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Polarhase

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Tierart – Säugetiere > Hasenartige

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Lepus arcticus
  • Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
  • Familie: Hasen (Leporidae)
  • Gattung: Echte Hasen (Lepus)
  • Lebensraum: Arktische Tundra, felsige Hochlagen und Küstenregionen Nordamerikas und Grönlands
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 43–70 cm, Ohrlänge ca. 7–8 cm
  • Gewicht: 2,5–5,5 kg
  • Lebenserwartung: ca. 5 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Der Polarhase ist einer der größten Vertreter der Gattung Lepus und zugleich der am besten an arktische Bedingungen angepasste Hase Nordamerikas. Sein dichtes, weiches Fell ist im Winter reinweiß und bietet hervorragende Tarnung in der schneebedeckten Tundra. Lediglich die Spitzen der Ohren bleiben ganzjährig schwarz gefärbt. In den südlicheren Teilen seines Verbreitungsgebiets wechselt das Fell im Sommer zu einem bräunlich-grauen Ton, der sich dem Untergrund aus Felsen und spärlicher Vegetation anpasst. Populationen im hohen Norden Kanadas und auf Grönland behalten ihr weißes Fell dagegen das gesamte Jahr über.

Im Vergleich zu verwandten Arten wie dem Schneehasen (Lepus timidus) der Alten Welt oder dem Schneeschuhhasen (Lepus americanus) weist der Polarhase einen kompakteren Körperbau mit relativ kurzen Ohren und kurzen Hinterläufen auf. Diese Proportionen folgen der Allen-Regel: Vorstehende Körperteile sind bei Tieren in kalten Klimaten reduziert, um den Wärmeverlust zu minimieren. Die kräftigen, dicht behaarten Pfoten wirken wie natürliche Schneeschuhe und verhindern ein Einsinken in den lockeren Schnee. Unterhalb des Fells liegt eine dicke Unterwolle, die zusammen mit einer subkutanen Fettschicht als Isolation gegen Temperaturen von bis zu minus 40 °C dient.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Polarhasen erstreckt sich über die arktischen und subarktischen Regionen Nordamerikas. Er besiedelt die Tundra Grönlands, die kanadischen Arktisinseln (darunter Ellesmere Island und Baffin Island), weite Teile Nunavuts sowie die nördlichsten Gebiete von Neufundland und Labrador. Sein Habitat umfasst baumlose Hochebenen, felsige Hänge, windgepeitschte Küstenstreifen und die Übergangszone zwischen Tundra und borealer Nadelwaldgrenze.

Der Polarhase bevorzugt Biotope mit geringer Vegetation und guter Übersicht, da offenes Gelände eine frühzeitige Erkennung von Fressfeinden ermöglicht. Felsvorsprünge und Schneeverwehungen dienen ihm als Deckung und Windschutz. Anders als viele Hasenarten gräbt Lepus arcticus gelegentlich flache Mulden in den Schnee, um sich vor Sturm und Kälte zu schützen.

Ernährung

Als Pflanzenfresser ernährt sich der Polarhase überwiegend von den spärlichen Gewächsen der Tundra. Die Nahrung variiert je nach Jahreszeit: Im Sommer frisst er Blätter, Kräuter, Gräser, Beeren und Blüten arktischer Pflanzen wie der Polarweide (Salix arctica). Im Winter, wenn die Vegetation unter einer geschlossenen Schneedecke liegt, gräbt er mit seinen kräftigen Vorderpfoten nach Wurzeln, Moosen und Flechten. Auch holzige Pflanzenteile und Rinde werden dann aufgenommen. Gelegentlich wurde beobachtet, dass Polarhasen tierische Nahrung zu sich nehmen – etwa Aas oder den Mageninhalt erlegter Tiere –, was unter den extremen Bedingungen der Arktis als opportunistische Ergänzung der kargen Pflanzenkost gedeutet wird.

Verhalten & Lebensweise

Im Gegensatz zu vielen anderen Hasenarten ist der Polarhase kein strenger Einzelgänger. Außerhalb der Fortpflanzungszeit bilden sich häufig lose Gruppen von mehreren Dutzend bis zu mehreren Hundert Tieren, die gemeinsam auf Nahrungssuche gehen. Diese Ansammlungen bieten verbesserten Schutz vor Raubtieren, da viele Augenpaare die Umgebung überwachen. Nähert sich ein Feind, zerstreut sich die Gruppe blitzartig in alle Richtungen, was den Angreifer verwirrt.

Der Polarhase ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, kann aber – insbesondere während der Polarnacht oder des Polartags – auch zu anderen Tageszeiten aktiv sein. Sein Aktivitätsmuster ist flexibel und richtet sich nach Licht-, Wetter- und Nahrungsbedingungen. Bei Gefahr kann er Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h erreichen. Typisch ist dabei eine bipede Fortbewegung auf den Hinterläufen über kurze Distanzen, bevor er in den gewohnten Vierfüßergang wechselt. Zu seinen natürlichen Fressfeinden zählen der Polarfuchs (Vulpes lagopus), die Schnee-Eule (Bubo scandiacus), der Gerfalke (Falco rusticolus) und der Polarwolf (Canis lupus arctos).

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit des Polarhasen beginnt im April oder Mai, abhängig von der geographischen Breite und den lokalen Witterungsbedingungen. Während der Balz kommt es zu ritualisierten Verfolgungsjagden und Kämpfen unter den Rammlern (männlichen Hasen), bei denen sich die Rivalen auf die Hinterläufe stellen und mit den Vorderpfoten boxen – ein Verhalten, das auch von anderen Lepus-Arten bekannt ist.

Nach einer Tragzeit von etwa 50 Tagen bringt das Weibchen (Häsin) in der Regel zwei bis acht Junge zur Welt. Die Jungtiere werden in einer flachen Mulde am Boden, oft im Schutz von Felsen, geboren. Anders als Kaninchenjunge kommen junge Polarhasen bereits vollständig behaart und mit offenen Augen zur Welt – sie sind somit Nestflüchter. Trotzdem bleiben sie in den ersten Lebenswo