sogenannte „Shuffle-Gang" ist energetisch effizient und erlaubt eine kontinuierliche Nahrungsaufnahme über viele Stunden. Bis zu zwei Drittel des Tages verbringen Dscheladas mit Fressen – ein Zeitaufwand, der durch die geringe Energiedichte der Grasnahrung bedingt ist.

Verhalten & Lebensweise

Dscheladas sind tagaktiv und leben in einem mehrschichtigen Sozialsystem, das zu den komplexesten unter Primaten gehört. Die Basiseinheit ist die sogenannte Einmann-Einheit (One-Male Unit, OMU), bestehend aus einem adulten Männchen, mehreren Weibchen und deren Nachwuchs. Daneben existieren reine Männchengruppen (All-Male Units), in denen junge oder entmachtete Männchen zusammenleben. Mehrere Einmann-Einheiten und Männchengruppen schließen sich zu Banden zusammen, und mehrere Banden können sich zu Herden von mehreren Hundert Tieren vereinen. In Ausnahmefällen wurden Ansammlungen von über 1.200 Individuen beobachtet – die größten bekannten Gruppen unter nichtmenschlichen Primaten.

Die sozialen Bindungen innerhalb der Einmann-Einheiten werden vor allem zwischen den Weibchen aufrechterhalten, die in der Regel miteinander verwandt sind. Weibchen bestimmen maßgeblich, welches Männchen die Führungsposition in der Gruppe einnimmt. Gegenseitige Fellpflege ist ein zentrales Element des sozialen Zusammenhalts. Dscheladas verfügen zudem über ein außergewöhnlich reiches Repertoire an Lautäußerungen, das in seiner Komplexität an menschliche Sprachmuster erinnert und rhythmische Strukturen aufweist.

Fortpflanzung & Aufzucht

Es gibt keine feste Paarungszeit. Die Fortpflanzung findet ganzjährig statt, wobei eine saisonale Häufung in der Regenzeit zu beobachten ist, wenn das Nahrungsangebot am größten ist. Nach einer Tragzeit von etwa fünf bis sechs Monaten bringt das Weibchen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt. Zwillingsge