Bulldoggfledermaus
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Tadarida teniotis (Rafinesque, 1814)
- Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
- Familie: Bulldoggfledermäuse (Molossidae)
- Gattung: Tadarida
- Lebensraum: Felslandschaften, Gebirge, urbane Gebiete im Mittelmeerraum und angrenzenden Regionen
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 81–92 mm, Flügelspannweite bis 45 cm
- Gewicht: 25–50 g
- Lebenserwartung: bis zu 10 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Europäische Bulldoggfledermaus ist die größte in Europa vorkommende Fledermausart. Ihr Name leitet sich von der charakteristischen Gesichtsform ab: Die breite, flache Schnauze mit den fleischigen, nach vorn gerichteten Lippen erinnert an das Gesicht einer Bulldogge. Die Ohren sind groß, breit und nach vorn gerichtet. Sie sind am Ansatz miteinander verwachsen und ragen deutlich über die Kopfoberseite hinaus. Ein markanter Tragus (Ohrdeckel) ist vorhanden, fällt jedoch im Verhältnis zur Ohrmuschel klein aus.
Das Fell ist kurz, dicht und von graubrauner bis dunkelbrauner Färbung auf der Oberseite. Die Bauchseite ist etwas heller. Die Flughaut ist derb und lederartig, die Flügel schmal und lang – eine Anpassung an den schnellen, ausdauernden Flug in offenem Luftraum. Der Schwanz ragt deutlich über die Schwanzflughaut hinaus, was ein typisches Merkmal der Familie Molossidae darstellt. Die Hinterfüße tragen borstige Haare, die möglicherweise als Tastorgane dienen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Bulldoggfledermaus erstreckt sich über den gesamten Mittelmeerraum, von der Iberischen Halbinsel über Südfrankreich, Italien, den Balkan und Griechenland bis nach Kleinasien und Nordafrika. Isolierte Vorkommen existieren auf den Kanarischen Inseln, auf Madeira sowie im Kaukasus. In Mitteleuropa wird die Art nur äußerst selten nachgewiesen, einzelne Beobachtungen liegen aus der Schweiz und Süddeutschland vor.
Als Habitat bevorzugt die Art felsige Landschaften, Steilküsten, Schluchten und Gebirgszüge bis in Höhenlagen von über 3.000 Metern. Sie nutzt Spalten in Felswänden als Quartiere, besiedelt aber auch Gebäude – etwa Mauerspalten, Rollladenkästen und Hohlräume hinter Fassadenverkleidungen. Diese Flexibilität bei der Quartierwahl ermöglicht es ihr, auch in städtischen Biotopen zu leben.
Ernährung
Die Bulldoggfledermaus ernährt sich ausschließlich von Insekten, die sie im freien Luftraum erbeutet. Zu ihrem Nahrungsspektrum gehören vor allem Nachtfalter (Lepidoptera), Käfer (Coleoptera), Netzflügler (Neuroptera) und Zweiflügler (Diptera). Die Jagd findet in großer Höhe statt, häufig 10 bis 50 Meter über dem Boden, mitunter noch deutlich höher. Die Art nutzt dabei die Echoortung, wobei ihre Rufe im Frequenzbereich zwischen 10 und 15 kHz liegen – ungewöhnlich tief für eine Fledermaus. Diese niederfrequenten Rufe sind für das menschliche Ohr teilweise hörbar und klingen wie ein rhythmisches, metallisches „Tik-Tik".
Durch die hohe Jagdflughöhe steht die Bulldoggfledermaus in geringer Nahrungskonkurrenz zu den meisten anderen europäischen Fledermausarten, die überwiegend in Vegetationsnähe oder über Gewässern jagen.
Verhalten & Lebensweise
Wie alle Fledertiere ist die Bulldoggfledermaus strikt nachtaktiv. Sie verlässt ihr Quartier erst bei vollständiger Dunkelheit und kehrt vor der Morgendämmerung zurück. Die Art gilt als ausgesprochen schneller und wendiger Flieger, der Geschwindigkeiten von über 50 km/h erreicht. Die langen, schmalen Flügel ermöglichen einen energieeffizienten Streckenflug, ähnlich dem von Seglern unter den Vögeln.
Bulldoggfledermäuse leben in Kolonien, die je nach Quartier wenige Dutzend bis mehrere Hundert Individuen umfassen können. Innerhalb der Kolonie bestehen soziale Strukturen, die bislang nur unzureichend erforscht sind. Die Tiere zeigen eine ausgeprägte Quartiertreue und nutzen dieselben Spalten oft über Jahre hinweg. In den Wintermonaten verfallen sie in eine Winterruhe, die jedoch weniger tief ausfällt als bei vielen mitteleuropäischen Fledermausarten. An milden Wintertagen können Bulldoggfledermäuse auch mitten im Winter aktiv sein und kurze Jagdflüge unternehmen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in die Herbstmonate. Die Männchen locken paarungsbereite Weibchen mit lauten, für den Menschen hörbaren Balzrufen an, die sie aus dem Quartier heraus ausstoßen. Nach der Paarung kommt es zu einer verzögerten Befruchtung oder verlangsamten Embryonalentwicklung – ein bei Fledermäusen verbreitetes Phänomen, das sicherstellt, dass die Geburt in eine nahrungsreiche Periode fällt.
Im späten Frühjahr oder Frühsommer bringt das Weibchen ein einzelnes Jungtier zur Welt. Zwillingsgeburten sind selten. Die Wochenstuben, in denen die Weibchen gemeinsam ihre Jungen aufziehen, befinden sich in geschützten Felsspalten oder Gebäudenischen. Das Jungtier wird mehrere Wochen gesäugt und ist nach etwa sechs bis acht Wochen flugfähig. Die Geschlechtsreife wird im zweiten Lebensjahr erreicht.
Bedrohung & Schutzstatus
Die IUCN stuft die Bulldoggfledermaus (Tadarida teniotis) global als „Least Concern" (nicht gefährdet) ein. Regional können die Bestände jedoch unter Druck stehen. Zu den Hauptgefährd