Breitflügelfledermaus
BTierart – Säugetiere > Fledertiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Eptesicus serotinus
- Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
- Familie: Glattnasen (Vespertilionidae)
- Gattung: Breitflügelfledermäuse (Eptesicus)
- Lebensraum: Siedlungsbereiche, Parks, Waldränder, offene Kulturlandschaften
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 62–82 mm, Flügelspannweite 320–380 mm
- Gewicht: 14–35 g
- Lebenserwartung: bis zu 21 Jahre (in Ausnahmefällen), durchschnittlich 4–5 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Breitflügelfledermaus gehört zu den größeren einheimischen Fledermausarten Mitteleuropas. Das Fell ist auf der Oberseite dunkelbraun bis rauchbraun gefärbt, die Unterseite erscheint etwas heller, gelbbraun bis graubraun. Die einzelnen Haare sind an der Basis dunkel und hellen zur Spitze hin leicht auf. Das Gesicht, die Ohren und die Flughäute sind schwarzbraun und nahezu unbehaart. Die Ohren sind relativ kurz, breit und fleischig, mit einem abgerundeten Tragus (Ohrdeckel), der etwa die halbe Ohrlänge erreicht.
Namensgebend sind die breiten Flügel, die im Vergleich zu vielen anderen Glattnasen-Arten eine größere Fläche aufweisen. Die Flughaut spannt sich zwischen den verlängerten Fingerknochen, den Hinterbeinen und dem Schwanz. Der Schwanz ist vollständig in die Schwanzflughaut (Uropatagium) eingebettet. Die Schnauze ist breit und kräftig, was der Art zusammen mit dem robusten Körperbau ein gedrungenes Erscheinungsbild verleiht. Die Zähne sind für eine insektenfressende Fledermaus vergleichsweise kräftig ausgebildet, was den Verzehr hartschaliger Beutetiere ermöglicht.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Breitflügelfledermaus erstreckt sich von Westeuropa über Mittel- und Südeuropa bis nach Zentralasien und in Teile Nordafrikas. In Deutschland kommt sie nahezu flächendeckend vor, wobei sie im Norden häufiger anzutreffen ist als in den höheren Lagen der Mittelgebirge und Alpen. Oberhalb von etwa 800 Metern Höhe fehlt sie in der Regel.
Als typische Gebäudefledermaus besiedelt die Art bevorzugt menschliche Siedlungen. Ihre Quartiere befinden sich in Spalten und Hohlräumen an und in Gebäuden – hinter Fassadenverkleidungen, in Mauerspalten, unter Dachziegeln oder in Zwischendecken. Natürliche Baumhöhlen nutzt sie seltener. Das bevorzugte Jagdhabitat umfasst Parks, Gärten, Streuobstwiesen, Waldränder und Gewässerufer. Strukturreiche Kulturlandschaften mit einem Mosaik aus offenen Flächen und Gehölzbeständen bieten optimale Bedingungen. In ausgeräumten Agrarlandschaften mit intensiver Bewirtschaftung nimmt die Eignung als Jagdbiotop deutlich ab.
Ernährung
Die Breitflügelfledermaus ernährt sich ausschließlich von Insekten und anderen Gliederfüßern. Zu ihren bevorzugten Beutetieren zählen Käfer (insbesondere Maikäfer und Dungkäfer), Nachtfalter, Zweiflügler und Hautflügler. Dank ihres kräftigen Gebisses kann sie auch hartschalige Käfer zerbeißen, die für kleinere Fledermausarten nicht als Nahrung infrage kommen.
Die Jagd erfolgt im freien Luftraum, häufig in Höhen zwischen 5 und 15 Metern. Dabei fliegt die Art mit relativ langsamen, aber wendigen Flügelschlägen entlang von Straßenlaternen, über Viehweiden oder an Waldrändern. Die Ortung der Beute geschieht per Echoortung: Die ausgestoßenen Ultraschallrufe liegen bei etwa 25–30 kHz und sind mit einem Fledermausdetektor als rhythmisches, trockenes Klicken gut zu identifizieren. Ein Tier kann pro Nacht mehrere Gramm Insekten verzehren, was einem erheblichen Anteil seines Körpergewichts entspricht.
Verhalten & Lebensweise
Die Breitflügelfledermaus ist streng nachtaktiv. Ihr Ausflug aus dem Quartier erfolgt in der Regel kurz nach Sonnenuntergang – sie gehört damit zu den vergleichsweise früh ausfliegenden Arten. Die Jagdflüge erstrecken sich über Entfernungen von meist 3 bis 6 Kilometern vom Quartier, gelegentlich auch weiter. Zwischen Sommer- und Winterquartier legt die Art typischerweise nur kurze Distanzen von unter 50 Kilometern zurück; sie zählt daher nicht zu den wandernden Fledermausarten.
Den Winter verbringt die Breitflügelfledermaus im Winterschlaf, wobei sie Quartiere mit relativ niedrigen Temperaturen (2–4 °C) und hoher Luftfeuchtigkeit bevorzugt. Geeignete Überwinterungsplätze sind Keller, Stollen, Felshöhlen oder frostfreie Gebäudespalten. Die Tiere hängen dabei einzeln oder in kleinen Gruppen und fahren ihren Stoffwechsel drastisch herunter. Der Winterschlaf dauert in Mitteleuropa von Oktober/November bis März/April, abhängig von der Witterung.
Sozial lebt die Art außerhalb der Wochenstubenzeit eher einzelgängerisch oder in kleinen lockeren Verbänden. Größere Ansammlungen treten vorwiegend in den sommerlichen Wochenstuben auf.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet überwiegend im Herbst statt, teilweise auch während der Wintermonate. Das Weibchen speichert die Spermien über den Winter, die eigentliche Befruchtung erfolgt erst im Frühjahr. Ab Mai oder Juni versammeln sich die trächtigen Weibchen in sogenannten Wochenstubenkolonien, die in Mitteleuropa meist 10 bis 60, gelegentlich bis zu 200 Tiere umfassen. Diese Kolonien befinden sich fast ausschließlich in und an Gebäuden.
Nach einer Tragzeit von etwa 9 bis 10 Wochen bringt