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Berberaffe

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Tierart – Säugetiere > Primaten

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Macaca sylvanus
  • Ordnung: Primaten (Primates)
  • Familie: Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
  • Gattung: Makaken (Macaca)
  • Lebensraum: Zedern- und Eichenwälder des Atlasgebirges, Felsenlandschaften
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 45–70 cm
  • Gewicht: Weibchen 10–13 kg, Männchen 13–17 kg
  • Lebenserwartung: 20–25 Jahre in freier Wildbahn, bis 30 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Der Berberaffe ist ein mittelgroßer, gedrungen gebauter Primat mit kräftigen Gliedmaßen und einem auffallend kurzen Schwanzstummel von nur etwa 1–2 cm Länge. Dieses nahezu vollständige Fehlen des Schwanzes unterscheidet ihn deutlich von den meisten anderen Makaken und war historisch der Grund für die irreführende Bezeichnung „Magot" oder „Berberaffe" – denn trotz des Namens handelt es sich zoologisch nicht um einen Menschenaffen, sondern um einen Vertreter der Altweltaffen.

Das dichte Fell ist gelblich-braun bis graubraun gefärbt, wobei die Bauchseite heller erscheint. Jungtiere tragen ein dunkleres, fast schwarzes Haarkleid, das sich mit zunehmendem Alter aufhellt. Das unbehaarte Gesicht ist von rosabrauner bis fleischfarbener Tönung. Männchen sind im Durchschnitt deutlich größer und schwerer als Weibchen, was einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus darstellt. Beide Geschlechter verfügen über kräftige Eckzähne, die bei Männchen stärker ausgebildet sind und bei innerartlichen Auseinandersetzungen eine Rolle spielen.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Berberaffen beschränkt sich auf Nordafrika – genauer auf die Gebirgsregionen Marokkos und Algeriens. Dort besiedelt er vor allem die Zedern- und Steineichenwälder des Mittleren und Hohen Atlas sowie des Rif-Gebirges in Höhenlagen zwischen 500 und 2.300 Metern. Als Habitat dienen sowohl dichte Waldbestände als auch felsige, mit Buschwerk durchsetzte Hanglagen. Die Art ist an kalte Winter und sogar Schneefall angepasst – eine Eigenschaft, die unter Makaken selten vorkommt.

Eine bekannte, jedoch nicht natürlich vorkommende Population lebt auf dem Felsen von Gibraltar. Diese Gruppe wurde wahrscheinlich im 18. Jahrhundert von Nordafrika eingeführt und wird bis heute gepflegt. Der Berberaffe ist damit die einzige wildlebende Primatenart auf dem europäischen Kontinent, auch wenn es sich um eine eingeführte Population handelt.

Historisch war das Verbreitungsgebiet erheblich größer. Fossile Funde belegen, dass Macaca sylvanus während des Pleistozäns auch in weiten Teilen Europas vorkam, unter anderem auf den Britischen Inseln und in Mitteleuropa.

Ernährung

Berberaffen sind Allesfresser mit einem Schwerpunkt auf pflanzlicher Kost. Den Hauptanteil ihrer Nahrung bilden Blätter, Knospen, Früchte, Wurzeln, Samen und Rinde. Besonders Zedern- und Eichelsamen stellen im Herbst eine wichtige Nahrungsquelle dar. Ergänzend fressen sie Insekten, Spinnen, Schnecken und gelegentlich kleine Wirbeltiere. Die genaue Zusammensetzung der Nahrung variiert stark mit den Jahreszeiten: In den kargen Wintermonaten weichen die Tiere verstärkt auf Rinde, Flechten und unterirdische Pflanzenteile aus, während im Sommer und Herbst ein reichhaltigeres Nahrungsangebot zur Verfügung steht.

Verhalten & Lebensweise

Berberaffen leben in gemischtgeschlechtlichen Gruppen von 10 bis 60 Tieren. Diese Gruppen sind matrilinear organisiert: Die Rangordnung der Weibchen vererbt sich über die mütterliche Linie, während Männchen nach Erreichen der Geschlechtsreife häufig in benachbarte Gruppen abwandern. Innerhalb der Gruppe herrscht eine klare Hierarchie, die durch Drohgebärden, Unterwerfungsgesten und soziale Fellpflege (Grooming) aufrechterhalten wird.

Die Tiere sind tagaktiv und verbringen den Großteil der Lichtstunden mit Nahrungssuche, sozialer Interaktion und Fortbewegung. Nachts ziehen sie sich in Bäume oder auf geschützte Felsvorsprünge zurück. Ihr Revier kann je nach Habitatqualität und Gruppengröße zwischen 3 und 30 Quadratkilometer umfassen.

Ein außergewöhnliches Merkmal des Sozialverhaltens ist die intensive Beteiligung der Männchen an der Jungenbetreuung. Männliche Berberaffen tragen, pflegen und bewachen Jungtiere regelmäßig – ein Verhalten, das unter Makaken in dieser Intensität einzigartig ist. Dabei nutzen Männchen Jungtiere gelegentlich auch als soziales Werkzeug: Indem sie ein Jungtier einem ranghöheren Männchen präsentieren, senken sie die Wahrscheinlichkeit aggressiver Konflikte.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit fällt in den Herbst und Winter, typischerweise von November bis März. Weibchen paaren sich häufig mit mehreren Männchen (Promiskuität), was als Strategie gedeutet wird, männliche Infantizidrisiken zu senken – da kein Männchen sicher sein kann, ob ein Jungtier seinen eigenen Nachwuchs darstellt, sinkt die Motivation, fremde Jungtiere zu töten.

Nach einer Tragzeit von etwa 165 Tagen bringt das Weibchen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt, Zwillingsgeburten sind selten. Das Neugeborene wiegt rund 450 Gramm und klammert sich zunächst am Bauchfell der Mutter fest. Bereits wenige Tage nach der Geburt wird das Junge auch von anderen Gruppenmitgliedern – insbesondere von Männchen – getragen und betreut. Die Entwöhnung erfolgt nach etwa sechs bis acht Monaten, die Geschlechtsreife tritt bei Weibchen mit drei bis vier Jahren ein, bei Männchen mit etwa fünf Jahren.

Bedrohung