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Großer Abendsegler

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Tierart – Säugetiere > Fledertiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Nyctalus noctula
  • Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
  • Familie: Glattnasen (Vespertilionidae)
  • Gattung: Abendsegler (Nyctalus)
  • Lebensraum: Laub- und Mischwälder, Parks, Auenwälder, urbane Gebiete
  • Kopf-Rumpf-Länge: 6–8 cm
  • Flügelspannweite: 32–40 cm
  • Gewicht: 19–40 g
  • Lebenserwartung: bis zu 12 Jahre, in Einzelfällen über 15 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Große Abendsegler zählt zu den größten einheimischen Fledermausarten Mitteleuropas. Sein kurzes, dichtes Fell ist auf der Oberseite rostbraun bis goldbraun gefärbt, die Unterseite etwas heller. Die Haare liegen glatt an und verleihen dem Tier einen seidigen Glanz. Die Ohren sind breit, abgerundet und dunkelbraun bis schwarz pigmentiert, ebenso wie die nahezu unbehaarten Flughäute. Der Tragus – ein kleiner, pilzförmiger Hautlappen im Ohr – ist kurz und charakteristisch geformt, was die Art von verwandten Spezies wie dem Kleinen Abendsegler (Nyctalus leisleri) oder dem Riesenabendsegler (Nyctalus lasiopterus) unterscheidet.

Die Flügel sind lang und schmal, was den Großen Abendsegler zu einem ausdauernden und schnellen Flieger macht. Im Flug erreicht er Geschwindigkeiten von über 50 km/h und gehört damit zu den schnellsten Fledermäusen Europas. Die Schnauze ist breit und kräftig, die Kiefer mit scharfen Zähnen ausgestattet, die auf das Zerbeißen harter Insektenpanzer ausgelegt sind.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Nyctalus noctula erstreckt sich von Westeuropa bis nach Westchina und Nordwestindien. In Europa kommt die Art von der Iberischen Halbinsel bis nach Skandinavien vor, wobei die nördliche Verbreitungsgrenze etwa auf Höhe Südschwedens verläuft. In Mitteleuropa ist der Große Abendsegler weit verbreitet und besiedelt bevorzugt Laub- und Mischwälder mit altem Baumbestand. Natürliche Baumhöhlen – insbesondere alte Spechthöhlen in Eichen, Buchen und Linden – dienen als primäre Quartiere.

Das Habitat umfasst neben Wäldern auch Auenlandschaften, größere Parkanlagen, Alleen und Siedlungsränder. In städtischen Gebieten nutzt die Art Spalten an Gebäuden, Brücken und Flachdachkonstruktionen als Ersatzquartiere. Die Nähe zu Gewässern wird bevorzugt, da über Seen, Flüssen und Teichen die Insektendichte besonders hoch ist. Im Winterhalbjahr ziehen viele Populationen aus Nord- und Nordosteuropa in mildere Regionen Süd- und Westeuropas. Diese saisonalen Wanderungen können Distanzen von über 1.500 Kilometern umfassen, was den Großen Abendsegler zu einer der am weitesten ziehenden Fledermausarten Europas macht.

Ernährung

Der Große Abendsegler ernährt sich ausschließlich von Insekten und ist damit ein reiner Insektivore. Sein Nahrungsspektrum umfasst Käfer, Nachtfalter, Eintagsfliegen, Köcherfliegen und Schnaken. Die Jagd erfolgt im freien Luftraum, häufig in Höhen von 10 bis 50 Metern über dem Boden oder über Gewässeroberflächen. Mithilfe der Echoortung – typische Rufe liegen im Bereich von 20–25 kHz – lokalisiert er Beutetiere auch bei völliger Dunkelheit. Pro Nacht kann ein einzelnes Tier mehrere Gramm Insekten verzehren, was einem erheblichen Anteil seines Körpergewichts entspricht. Vor dem Winterschlaf fressen sich die Tiere größere Fettreserven an, die sie über die Wintermonate zehren.

Verhalten & Lebensweise

Als streng nachtaktive Art verlässt der Große Abendsegler sein Quartier bereits in der frühen Dämmerung, oft noch vor Sonnenuntergang. Damit beginnt er seine Jagdflüge früher als die meisten anderen heimischen Fledermausarten. Der Flug ist geradlinig und schnell, mit langen Gleitphasen, die an den Flugstil von Mauerseglern erinnern. Die Jagdgebiete liegen häufig in einem Radius von mehreren Kilometern um das Quartier.

Große Abendsegler sind gesellige Tiere und bilden Kolonien, die je nach Jahreszeit unterschiedlich zusammengesetzt sind. Im Sommer bestehen die Quartiergemeinschaften aus Weibchengruppen mit ihren Jungtieren, die sogenannten Wochenstuben. Diese können 20 bis über 100 Individuen umfassen. Männchen leben in dieser Zeit einzeln oder in kleinen Gruppen. Im Herbst bilden sich Paarungsgruppen, bei denen ein Männchen ein Baumhöhlenquartier besetzt und durch laute, weit hörbare Balzrufe Weibchen anlockt. Diese Rufe sind eine der wenigen Fledermausvokalisationen, die auch für das menschliche Ohr wahrnehmbar sind.

Den Winter verbringen Große Abendsegler in Winterquartieren, die frostgeschützt sein müssen. Dazu gehören dicke Baumhöhlen, Felsspalten, aber auch Spalten an Hochhäusern und Brücken. Der Winterschlaf dauert in Mitteleuropa etwa von November bis März, kann jedoch bei milden Temperaturen kurzzeitig unterbrochen werden.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit fällt in die Monate August bis Oktober. Männchen besetzen während der Balz Baumhöhlen und verteidigen diese gegenüber Rivalen. Ein Männchen paart sich mit mehreren Weibchen, was als Haremsbildung bezeichnet wird. Die eigentliche Befruchtung erfolgt jedoch oft zeitversetzt: Weibchen können Spermien über den Winter speichern, sodass die Ovulation und Befruchtung erst im Frühjahr stattfinden.

Nach einer Tragzeit von etwa 70 bis 75 Tagen kommen im Juni oder Juli ein bis zwei Jungtiere zur Welt.