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Hufeisennase

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Tierart – Säugetiere > Fledertiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Rhinolophus (Gattung); bekannteste europäische Art: Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum)
  • Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
  • Unterordnung: Yinpterochiroptera
  • Familie: Hufeisennasen (Rhinolophidae)
  • Gattung: Rhinolophus
  • Lebensraum: Höhlen, Stollen, Dachböden; warme, strukturreiche Landschaften mit Gehölzen und extensivem Grünland
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge je nach Art 35–70 mm; Flügelspannweite 200–400 mm
  • Gewicht: 5–34 g (artabhängig)
  • Lebenserwartung: Bis über 30 Jahre (Ringfunde der Großen Hufeisennase belegen Höchstalter von 30+ Jahren)

Aussehen & Merkmale

Hufeisennasen sind an ihrem namensgebenden Nasenaufsatz sofort von allen anderen europäischen Fledermausarten zu unterscheiden. Dieser komplexe Hautlappen umgibt die Nasenlöcher und besteht aus drei Teilen: einem hufeisenförmigen Blatt, das die Nase von unten umschließt, einem sattelförmigen Mittelteil (Sella) und einem spitz zulaufenden oberen Fortsatz (Lanzette). Der gesamte Apparat dient der gebündelten Abstrahlung der Ultraschallrufe, die – anders als bei den meisten übrigen Fledermäusen – durch die Nase ausgestoßen werden.

Das Fell ist dicht und seidig. Die Oberseite variiert je nach Art von graubraun über rötlich-braun bis sandfarben, die Unterseite ist deutlich heller, oft gelblich-weiß. Die Ohren sind groß, breit und spitz zulaufend, besitzen jedoch keinen Tragus (Ohrdeckel), was ein weiteres Unterscheidungsmerkmal gegenüber den Glattnasen (Vespertilionidae) darstellt. Die Flughäute sind breit und abgerundet, was einen gaukelnden, schmetterlingsartigen Flug ermöglicht. In Ruhe hüllen Hufeisennasen sich vollständig in ihre Flughäute ein und hängen frei von der Decke – sie klammern sich nicht an Wände oder in Spalten wie viele andere Arten.

Lebensraum & Verbreitung

Die Familie der Hufeisennasen umfasst weltweit über 100 beschriebene Arten. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über weite Teile der Alten Welt: von Westeuropa und Nordafrika über den Nahen Osten und Zentralasien bis nach Japan, Südostasien und Australien. In der Neuen Welt fehlen sie vollständig.

In Mitteleuropa kommen drei Arten vor: die Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum), die Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) und die Mittelmeer-Hufeisennase (Rhinolophus euryale), wobei letztere nur in wärmebegünstigten Regionen Südeuropas auftritt. Bevorzugte Habitate sind strukturreiche, wärmegetönte Landschaften mit einem Mosaik aus Wäldern, Hecken, Streuobstwiesen und extensiv genutztem Grünland. Als Quartiere dienen natürliche Höhlen, aufgelassene Bergwerksstollen, Kellergewölbe und – vor allem im Sommer – große Dachstühle.

Die Große Hufeisennase besiedelt in Deutschland nur noch einen einzigen Standort in der Oberpfalz (Bayern), wo eine kleine Wochenstubenkolonie existiert. In Österreich und der Schweiz sind die Bestände ebenfalls stark geschrumpft. Weiter südlich – etwa in Frankreich, Italien und auf dem Balkan – ist die Art noch verbreiteter, wenngleich vielerorts rückläufig.

Ernährung

Hufeisennasen ernähren sich ausschließlich von Insekten und anderen Gliederfüßern. Zum Beutespektrum gehören vor allem Nachtfalter, Käfer, Schnaken, Köcherfliegen und Spinnen. Die Große Hufeisennase jagt bevorzugt größere Insekten wie Maikäfer und Nachtfalter der Gattungen Noctua und Apamea. Die kleinere R. hipposideros nimmt entsprechend kleinere Beutetiere zu sich, darunter Mücken und Kleinschmetterlinge.

Die Jagd erfolgt teils im freien Flug, teils von Ansitzwarten aus. Von einem erhöhten Punkt – einem Ast oder Mauervorsprung – ortet das Tier vorbeifliegende Insekten, startet gezielt und kehrt mit der Beute zum Ansitz zurück. Diese Strategie wird als „flycatching" oder Ansitzjagd bezeichnet.

Verhalten & Lebensweise

Alle Hufeisennasen sind streng nachtaktiv. Sie verlassen ihre Quartiere erst in der Dämmerung und kehren vor Morgengrauen zurück. Die Echoortung erfolgt über konstant-frequente Rufe (CF-Rufe), die durch die Nase emittiert und über den Nasenaufsatz gerichtet abgestrahlt werden. Die Große Hufeisennase ruft bei einer Grundfrequenz von etwa 83 kHz, die Kleine bei rund 110 kHz. Durch die Auswertung von Dopplerverschiebungen im zurückkehrenden Echo können Hufeisennasen selbst kleinste Flügelbewegungen eines Insekts registrieren – ein System, das in seiner Präzision unter Fledermäusen einzigartig ist und als Doppler-Shift-Kompensation beschrieben wird.

Im Winter halten Hufeisennasen einen ausgedehnten Winterschlaf, der von Oktober bis April dauern kann. Die Tiere suchen dafür Quartiere mit stabiler Temperatur (6–12 °C) und hoher Luftfeuchtigkeit auf, typischerweise Höhlen und Stollen. Während des Winterschlafs sinkt die Körpertemperatur auf wenige Grad über die Umgebungstemperatur, der Herzschlag verlangsamt sich auf unter 10 Schläge pro Minute.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung findet im Herbst statt, teils auch im Winterquartier. Die befruchtete Eizelle wird erst im Frühjahr implantiert – eine verzögerte