Pfeifhase
PTierart – Säugetiere > Hasenartige
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Ochotona (Gattung)
- Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
- Familie: Pfeifhasen (Ochotonidae)
- Anzahl der Arten: ca. 30 rezente Arten
- Lebensraum: Gebirgsregionen, Steppen, Hochplateaus und Felslandschaften Asiens und Nordamerikas
- Größe: 12–30 cm Kopf-Rumpf-Länge, je nach Art
- Gewicht: 75–300 g
- Lebenserwartung: 3–7 Jahre, je nach Art und Lebensraum
Aussehen & Merkmale
Pfeifhasen – auch Pikas genannt – gehören zur Ordnung der Hasenartigen, unterscheiden sich äußerlich jedoch deutlich von Hasen und Kaninchen. Ihr Körperbau ist gedrungen und rundlich, die Hinterläufe kaum länger als die Vorderläufe. Ein auffälliges Merkmal ist das fast vollständige Fehlen eines äußerlich sichtbaren Schwanzes: Er misst lediglich wenige Millimeter und verschwindet im dichten Fell. Die Ohren sind kurz, abgerundet und deutlich kleiner als bei echten Hasen, was den Pfeifhasen ein hamsterähnliches Erscheinungsbild verleiht.
Das Fell ist dicht und weich, bei den meisten Arten in Braun-, Grau- oder Ockertönen gefärbt, was eine hervorragende Tarnung im felsigen oder steppenartigen Habitat bietet. Im Winter tragen einige Hochgebirgsarten ein deutlich dickeres Fell, das heller ausfallen kann. Die Vibrissen (Tasthaare) an der Schnauze sind gut entwickelt und dienen der Orientierung in Felsspalten und unterirdischen Gängen. Wie alle Lagomorpha besitzen Pfeifhasen im Oberkiefer hinter den Schneidezähnen ein zweites, kleineres Paar Stiftzähne – ein Unterscheidungsmerkmal gegenüber Nagetieren.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Pfeifhasen erstreckt sich über weite Teile Zentral- und Nordasiens sowie den Westen Nordamerikas. Der Großteil der Arten lebt in Asien – vom Iran über den Himalaya und das Tibetische Hochplateau bis nach Sibirien, Japan und die Mongolei. In Nordamerika kommen lediglich zwei Arten vor: der Amerikanische Pfeifhase (Ochotona princeps) und der Halsbandpfeifhase (Ochotona collaris).
Pfeifhasen besiedeln sehr unterschiedliche Biotope. Viele Arten sind typische Bewohner alpiner Geröllfelder und Blockhalden in Höhenlagen zwischen 2.500 und 6.000 Metern. Dort nutzen sie natürliche Felsspalten und Hohlräume als Unterschlupf. Andere Arten, etwa der Daurische Pfeifhase (Ochotona dauurica) oder der Plateau-Pfeifhase (Ochotona curzoniae), graben ausgedehnte Tunnelsysteme in offenen Steppen und Graslandschaften. Allen Arten gemeinsam ist die Abhängigkeit von Lebensräumen mit ausreichend Vegetation in unmittelbarer Nähe ihrer Bauten.
Ernährung
Pfeifhasen sind ausschließlich Pflanzenfresser. Ihr Nahrungsspektrum umfasst Gräser, Kräuter, Moose, Flechten und junge Triebe von Sträuchern. Je nach Verbreitungsgebiet und Höhenlage variiert die Zusammensetzung der Nahrung erheblich. Die Tiere praktizieren – wie Hasen und Kaninchen – Caecotrophie: Sie nehmen einen Teil ihres Kots (sogenannte Blinddarmlosung) erneut auf, um Nährstoffe und Vitamine aus der schwer verdaulichen Pflanzennahrung vollständig zu verwerten.
Eine besondere Verhaltensweise ist das Anlegen von Heuvorräten. Vor allem die in höheren Lagen lebenden Arten sammeln im Spätsommer und Herbst große Mengen an Pflanzenmaterial, das sie auf Felsen oder in der Nähe ihrer Baueingänge zum Trocknen ausbreiten. Diese sorgfältig angelegten „Heuhaufen" dienen als Wintervorrat und können erstaunliche Ausmaße annehmen – bei manchen Arten bis zu mehrere Kilogramm Trockenmasse. Pfeifhasen halten keinen Winterschlaf und sind daher auf diese Vorräte angewiesen, um die kalte Jahreszeit zu überstehen.
Verhalten & Lebensweise
Pfeifhasen sind überwiegend tagaktiv, mit Aktivitätsschwerpunkten in den Morgen- und Abendstunden. In heißen Regionen verlagern einige Arten ihre Aktivität stärker in die Dämmerung. Die Tiere leben je nach Art einzelgängerisch, paarweise oder in lockeren Kolonien. Felsbewohnende Arten zeigen häufig ein territoriales Verhalten, bei dem Individuen oder Paare ein klar abgegrenztes Revier verteidigen. Steppenbewohnende Arten bilden dagegen eher größere, soziale Gruppen mit komplexen Tunnelsystemen.
Ihren deutschen Namen verdanken die Pfeifhasen ihren durchdringenden, hohen Warnrufen, die sie bei Annäherung von Fressfeinden ausstoßen. Diese Pfiffe tragen in der dünnen Gebirgsluft weit und warnen Artgenossen in der Umgebung. Je nach Art und Situation unterscheiden sich die Rufe in Tonhöhe und Rhythmus – einige Arten verfügen über ein differenziertes Repertoire verschiedener Lautäußerungen. Zu den natürlichen Feinden zählen Greifvögel wie Adler und Bussarde, aber auch Hermeline, Wiesel, Füchse und Marder.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungszeit liegt bei den meisten Arten im Frühling und Frühsommer. Nach einer Tragzeit von etwa 25 bis 30 Tagen bringt das Weibchen zwei bis sechs Jungtiere zur Welt. Die Neugeborenen sind bei felsbewohnenden Arten relativ weit entwickelt – sie kommen behaart und mit geöffneten Augen oder bald öffnenden Augen zur Welt. Bei grabenden Steppenarten sind die Jungtiere dagegen eher nackt und hilfloser, vergleichbar mit Kaninchenjungen.
Die Jungtiere werden nur wenige Wochen gesäugt und erreichen bereits nach drei bis vier Wochen eine gewisse Selb