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Hasenmaul

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Tierart – Säugetiere > Fledertiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Noctilio leporinus
  • Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
  • Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
  • Familie: Hasenmäuler (Noctilionidae)
  • Gattung: Noctilio
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Tieflandgebiete, stets in Gewässernähe
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 10–13 cm, Flügelspannweite bis 70 cm
  • Gewicht: 50–90 g
  • Lebenserwartung: Bis etwa 11 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Das Große Hasenmaul gehört zu den auffälligsten Fledermäusen der Neotropis. Seinen deutschen Namen verdankt die Art der tief gespaltenen Oberlippe, die an das Maul eines Hasen erinnert. Diese Spalte ist kein rein kosmetisches Merkmal, sondern steht in direktem Zusammenhang mit der Jagdweise: Sie ermöglicht dem Tier, die Beute mit den Zähnen zu greifen, ohne den Luftstrom beim Fliegen zu stark zu beeinträchtigen.

Das Fell ist kurz und glatt anliegend. Männchen zeigen eine orange- bis rostbraune Färbung, während Weibchen eher graubraun gefärbt sind – ein bei Fledermäusen seltener Geschlechtsdimorphismus in der Fellfarbe. Die Unterseite ist heller. Die Ohren sind schmal, spitz und nach vorn gerichtet. Der Tragus ist kurz und breit. Besonders markant sind die großen Hinterfüße mit langen, sichelförmig gebogenen Krallen, die als Greifwerkzeug beim Fischfang dienen. Die Schwanzflughaut (Uropatagium) ist gut entwickelt und wird beim Beutefang als eine Art Kescher eingesetzt. Die Flügel sind lang und schmal – ein Zeichen für schnellen, ausdauernden Flug über offenen Wasserflächen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Noctilio leporinus erstreckt sich vom südlichen Mexiko über Mittelamerika und die Karibikinseln bis ins nördliche Argentinien. Die Art besiedelt tropische und subtropische Tieflandregionen, wobei die Bindung an Gewässer das entscheidende Habitatmerkmal darstellt. Bevorzugte Biotope sind Küstenlagunen, Mangrovengebiete, Flussmündungen, Seen und langsam fließende Flüsse. Gelegentlich jagen Hasenmäuler auch über Brackwasser oder direkt an der Meeresküste.

Tagesquartiere finden sich in Baumhöhlen, Felsspalten, Höhlen und unter Brücken. In manchen Regionen nutzen die Tiere auch verlassene Gebäude. Die Quartiere befinden sich grundsätzlich in der Nähe geeigneter Jagdgewässer, selten weiter als wenige Kilometer entfernt.

Ernährung

Das Große Hasenmaul ist eine der wenigen Fledermausarten weltweit, die sich vorwiegend von Fisch ernähren. Diese als Piscivorie bezeichnete Ernährungsweise teilt es nur mit einer Handvoll anderer Chiroptera-Arten, etwa der Großfußfledermaus (Myotis vivesi) in Mexiko. Die Jagd erfolgt nachts über stehenden oder langsam fließenden Gewässern. Dabei fliegt das Hasenmaul dicht über der Wasseroberfläche und ortet Beute mithilfe seiner Echolokation. Kleine Kräuselungen oder Sprünge von Fischen an der Oberfläche erzeugen Echos, die das Tier präzise auswertet.

Hat das Hasenmaul einen Fisch geortet, zieht es die langen Krallen der Hinterfüße wie eine Harke durch das Wasser. Gefangene Fische werden mit den Krallen zum Maul geführt und entweder sofort gefressen oder in den dehnbaren Backentaschen zwischengelagert. Die Beute besteht hauptsächlich aus kleinen Fischen von zwei bis acht Zentimetern Länge. Ergänzend stehen Insekten auf dem Speiseplan, vor allem Wasserinsekten und Nachtfalter. Jungtiere und Individuen in gewässerarmen Regionen zeigen einen höheren Insektenanteil in der Nahrung.

Verhalten & Lebensweise

Noctilio leporinus ist streng nachtaktiv. Kurz nach Sonnenuntergang verlassen die Tiere ihre Tagesquartiere und fliegen zu den Jagdgebieten, die mitunter mehrere Kilometer entfernt liegen. Der Flug ist schnell und geradlinig, mit wenigen Richtungswechseln – typisch für Arten mit hoher Flächenbelastung und langen, schmalen Flügeln.

Hasenmäuler leben in Gruppen von bis zu 75 Individuen, wobei die Koloniegröße je nach Quartiertyp variiert. Innerhalb der Quartiere herrscht eine Geschlechtertrennung: Männchen und Weibchen besetzen oft getrennte Bereiche. Die Tiere verständigen sich über ein breites Repertoire an Soziallauten, die sich von den Ultraschallsignalen der Echolokation unterscheiden. Die Echolokationsrufe liegen im Frequenzbereich von etwa 55 kHz und werden als kurze, schmalbandig-abfallende Signale (CF-FM-Typ) beschrieben – gut geeignet für die Detektion kleiner Ziele über glatten Wasserflächen.

Ein auffälliges Merkmal der Art ist ihr moschusartiger Körpergeruch, der von Hautdrüsen produziert wird und bei der Geschlechtspartner-Erkennung eine Rolle spielen dürfte.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung findet einmal jährlich statt, wobei der Zeitpunkt je nach Region variiert. In Mittelamerika fallen die Geburten überwiegend in die Trockenzeit zwischen November und April. Die Tragzeit beträgt rund vier Monate. Weibchen bringen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt, Zwillingsgeburten sind selten.

Die Neugeborenen sind nackt und blind. Sie klammern sich in den ersten Lebenswochen am Körper der Mutter fest und werden auch während deren Ruhephasen im Quartier gesäugt. Nach etwa vier bis fünf Wochen beginnen die Jungtiere, erste Flugversuche zu unterneh