Flughund
FTierart – Säugetiere > Fledertiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Pteropodidae (Familie)
- Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
- Unterordnung: Yinpterochiroptera
- Familie: Flughunde (Pteropodidae)
- Gattungen: ca. 46, darunter Pteropus, Rousettus, Eidolon, Epomophorus
- Artenzahl: rund 200 beschriebene Arten
- Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder, Mangroven, Savannen, Küstenregionen
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 6–40 cm; Flügelspannweite je nach Art 25–170 cm
- Gewicht: 15 g (Langzungenflughunde) bis ca. 1.600 g (Kalong)
- Lebenserwartung: 15–30 Jahre, in Gefangenschaft bis über 30 Jahre
Aussehen & Merkmale
Flughunde unterscheiden sich äußerlich deutlich von den meisten Fledermäusen. Ihr Kopf erinnert an den eines kleinen Hundes oder Fuchses – daher rührt sowohl der deutsche Name als auch die englische Bezeichnung „flying fox". Die Augen sind im Verhältnis zum Kopf groß und funktionsfähig, was sie von den überwiegend echoortenden Fledermäusen abgrenzt. Die Ohrmuscheln sind schlicht geformt und vergleichsweise klein. Ein Nasenblatt, wie es viele insektenfressende Fledermäuse besitzen, fehlt den meisten Flughundarten.
Das Fell ist dicht und kurz. Die Färbung variiert artspezifisch von dunkelbraun und schwarz bis hin zu rötlich, goldbraun oder grau. Etliche Arten tragen einen auffällig hellen Kragen oder Nackenfleck, der bei der innerartlichen Kommunikation eine Rolle spielt. Die Flughaut (Patagium) spannt sich zwischen den verlängerten Fingerknochen und den Hinterbeinen. Der Daumen ragt als bekrallter Finger frei heraus und dient zum Klettern und Festhalten an Ästen. Ein Schwanz ist bei den meisten Arten stark reduziert oder fehlt ganz.
Die größte lebende Art ist der Kalong (Pteropus vampyrus) mit einer Flügelspannweite von bis zu 170 cm. Am anderen Ende des Spektrums stehen Langzungenflughunde der Gattung Macroglossus, die kaum größer als eine Maus werden.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Flughunde erstreckt sich über die tropischen und subtropischen Regionen der Alten Welt. Sie kommen in Afrika südlich der Sahara, auf Madagaskar, in Süd- und Südostasien, in Australien sowie auf zahlreichen Inseln des Indischen Ozeans und des Pazifiks vor. In der Neuen Welt fehlen sie vollständig.
Als Habitat bevorzugen Flughunde Tiefland- und Bergregenwälder, Monsunwälder, Mangrovenzonen und fruchttragende Kulturlandschaften. Einige Arten wie der Nilflughund (Rousettus aegyptiacus) besiedeln auch Trockensavannen und nutzen Höhlen als Tagesquartier. Inselarten der Gattung Pteropus sind häufig auf einzelne Archipele oder sogar auf einzelne Inseln beschränkt, was sie besonders anfällig für Habitatverlust macht.
Ernährung
Flughunde sind überwiegend Frugivoren. Sie ernähren sich von reifen Früchten, Nektar, Pollen und Blütenteilen. Mit ihren kräftigen Kiefern zerkauen sie Fruchtfleisch, pressen den Saft aus und spucken die faserigen Reste wieder aus. Langzungenflughunde der Gattungen Macroglossus und Syconycteris haben sich auf Nektar spezialisiert und besitzen eine verlängerte, mit Papillen besetzte Zunge.
Durch ihre Nahrungswahl übernehmen Flughunde eine zentrale ökologische Funktion: Sie verbreiten Samen über weite Distanzen und bestäuben nachtblühende Bäume. Mehr als 300 Pflanzenarten in den Tropen sind auf die Bestäubung oder Samenverbreitung durch Flughunde angewiesen, darunter wirtschaftlich bedeutende Nutzpflanzen wie Mango, Banane und Durian.
Verhalten & Lebensweise
Die meisten Flughundarten sind dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber hängen sie kopfüber in Schlafkolonien, die von wenigen Dutzend bis zu mehreren Hunderttausend Tieren umfassen können. Solche Massenansammlungen finden sich bevorzugt in hohen Baumkronen, seltener in Höhlen. Der Nilflughund ist eine der wenigen Arten, die rudimentäre Echoortung mittels Zungenschnalzlauten einsetzen – ansonsten verlassen sich Flughunde primär auf ihren ausgeprägten Geruchssinn und ihr gutes Sehvermögen.
Bei Einbruch der Dämmerung brechen die Tiere zur Nahrungssuche auf. Einzelne Arten legen dabei Strecken von über 50 Kilometern pro Nacht zurück. Die Navigation erfolgt über visuelle Landmarken und Geruch. Innerhalb der Kolonie herrscht eine lockere soziale Struktur: Männchen beanspruchen kleine Reviere im Schlafbaum und verteidigen diese gegenüber Konkurrenten durch Lautäußerungen, Flügelschlagen und gelegentliche Beißereien.
Fortpflanzung & Aufzucht
Flughunde pflanzen sich meist saisonal fort, wobei die Paarungszeit häufig so gelegt ist, dass die Jungtiere in der fruchtreichsten Periode geboren werden. Die Tragzeit variiert je nach Art zwischen vier und sechs Monaten. In der Regel bringt das Weibchen ein einzelnes Jungtier zur Welt, Zwillingsgeburten sind selten.
Das Neugeborene klammert sich mit seinen Krallen am Fell der Mutter fest und wird in den ersten Lebenswochen auch auf den nächtlichen Nahrungsflügen mitgetragen. Später bleibt es im Schlafbaum zurück und wird dort gesäugt, bis es nach etwa zwei bis vier Monaten selbstständig fliegen und feste Nahrung aufnehmen