Baumwollschwanzkaninchen
BTierart – Säugetiere > Hasenartige
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Sylvilagus (Gattung mit ca. 20 Arten)
- Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
- Familie: Hasen (Leporidae)
- Gattung: Sylvilagus
- Bekannteste Art: Östliches Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus floridanus)
- Lebensraum: Waldränder, Buschland, Wiesen, Gärten, Sumpfgebiete – je nach Art
- Größe: 25–45 cm Körperlänge
- Gewicht: 0,8–1,8 kg
- Lebenserwartung: 1–3 Jahre in freier Wildbahn, bis zu 8 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Baumwollschwanzkaninchen sind mittelgroße Vertreter der Familie der Hasen (Leporidae). Ihr namensgebendes Merkmal ist die Unterseite des kurzen, aufwärts gerichteten Schwanzes: Sie ist leuchtend weiß und wirkt wie ein kleiner Bausch Baumwolle, der beim Flüchten auffällig aufblitzt. Die Oberseite des Fells variiert je nach Art und Verbreitungsgebiet zwischen graubraun, rotbraun und sandfarben. Die Bauchseite ist deutlich heller, meist weißlich bis cremefarben.
Die Ohren sind im Vergleich zu vielen anderen Hasenartigen relativ kurz und erreichen bei den meisten Arten eine Länge von 5–7 cm. Die Hinterläufe sind kräftig, aber nicht so lang wie bei den echten Hasen der Gattung Lepus. Die großen, seitlich am Kopf platzierten Augen ermöglichen ein Sichtfeld von nahezu 360 Grad, was der frühzeitigen Erkennung von Fressfeinden dient. Ein Fellwechsel findet zweimal jährlich statt: Das dichtere Winterfell wird im Frühjahr durch ein kürzeres, leichteres Sommerfell ersetzt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gattung Sylvilagus erstreckt sich über weite Teile des amerikanischen Doppelkontinents – von Südkanada über die gesamten USA und Mexiko bis nach Südamerika. Die mit Abstand häufigste und am weitesten verbreitete Art ist das Östliche Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus floridanus), dessen Habitat sich von den Großen Seen bis nach Venezuela erstreckt.
Baumwollschwanzkaninchen besiedeln eine große Bandbreite an Biotopen. Sie bevorzugen Landschaften mit dichter Bodenvegetation, die Deckung vor Fressfeinden bietet: Waldränder, Heckenreihen, verwilderte Gärten, Buschland und Brachen. Auch in Sumpfgebieten und Feuchtwiesen kommen spezialisierte Arten vor, etwa das Sumpfkaninchen (Sylvilagus palustris), das sich sogar schwimmend fortbewegen kann. In städtischen und vorstädtischen Gebieten Nordamerikas haben sich mehrere Arten als Kulturfolger etabliert und nutzen Parks, Friedhöfe und Vorgärten als Lebensraum.
Ernährung
Baumwollschwanzkaninchen sind reine Pflanzenfresser (Herbivore). Ihre Nahrung richtet sich stark nach der Jahreszeit. Im Frühjahr und Sommer besteht die Kost überwiegend aus Gräsern, Kräutern, Klee, jungen Trieben und Blättern. Im Herbst ergänzen Früchte und Samen den Speiseplan. Während der Wintermonate, wenn frisches Grün knapp wird, weichen die Tiere auf Rinde, Knospen und Zweige von Sträuchern und jungen Bäumen aus.
Wie alle Hasenartigen praktizieren Baumwollschwanzkaninchen die sogenannte Caecotrophie: Sie scheiden einen speziellen, weichen Blinddarmkot (Caecotrophe) aus und fressen diesen erneut. Durch diese doppelte Darmpassage können sie schwer verdauliche Pflanzenfasern effizienter verwerten und zusätzliche Nährstoffe, insbesondere B-Vitamine, aufnehmen.
Verhalten & Lebensweise
Baumwollschwanzkaninchen sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Die Hauptaktivitätsphasen liegen in den Stunden nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang. Tagsüber ruhen die Tiere in sogenannten Sassen – flachen Mulden im Boden, die durch Vegetation oder Gestrüpp verdeckt sind. Anders als das Europäische Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) graben Baumwollschwanzkaninchen keine eigenen Baue. Sie nutzen jedoch verlassene Erdbaue anderer Tiere, etwa von Murmeltieren oder Gürteltieren, als Unterschlupf.
Die Tiere leben einzelgängerisch und sind nicht territorial im engeren Sinne. Ihre Streifgebiete überlappen sich häufig, wobei Männchen größere Areale durchstreifen als Weibchen. Bei Gefahr verharren Baumwollschwanzkaninchen zunächst regungslos und verlassen sich auf ihre Tarnfärbung. Wird ein Fressfeind dennoch aufmerksam, flüchten sie in schnellen Zickzack-Sprüngen und erreichen dabei Geschwindigkeiten von bis zu 30 km/h. Der aufblitzende weiße Schwanz irritiert dabei den Verfolger kurzzeitig.
Fortpflanzung & Aufzucht
Baumwollschwanzkaninchen zählen zu den produktivsten Säugetieren Nordamerikas. Die Fortpflanzungszeit erstreckt sich je nach Region von Februar bis September. Vor der Paarung zeigen die Männchen ein charakteristisches Balzverhalten: Sie verfolgen das Weibchen und führen dabei hohe Sprünge aus, bei denen sie sich in der Luft drehen – ein Verhalten, das in der englischsprachigen Literatur als „mating dance" beschrieben wird.
Nach einer Tragzeit von nur 26–30 Tagen bringt das Weibchen einen Wurf von 3–8 Jungtieren zur Welt. Die Nestmulde wird vom Weibchen mit Gras und eigenem Bauchfell ausgekleidet. Die Neugeborenen kommen blind, nackt und hilflos zur Welt – im Gegensatz zu den Jungen der echten Hasen,