Eselhase
ETierart – Säugetiere > Hasenartige
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Lepus alleni
- Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
- Familie: Hasen (Leporidae)
- Gattung: Echte Hasen (Lepus)
- Lebensraum: Wüsten und Halbwüsten im Südwesten Nordamerikas
- Größe: Körperlänge 55–70 cm; Ohrlänge bis 17 cm
- Gewicht: 2,5–5 kg
- Lebenserwartung: ca. 5–7 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Der Eselhase ist eine der größten Hasenarten Nordamerikas und verdankt seinen deutschen Trivialnamen den auffallend langen Ohren, die an die Ohren eines Esels erinnern. Die Löffel erreichen eine Länge von bis zu 17 Zentimetern und sind damit proportional zu den längsten innerhalb der Gattung Lepus. Sie sind an der Außenseite grau bis sandfarben behaart, an der Innenseite dagegen fast unbehaart und von einem dichten Netz aus Blutgefäßen durchzogen.
Das Fell ist an der Oberseite sandgrau bis gelblichbraun und passt sich damit der Färbung des Wüstenbodens an. Die Flanken sind heller, die Unterseite nahezu weiß. Entlang des Rückens zieht sich ein schwach ausgeprägter, dunklerer Aalstrich. Die Hinterläufe sind kräftig und lang gebaut – eine Anpassung an die schnelle Fortbewegung in offenem Gelände. Der Schwanz (Blume) ist kurz, oberseits dunkel, unterseits weiß. Im Gegensatz zum nahe verwandten Kalifornischen Eselhasen (Lepus californicus), der häufig unter dem englischen Namen „Black-tailed Jackrabbit" bekannt ist, besitzt Lepus alleni eine überwiegend weiße Schwanzoberseite und insgesamt blasseres Fell.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Eselhasen beschränkt sich auf den äußersten Südwesten der USA – vor allem den Süden Arizonas – sowie den Nordwesten Mexikos, insbesondere die Bundesstaaten Sonora und Sinaloa. Sein Habitat sind aride und semiaride Landschaften: Dornbusch-Halbwüsten, Creosote-Buschland und offene, mit Kakteen und Mesquite-Sträuchern bestandene Ebenen. Die Art meidet dicht bewaldete oder gebirgige Regionen und bevorzugt flaches bis leicht hügeliges Terrain mit ausreichend Sichtweite, das eine frühzeitige Feindwahrnehmung erlaubt.
Im Gegensatz zu vielen anderen Hasenarten gräbt der Eselhase keine Baue. Er ruht tagsüber in flachen, selbst gescharrten Mulden (Sassen) im Schatten von Büschen oder Kakteen. Dieses Biotop bietet gleichzeitig Deckung und ein Minimum an Abkühlung in der extremen Wüstenhitze.
Ernährung
Der Eselhase ist ein reiner Pflanzenfresser (Herbivor). Sein Nahrungsspektrum umfasst Gräser, Kräuter, Blätter, Rinde und insbesondere die wasserhaltigen Triebe und Früchte von Kakteen – darunter Feigenkaktus (Opuntia). Diese sukkulenten Pflanzenteile decken einen Großteil seines Flüssigkeitsbedarfs, sodass der Eselhase weitgehend unabhängig von offenen Wasserquellen leben kann. Saisonabhängig nimmt er auch vertrocknete Pflanzenreste und Samen zu sich. Wie bei allen Hasenartigen findet eine Caecotrophie statt: Weicher Blinddarmkot wird direkt vom After aufgenommen und erneut verdaut, um Nährstoffe – insbesondere B-Vitamine und Aminosäuren – effizienter zu verwerten.
Verhalten & Lebensweise
Der Eselhase ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Während der heißesten Tagesstunden ruht er bewegungslos in seiner Sasse. Bei Einbruch der Abenddämmerung beginnt die Nahrungssuche, die sich bis in die frühen Morgenstunden erstreckt. Die Art ist ein Einzelgänger; es werden keine festen Sozialverbände oder Rudel gebildet. Territoriales Verhalten ist schwach ausgeprägt – die Tiere nutzen überlappende Streifgebiete, ohne diese aktiv zu verteidigen.
Die langen Ohren erfüllen neben der akustischen Wahrnehmung eine zentrale thermoregulatorische Funktion. Das dichte Kapillarnetz in den dünnhäutigen Ohrmuscheln ermöglicht bei hohen Außentemperaturen eine effiziente Wärmeabgabe an die Umgebungsluft. Dieses Prinzip funktioniert ähnlich wie ein Kühler: Durch Erweiterung der Blutgefäße (Vasodilatation) wird warmes Blut in die Ohren geleitet und dort abgekühlt.
Bei Bedrohung durch Raubtiere – darunter Kojoten, Steinadler, Rotluchse und Klapperschlangen – setzt der Eselhase auf Flucht. Er erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h und schlägt dabei abrupt Haken, um Verfolger abzuschütteln. Die kräftigen Hinterläufe ermöglichen Sprünge von mehreren Metern Weite.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungszeit erstreckt sich in den meisten Teilen des Verbreitungsgebiets über das gesamte Jahr, wobei ein Schwerpunkt auf den Monaten Dezember bis September liegt. Die Tragzeit beträgt etwa 46 Tage – vergleichsweise lang für einen Hasen. Ein Wurf umfasst in der Regel ein bis fünf Jungtiere, meist zwei bis drei.
Wie bei allen Echten Hasen handelt es sich um Nestflüchter: Die Jungen kommen behaart, sehend und weitgehend bewegungsfähig zur Welt. Sie werden in einer einfachen Bodenmulde abgesetzt und vom Muttertier nur zum Säugen aufgesucht, um Fressfeinde nicht auf den Nachwuchs aufmerksam zu machen. Die Stillzeit beträgt etwa drei bis vier Wochen. Eine Paarbindung zwischen den Geschlechtern besteht nicht; das Männchen beteiligt sich nicht an der Aufzucht. Weibchen können unter