Beeren
BFutter & Ernährung > Futtermittel – pflanzlich
Definition & Überblick
Beeren zählen zu den pflanzlichen Futtermitteln und werden in der Tierernährung überwiegend als Ergänzungsfuttermittel eingesetzt. Im botanischen Sinne umfasst der Begriff Beeren Früchte, deren Samen von saftigem Fruchtfleisch umgeben sind – darunter Heidelbeeren, Himbeeren, Erdbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren, Cranberrys und Holunderbeeren. In der Fütterungspraxis sind jedoch nicht alle Beerenarten für jede Tierart geeignet oder verträglich. Beeren liefern wertvolle Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und Rohfaser, spielen aber aufgrund ihres hohen Wassergehalts und geringen Energiewerts keine tragende Rolle als Hauptkomponente in der Futterration. Sie dienen vielmehr als funktionelle Ergänzung, die den Speiseplan bereichert und gesundheitsfördernde Eigenschaften mitbringen kann.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Die Nährstoffzusammensetzung variiert je nach Beerenart, Reifegrad und Verarbeitungsform (frisch, getrocknet, gefriergetrocknet). Grundsätzlich zeichnen sich Beeren durch folgende Eigenschaften aus:
- Wassergehalt: Frische Beeren bestehen zu 80–90 % aus Wasser, was ihren Energiegehalt stark begrenzt.
- Protein: Der Rohproteingehalt ist mit 0,5–1,5 % in frischen Beeren gering und für die Eiweißversorgung von Tieren praktisch irrelevant.
- Fett: Der Rohfettanteil liegt unter 1 %. Eine Ausnahme bilden Samen bestimmter Beeren (z. B. Sanddorn), die mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthalten.
- Rohfaser: Beeren liefern zwischen 2 und 5 % Rohfaser (bezogen auf die Frischmasse), vor allem durch Schalen und Kerne. Getrocknet steigt der Rohfasergehalt deutlich an und kann die Verdauung positiv unterstützen.
- Vitamine: Beeren sind hervorragende Lieferanten von Vitamin C (besonders Johannisbeeren, Hagebutten), Vitamin E, Vitamin K und verschiedenen B-Vitaminen. Der Vitamin-A-Gehalt liegt in Form von Beta-Carotin vor.
- Mineralstoffe & Spurenelemente: Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen und Mangan sind in moderaten Mengen vertreten.
- Sekundäre Pflanzenstoffe: Anthocyane, Flavonoide, Polyphenole und Gerbstoffe wirken antioxidativ und können entzündungshemmende Effekte entfalten.
- Zucker: Der Fruchtzuckergehalt (Fruktose, Glukose) liegt bei 4–10 % und muss bei empfindlichen Tierarten berücksichtigt werden.
Für welche Tiere geeignet?
Beeren eignen sich für eine Reihe von Tierarten, jedoch in unterschiedlichem Umfang:
- Hunde: Heidelbeeren, Brombeeren, Himbeeren und Erdbeeren sind gut verträglich und werden häufig in BARF-Rationen als Obstkomponente eingesetzt. Sie liefern Antioxidantien und Rohfaser.
- Katzen: Katzen sind obligate Karnivoren und benötigen keine Beeren. Kleine Mengen Heidelbeeren werden gelegentlich als funktioneller Zusatz in hochwertigem Fertigfutter verwendet, sind aber kein notwendiger Bestandteil der Futterration.
- Kaninchen & Meerschweinchen: Beeren dürfen in kleinen Mengen als Leckerli angeboten werden. Der Fruchtzuckergehalt begrenzt die sinnvolle Futtermenge erheblich, da diese Tiere zu Verdauungsstörungen neigen.
- Ziervögel & Papageien: Viele Vogelarten fressen Beeren gern und vertragen sie ausgezeichnet. Holunder, Vogelbeere (gekocht), Johannisbeeren und Heidelbeeren werden oft als Bestandteil einer abwechslungsreichen Frischkost gereicht.
- Schildkröten: Europäische Landschildkröten sollten Beeren nur sehr selten erhalten, da ihr Verdauungssystem auf rohfaserreiche, zuckerarme Kost ausgelegt ist.
- Pferde: Einzelne Beeren wie Hagebutten sind als Ergänzungsfuttermittel beliebt und liefern Vitamin C sowie Galaktolipide. Andere Beeren spielen in der Pferdefütterung kaum eine Rolle.
Achtung: Weintrauben und Rosinen gelten nicht im engeren Sinne als Beeren in der Fütterungspraxis, sind jedoch für Hunde und Katzen nachweislich giftig und dürfen keinesfalls verfüttert werden.
Fütterungsempfehlung
Beeren ersetzen kein Alleinfuttermittel und sollten stets als Ergänzung zur bedarfsgerechten Grundfütterung verstanden werden. Die Futtermenge richtet sich nach Tierart, Körpergewicht und individueller Verträglichkeit:
- Hunde: 1–2 Esslöffel frische oder aufgetaute Beeren pro 10 kg Körpergewicht täglich, püriert oder leicht zerdrückt, um die Zellwände aufzuschließen. Beeren können der Futterration 3–5 Mal pro Woche beigemischt werden.
- Kaninchen & Meerschweinchen: Maximal 1–2 einzelne Beeren pro Tier und Woche als Leckerli. Ein regelmäßiges Fütterungsintervall ist nicht notwendig.
- Ziervögel: Je nach Vogelgröße 1–3 Beeren täglich als Teil der Frischfutterkomponente. Bei frugivoren Arten darf der Beerenanteil höher ausfallen.
- Pferde: Hagebutten können in einer Menge von 30–50 g getrocknet pro Tag als Ergänzungsfuttermittel gegeben werden.
Bei erstmaliger Fütterung empfiehlt sich ein langsames Heranführen in kleinen Mengen, um die individuelle Verträglichkeit zu prüfen. Durchfall oder weicher Kot sind Hinweise auf eine zu hohe Futtermenge oder mangelnde Toleranz.