Feldhase
FTierart – Säugetiere > Hasenartige
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Lepus europaeus
- Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
- Familie: Hasen (Leporidae)
- Gattung: Echte Hasen (Lepus)
- Lebensraum: Offene Kulturlandschaften, Steppen, Ackerland, Wiesen
- Größe: 48–68 cm Körperlänge, Ohren bis 14 cm
- Gewicht: 3–6,5 kg
- Lebenserwartung: Bis zu 12 Jahre in freier Wildbahn, durchschnittlich 2–4 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Feldhase ist der größte einheimische Vertreter der Hasenartigen in Mitteleuropa. Sein Körperbau ist auf schnelle Flucht in offenem Gelände ausgelegt: Die Hinterläufe sind deutlich länger als die Vorderläufe, was ihm kraftvolle Sprünge und abrupte Richtungswechsel ermöglicht. Die sogenannten Löffel – die langen Ohren – erreichen eine Länge von bis zu 14 Zentimetern und sind an den Spitzen schwarz gefärbt. Dieses Merkmal unterscheidet den Feldhasen zuverlässig vom Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus), dessen Ohren kürzer und ohne schwarze Spitze sind.
Das Fell ist auf der Oberseite gelblich-braun bis graubraun gefärbt und bietet in Ackerfurchen und Stoppelfeldern hervorragende Tarnung. Die Bauchseite ist deutlich heller, meist weißlich. Der kurze Schwanz, im Jägerlatein als Blume bezeichnet, ist oberseits schwarz und unterseits weiß. Die großen, seitlich am Kopf stehenden Augen ermöglichen ein Gesichtsfeld von nahezu 360 Grad, sodass der Hase Feinde aus fast jeder Richtung wahrnehmen kann, ohne den Kopf zu drehen.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet von Lepus europaeus erstreckt sich über weite Teile Europas und Westasiens. Von der Iberischen Halbinsel bis in die Steppen Kasachstans besiedelt der Feldhase ein breites Spektrum an Habitaten. Durch gezielte Aussetzungen im 19. und 20. Jahrhundert kommt er heute auch in Südamerika, Australien und Neuseeland vor, wo er teils als invasive Art gilt.
Der Feldhase bevorzugt offene, strukturreiche Kulturlandschaften mit einem Wechsel aus Äckern, Wiesen, Feldrainen und niedrigem Gebüsch. Waldgebiete meidet er weitgehend; lediglich Waldränder und Lichtungen werden gelegentlich genutzt. Das bevorzugte Biotop zeichnet sich durch trockene, gut drainierte Böden aus. In Gebirgsregionen kommt er bis in Höhen von etwa 2.000 Metern vor, wird dort aber zunehmend vom Schneehasen (Lepus timidus) abgelöst.
In Deutschland ist der Feldhase flächendeckend verbreitet, erreicht seine höchsten Populationsdichten jedoch in den Agrarlandschaften Norddeutschlands und der Kölner Bucht. Regionen mit kleinparzelligem Ackerbau, Hecken und Brachflächen bieten dem Feldhasen die besten Lebensbedingungen.
Ernährung
Der Feldhase ist ein reiner Pflanzenfresser (Herbivor). Sein Nahrungsspektrum umfasst je nach Jahreszeit Gräser, Kräuter, Getreide, Klee, Rübenblätter und junge Triebe von Sträuchern. Im Winter, wenn die Nahrung knapp wird, greift er vermehrt auf Rinde und Knospen von Gehölzen zurück, was in Forstbetrieben gelegentlich zu Verbissschäden führt.
Eine physiologische Besonderheit ist die Caecotrophie: Der Feldhase scheidet einen weichen, vitaminreichen Blinddarmkot aus, den er direkt vom After aufnimmt und ein zweites Mal verdaut. Dieses Verhalten ermöglicht eine effizientere Verwertung der pflanzlichen Nahrung, insbesondere die Aufnahme von B-Vitaminen und Aminosäuren, die erst durch bakterielle Fermentation im Blinddarm entstehen.
Verhalten & Lebensweise
Feldhasen sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie in flachen Mulden, den sogenannten Sassen, die sie in den Boden drücken. In seiner Sasse verharrt der Hase reglos und verlässt sich auf seine Tarnfärbung. Erst bei unmittelbarer Gefahr flüchtet er in einem explosionsartigen Sprint und kann dabei Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h erreichen. Charakteristisch sind die sogenannten Hakenschläge – abrupte Richtungswechsel während der Flucht, die Verfolger wie Fuchs oder Greifvogel irritieren sollen.
Im Gegensatz zum gesellig in Kolonien lebenden Wildkaninchen ist der Feldhase ein Einzelgänger ohne festes Revier. Die Aktionsräume mehrerer Individuen überlappen sich stark. Lediglich zur Paarungszeit im Frühjahr finden sich zeitweise mehrere Tiere auf engem Raum zusammen. Der Feldhase gräbt keine Baue, sondern lebt ausschließlich oberirdisch – ein weiterer markanter Unterschied zum Wildkaninchen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit, im Jägerlatein Rammelzeit genannt, erstreckt sich von Januar bis Oktober, mit einem Schwerpunkt im Frühjahr. In dieser Phase lassen sich die sonst scheuen Tiere häufig auf Feldern beobachten: Mehrere Rammler verfolgen eine Häsin, und es kommt zu heftigen Kämpfen, bei denen sich die Männchen mit den Vorderpfoten boxen. Dieses als Hasenboxen bekannte Verhalten dient sowohl der Rivalenkämpfe unter Rammlern als auch der Abwehr durch noch nicht paarungsbereite Häsinnen.
Nach einer Tragzeit von etwa 42 Tagen bringt die Häsin ein bis vier Junghasen zur Welt. Die Jungtiere sind Nestflüchter – sie kommen behaart, sehend und weitgehend selbstständig zur Welt. Unmittelbar nach der Geburt verteilt die Häsin ihre Jungen auf verschiedene Sassen, um das Prädationsrisiko zu minimieren. Das Säugen erfolgt nur einmal täglich, meist in der Dämmerung. Die Häsin kann im Verlauf eines Jahres bis zu vier Würfe