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Bartfledermaus

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Tierart – Säugetiere > Fledertiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Myotis mystacinus (Kuhl, 1817)
  • Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
  • Familie: Glattnasen (Vespertilionidae)
  • Gattung: Mausohren (Myotis)
  • Lebensraum: Laubwälder, Waldränder, Siedlungsbereiche, Parks und Gärten
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 35–50 mm, Flügelspannweite 190–250 mm
  • Gewicht: 4–8 g
  • Lebenserwartung: bis zu 23 Jahre (nachgewiesen durch Beringung), durchschnittlich 3–5 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Bartfledermaus, auch Kleine Bartfledermaus genannt, gehört zu den kleinsten einheimischen Fledermausarten. Ihr Fell ist auf der Oberseite dunkelbraun bis graubraun gefärbt, die Unterseite erscheint deutlich heller in einem gelblich-grauen Ton. Die Haarbasis ist bei beiden Seiten dunkel, was bei genauer Betrachtung des Fells erkennbar wird.

Namensgebend ist die dichte Behaarung im Bereich der Oberlippe und des Kinns, die an einen Bart erinnert. Diese Gesichtsbehaarung unterscheidet die Bartfledermaus optisch von vielen anderen Arten der Gattung Myotis. Die Ohren sind mittelgroß, schmal und erreichen eine Länge von etwa 14–17 mm. Der Tragus (Ohrdeckel) ist lang und spitz zulaufend. Die Flughäute und Ohren sind dunkelbraun bis schwärzlich pigmentiert.

Eine sichere Unterscheidung von der eng verwandten Großen Bartfledermaus (Myotis brandtii) ist im Feld äußerst schwierig. Beide Arten wurden erst 1970 durch den tschechischen Zoologen Jiří Hanák als eigenständige Spezies erkannt. Zuverlässige Differenzierungsmerkmale liegen in der Zahnmorphologie, der Penisform bei Männchen und genetischen Markern. Die Große Bartfledermaus besitzt tendenziell etwas längere Ohren und einen leicht helleren Gesichtsbereich.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Kleinen Bartfledermaus erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis – von Westeuropa über Mitteleuropa und Kleinasien bis nach Ostasien. In Europa kommt die Art von der Iberischen Halbinsel bis Skandinavien und von den Britischen Inseln bis zum Ural vor. In den Alpen wurde sie bis in Höhenlagen von etwa 2.000 Metern nachgewiesen.

Als Habitat bevorzugt die Bartfledermaus strukturreiche Landschaften mit einem Mosaik aus Wäldern, Gewässern und Offenland. Typische Biotope sind Laubmischwälder, bachbegleitende Gehölzstreifen, alte Streuobstwiesen, dörfliche Siedlungsränder und parkähnliche Gärten. Die Art gilt als relativ anpassungsfähig und besiedelt sowohl ländliche als auch kleinstädtische Gebiete.

Sommerquartiere befinden sich häufig an und in Gebäuden – hinter Fensterläden, in Spalten an Fassaden, unter Dachziegeln oder hinter Wandverkleidungen. Seltener werden Baumhöhlen und Fledermauskästen genutzt. Die Winterquartiere liegen in unterirdischen Hohlräumen wie Höhlen, Stollen, Kellern und Bunkeranlagen, wo konstante Temperaturen zwischen 2 und 8 °C und hohe Luftfeuchtigkeit herrschen.

Ernährung

Die Bartfledermaus ernährt sich ausschließlich von Insekten und anderen kleinen Arthropoden. Zu den bevorzugten Beutetieren zählen Zweiflügler (Diptera) wie Mücken und kleine Fliegen, Schmetterlinge (Lepidoptera), Köcherfliegen (Trichoptera) und Spinnen. Die Beute wird überwiegend im Flug erbeutet, teils aber auch von Blattoberflächen abgelesen – ein Verhalten, das als „gleaning" bezeichnet wird.

Die Jagd erfolgt entlang linearer Strukturen wie Hecken, Waldrändern und Bachläufen, meist in einer Flughöhe von 1,5 bis 6 Metern. Zur Ortung der Beute nutzt die Bartfledermaus Ultraschall-Echoortung. Die Rufe liegen im Frequenzbereich von etwa 35–80 kHz und sind als frequenzmodulierte (FM) Signale charakterisiert. Die Jagdflüge beginnen kurz nach Sonnenuntergang und können sich über weite Teile der Nacht erstrecken.

Verhalten & Lebensweise

Wie alle europäischen Fledermäuse ist die Bartfledermaus streng nachtaktiv. Tagsüber ruht sie kopfüber hängend in engen Spalten, wobei die Tiere oft dicht aneinandergedrängt sitzen. Die Sommerkolonien, sogenannte Wochenstuben, werden ausschließlich von Weibchen und ihrem Nachwuchs gebildet und umfassen meist 20–70 Individuen, gelegentlich auch bis zu 250 Tiere.

Männchen leben während des Sommers einzeln oder in kleinen Gruppen, getrennt von den Wochenstubenkolonien. Ab August und September finden sich beide Geschlechter an sogenannten Schwärmquartieren ein – Höhleneingänge und Stollenportale, an denen intensive Balzaktivitäten stattfinden. Diese Schwärmphase dient sowohl der Paarung als auch dem Informationsaustausch zwischen Populationen und spielt eine Rolle beim Genfluss.

Der Winterschlaf dauert von Oktober/November bis März/April. Während dieser Ruhephase senken die Tiere ihre Körpertemperatur auf wenige Grad über der Umgebungstemperatur, der Herzschlag verlangsamt sich drastisch, und der Stoffwechsel wird auf ein Minimum reduziert. Störungen während des Winterschlafs können zu lebensbedrohlichem Energieverlust führen.

Die Aktionsradien der Bartfledermaus sind vergleichsweise klein. Zwischen Sommer- und Winterquartier liegen meist nur 10–50 Kilometer, selten mehr als 100 Kilometer. Die Art gilt daher als standorttreu.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paar