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Brüllaffe

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Tierart – Säugetiere > Primaten

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Alouatta (Gattung mit ca. 15 Arten)
  • Ordnung: Primaten (Primates)
  • Unterordnung: Trockennasenprimaten (Haplorhini)
  • Familie: Klammerschwanzaffen (Atelidae)
  • Unterfamilie: Brüllaffen (Alouattinae)
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder Mittel- und Südamerikas
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 40–70 cm, Schwanzlänge 50–75 cm
  • Gewicht: Weibchen 4–7 kg, Männchen 6–10 kg
  • Lebenserwartung: 15–20 Jahre in freier Wildbahn, bis 25 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Brüllaffen gehören zu den größten Neuweltaffen und zeigen einen robusten, gedrungenen Körperbau. Das dichte Fell variiert je nach Art erheblich in der Färbung: Beim Schwarzen Brüllaffen (Alouatta caraya) tragen die Männchen ein tiefschwarzes Fell, während die Weibchen und Jungtiere gelblich-braun gefärbt sind. Der Rote Brüllaffe (Alouatta seniculus) hingegen weist ein durchgehend rotbraunes bis kupferfarbenes Haarkleid auf. Der Guatemala-Brüllaffe (Alouatta pigra) ist bei beiden Geschlechtern schwarz.

Das Gesicht ist weitgehend unbehaart und dunkel pigmentiert. Die Augen sind relativ klein, die Nase breit mit seitlich gerichteten Nasenlöchern – ein typisches Merkmal der Breitnasenaffen (Platyrrhini). Der kräftige Unterkiefer ist deutlich ausgeprägt, was mit dem vergrößerten Zungenbein zusammenhängt, das als Resonanzkörper für die namensgebenden Rufe dient. Dieses Zungenbein (Os hyoideum) ist bei Männchen besonders stark entwickelt und hohl, sodass es wie ein Resonanzkasten wirkt.

Ein weiteres wesentliches Merkmal ist der lange Greifschwanz, der an der Unterseite der Spitze unbehaart und mit feinen Rillen versehen ist. Dieser Schwanz funktioniert als fünfte Extremität und kann das gesamte Körpergewicht tragen. Die Hände und Füße sind kräftig, mit opponierbaren Daumen und Großzehen, die ein sicheres Greifen an Ästen ermöglichen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Brüllaffen erstreckt sich von Südmexiko über ganz Mittelamerika bis in das nördliche Argentinien und nach Südostbrasilien. Sie besiedeln ein breites Spektrum an Waldhabitaten: tropische Regenwälder, Nebelwälder, Trockenwälder, Mangroven und Galeriewälder entlang von Flussläufen. Einige Arten kommen auch in Sekundärwäldern und fragmentierten Waldstücken vor, was sie unter den großen Neuweltaffen vergleichsweise anpassungsfähig macht.

Brüllaffen sind ausgesprochene Baumbewohner (Arboricolen) und halten sich bevorzugt in den mittleren und oberen Kronenschichten auf. Sie meiden in der Regel den Waldboden. Die Höhenverbreitung reicht vom Tiefland bis in etwa 2.500 Meter über dem Meeresspiegel, wobei die meisten Populationen unterhalb von 1.000 Metern vorkommen.

Ernährung

Die Nahrung der Brüllaffen besteht überwiegend aus Blättern, was sie zu den am stärksten foliovoren Vertretern unter den Neuweltaffen macht. Junge, zarte Blätter werden gegenüber älteren bevorzugt, da sie einen höheren Proteingehalt und weniger schwer verdauliche Fasern aufweisen. Ergänzt wird der Speiseplan durch Früchte, Blüten, Knospen und gelegentlich Samen.

Die blattreiche Ernährung ist energetisch wenig ergiebig. Brüllaffen haben daher einen vergleichsweise langsamen Stoffwechsel und verbringen große Teile des Tages ruhend, um Energie zu sparen. Der verlängerte Verdauungstrakt ermöglicht eine effizientere Aufspaltung der Zellulose durch Mikroorganismen im Blinddarm.

Verhalten & Lebensweise

Brüllaffen leben in Gruppen von durchschnittlich 5 bis 15 Individuen, die typischerweise aus einem oder mehreren erwachsenen Männchen, mehreren Weibchen und deren Nachwuchs bestehen. Die soziale Struktur ist je nach Art unterschiedlich: Manche Populationen zeigen Ein-Männchen-Gruppen, andere Multi-Männchen-Gruppen.

Die Tiere sind tagaktiv, wobei sie den überwiegenden Teil des Tages – bis zu 80 Prozent – mit Ruhen und Fressen verbringen. Die Fortbewegung erfolgt langsam und bedächtig durch das Kronendach, meist durch vierfüßiges Klettern und Hangeln unter Einsatz des Greifschwanzes. Weite Sprünge, wie sie bei Klammer- oder Spinnenaffen üblich sind, kommen selten vor.

Das namensgebende Brüllen ist eine der auffälligsten Lautäußerungen im gesamten Tierreich. Die Rufe der Männchen erreichen Lautstärken von bis zu 140 Dezibel und sind über Entfernungen von drei bis fünf Kilometern hörbar. Die morgendlichen Brüllkonzerte dienen vorrangig der Reviermarkierung: Benachbarte Gruppen signalisieren einander ihre Position und Gruppenstärke, sodass direkte Konfrontationen vermieden werden. Physische Auseinandersetzungen zwischen Gruppen sind daher selten.

Das Revier einer Gruppe umfasst je nach Habitatqualität und Nahrungsverfügbarkeit zwischen 3 und 25 Hektar, wobei sich die Streifgebiete benachbarter Gruppen teilweise überlappen können.

Fortpflanzung & Aufzucht

Brüllaffen haben keine feste Paarungszeit; die Fortpflanzung findet ganzjährig statt. Die Weibchen zeigen bei Paarungsbereitschaft keine auffälligen äußeren Schwellungen, wie sie bei manchen Altweltaffen vorkommen. Die Tragzeit beträgt etwa 180 bis 195 Tage. In der Regel wird ein einzelnes Jungtier geboren; Zwillings