Schneeschuhhase
STierart – Säugetiere > Hasenartige
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Lepus americanus
- Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
- Familie: Hasen (Leporidae)
- Gattung: Echte Hasen (Lepus)
- Lebensraum: Boreale Nadelwälder, Mischwälder und Dickichte Nordamerikas
- Größe: 40–52 cm Körperlänge
- Gewicht: 1,2–1,8 kg
- Lebenserwartung: 3–5 Jahre in freier Wildbahn, selten bis zu 7 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Schneeschuhhase ist ein mittelgroßer Vertreter der Gattung Lepus, der deutlich kleiner und gedrungener gebaut ist als der europäische Feldhase. Sein auffälligstes Merkmal ist der jahreszeitliche Fellwechsel: Im Sommer trägt er ein braunes bis graubraunes Fell mit hellerer Unterseite, das ihm in der Vegetation gute Tarnung bietet. Mit Einsetzen des Herbstes beginnt eine vollständige Umfärbung, die innerhalb von etwa zehn Wochen abgeschlossen ist. Das Winterfell ist dann durchgehend weiß – einzig die schwarz gefärbten Ohrspitzen bleiben ganzjährig erhalten. Dieser Farbwechsel wird durch die Veränderung der Tageslichtdauer gesteuert und nicht, wie oft vermutet, durch die Temperatur.
Die namensgebenden Hinterpfoten sind im Verhältnis zum Körper auffallend groß und dicht mit steifen, spreizfähigen Haaren besetzt. Diese natürlichen „Schneeschuhe" vergrößern die Auftrittsfläche erheblich und verhindern so ein tiefes Einsinken in lockeren Schnee. Die Hinterfüße erreichen eine Länge von 12 bis 15 cm. Die Ohren sind mit 6 bis 7 cm kürzer als bei vielen anderen Hasenarten – eine Anpassung an kalte Klimazonen, die den Wärmeverlust über die Ohrmuscheln reduziert.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Schneeschuhhasen erstreckt sich über weite Teile des nördlichen Nordamerikas. Es reicht von Alaska und dem nördlichen Kanada südwärts bis in die Appalachen, die Rocky Mountains und die Kaskadenkette. Der Schwerpunkt der Verbreitung liegt in der borealen Nadelwaldzone Kanadas.
Als bevorzugtes Habitat dienen dichte Wälder mit ausgeprägter Strauchschicht. Besonders typisch sind junge Sukzessionsstadien nach Waldbränden oder Kahlschlägen, in denen dichtes Unterholz aus Erlen, Weiden und jungen Nadelbäumen reichlich Deckung bietet. Offene Landschaften meidet der Schneeschuhhase konsequent. Die Populationsdichte steht in engem Zusammenhang mit der Verfügbarkeit von bodennaher Vegetation, die gleichzeitig als Nahrungsquelle und Schutz vor Prädatoren dient. In günstigen Biotopen können lokal bis zu 10.000 Individuen pro Quadratkilometer auftreten – in solchen Dichtespitzen allerdings nur vorübergehend.
Ernährung
Der Schneeschuhhase ist ein reiner Pflanzenfresser mit einem deutlich saisonalen Nahrungsspektrum. Im Sommer frisst er vorwiegend krautige Pflanzen, Gräser, Klee und frische Triebe. In den Wintermonaten, wenn diese Nahrungsquellen unter Schnee begraben liegen, stellt er seine Ernährung auf Rinde, Knospen und Zweige um. Bevorzugt werden dabei Birken, Weiden, Erlen und junge Nadelbäume wie Fichten und Kiefern.
Wie alle Hasenartigen praktiziert der Schneeschuhhase Caecotrophie: Er frisst einen Teil seines Kots – den sogenannten Blinddarmkot – erneut, um Nährstoffe, die beim ersten Durchgang nicht vollständig resorbiert wurden, ein zweites Mal aufzuschließen. Dieses Verhalten ist besonders im Winter überlebenswichtig, wenn die Nahrung nährstoffarm und schwer verdaulich ist.
Verhalten & Lebensweise
Der Schneeschuhhase ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruht er in flachen Mulden, sogenannten Sassen, die er unter umgestürzten Bäumen, in dichtem Gebüsch oder zwischen Wurzeln anlegt. Ein festes Revier im engeren Sinne verteidigt er nicht, doch nutzt jedes Individuum ein relativ stabiles Streifgebiet von 2 bis 8 Hektar Größe.
Der Schneeschuhhase lebt einzelgängerisch, wobei sich die Streifgebiete mehrerer Tiere überlappen können. In Gebieten mit hoher Populationsdichte kommt es zu vermehrten Kontakten zwischen Artgenossen. Bei Gefahr verlässt sich der Schneeschuhhase zunächst auf seine Tarnung und verharrt regungslos. Wird er aufgescheucht, flüchtet er in schnellen Hakenschlägen mit Geschwindigkeiten von bis zu 45 km/h. Seine breiten Hinterpfoten verschaffen ihm dabei auf Schnee einen erheblichen Vorteil gegenüber vielen Prädatoren.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit erstreckt sich von März bis August, wobei die Weibchen in dieser Zeit bis zu drei oder vier Würfe hervorbringen können. Vor der Paarung zeigen die Tiere ein auffälliges Balzverhalten, bei dem Männchen und Weibchen sich gegenseitig jagen und die Männchen spektakuläre Sprünge vollführen. Die Tragzeit beträgt etwa 36 Tage.
Pro Wurf kommen durchschnittlich zwei bis vier Junge zur Welt, bei günstigen Bedingungen auch bis zu acht. Die Jungtiere sind Nestflüchter: Sie werden vollständig behaart und mit offenen Augen geboren und können bereits kurz nach der Geburt laufen. Die Mutter säugt den Nachwuchs nur einmal täglich, meist in der Dämmerung, und hält sich ansonsten vom Geburtsplatz fern, um keine Fressfeinde anzulocken. Nach etwa vier Wochen sind die Jungtiere entwöhnt und selbständig.
Bedrohung & Schutzstatus
Die IUCN stuft den Schneeschuhhasen als „Least Concern" (nicht gefährdet) ein. Die Gesamtpopulation ist groß und das Ver