Bergheu
BFutter & Ernährung > Futtermittel – pflanzlich
Definition & Überblick
Bergheu bezeichnet Heu, das aus Gräsern und Kräutern von Wiesen in Höhenlagen ab etwa 600 bis über 2.000 Metern gewonnen wird. Im Unterschied zu Heu aus Tallagen zeichnet sich Bergheu durch eine deutlich vielfältigere botanische Zusammensetzung aus. Die extensiv bewirtschafteten Bergwiesen werden in der Regel seltener gemäht – oft nur ein- bis zweimal pro Jahr – und erhalten wenig bis gar keine Düngung. Dadurch bleibt die natürliche Artenvielfalt erhalten. Typisch sind Bestände mit 40 bis 80 verschiedenen Gräsern, Kräutern und Leguminosen, darunter Spitzwegerich, Schafgarbe, Frauenmantel, Thymian, Klee-Arten und verschiedene Schwingel- und Rispengräser.
Bergheu gilt in der Tierernährung als besonders hochwertiges Raufutter. Es wird vor allem in der Alpenregion, in Mittelgebirgslagen sowie in Skandinavien produziert. Die kürzere Vegetationsperiode und die intensivere UV-Strahlung in der Höhe beeinflussen den Stoffwechsel der Pflanzen und damit auch die Nährstoffzusammensetzung des Ernteguts. Der Schnittzeitpunkt – meist im Frühsommer – ist entscheidend für die Qualität: Zu späte Mahd senkt den Nährstoffgehalt, während ein zu früher Schnitt die Regeneration der Bergwiesen gefährdet.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Die Nährstoffzusammensetzung von Bergheu variiert je nach Höhenlage, Standort, Schnittzeitpunkt und botanischer Zusammensetzung erheblich. Als grobe Orientierung gelten folgende Richtwerte pro Kilogramm Trockensubstanz:
- Rohprotein: 80–120 g (bei kräuterreichen Beständen auch höher)
- Rohfaser: 250–320 g
- Rohfett: 15–30 g
- Rohasche: 60–90 g
- Verdauliche Energie (Pferd): ca. 7,5–8,5 MJ DE
- Calcium: 5–9 g
- Phosphor: 2–4 g
Der hohe Kräuteranteil liefert eine breite Palette an sekundären Pflanzenstoffen wie ätherischen Ölen, Gerbstoffen und Flavonoiden. Diese wirken sich positiv auf die Verdauung aus und unterstützen die Darmflora. Der Gehalt an Vitaminen – insbesondere Beta-Carotin als Vorstufe von Vitamin A sowie Vitamin E – ist bei schonender Trocknung beachtlich. Der Mineralstoffgehalt übertrifft den von Intensivgrünland-Heu in der Regel deutlich, besonders bei Kalium, Magnesium und Spurenelementen wie Zink, Mangan und Selen.
Bergheu weist gegenüber Talheu häufig einen niedrigeren Proteingehalt, dafür aber einen höheren Strukturfaseranteil auf. Die langsamere Wuchsgeschwindigkeit der Pflanzen in Höhenlagen führt zu einer festeren Zellstruktur und damit zu einer besseren Kauaktivität bei der Verfütterung.
Für welche Tiere geeignet?
Pferde: Bergheu ist für Pferde ein hervorragendes Grundfutter. Die moderate Energiedichte und der hohe Strukturfaseranteil fördern eine lange Fresszeit und eine intensive Speichelproduktion, was der Magengesundheit zugutekommt. Besonders für leichtfuttrige Rassen, Freizeitpferde und Ponys ist Bergheu geeignet, da es weniger energiereich ist als Heu von Intensivgrünland.
Kaninchen und Meerschweinchen: Für Heimtiere mit hohem Rohfaserbedarf ist Bergheu eine ideale Grundlage der täglichen Futterration. Die Kräutervielfalt sorgt für Abwechslung und liefert wichtige Mikronährstoffe. Bergheu kann als Alleinfuttermittel-Grundlage dienen, ergänzt durch Frischfutter.
Wiederkäuer: Rinder, Schafe und Ziegen profitieren vom hohen Rohfasergehalt und der botanischen Vielfalt. Für Hochleistungsmilchkühe reicht der Energiegehalt als alleiniges Raufutter allerdings nicht aus – hier dient Bergheu als wertvolles Ergänzungsfuttermittel.
Chinchillas, Degus und Schildkröten: Auch diese Arten profitieren vom kräuterreichen, zuckerarmen Bergheu als Basis der Raufutterversorgung.
Fütterungsempfehlung
Die Futtermenge richtet sich nach Tierart, Körpergewicht und Leistungsanspruch. Generell gilt: Raufutter sollte stets in ausreichender Menge und möglichst ad libitum angeboten werden.
- Pferde (500 kg): mindestens 1,5–2 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht und Tag, also 7,5–10 kg täglich. Das Fütterungsintervall sollte so gestaltet sein, dass Fresspausen von maximal vier Stunden entstehen.
- Kaninchen: Heu als ständig verfügbare Grundlage – eine Faustformel lautet: Die tägliche Heumenge sollte etwa dem Körpervolumen des Tieres entsprechen.
- Meerschweinchen: Ebenfalls ad libitum, ergänzt durch Frischfutter und in kleinen Mengen Trockenkräuter.
- Schafe/Ziegen: 1,5–3 kg pro Tier und Tag, je nach Rasse und Nutzungsrichtung.
Bei der Umstellung von Talheu auf Bergheu sollte die Futterration schrittweise über sieben bis zehn Tage angepasst werden, um die Darmflora nicht zu belasten.
Vorteile & Nachteile
Vorteile:
- Hohe Artenvielfalt mit 40–80 Pflanzenarten fördert eine ausgewogene Nährstoffversorgung
- Geringer Fruktangehalt – wichtig für stoffwechselempfindliche Pferde und Ponys
- Hoher Strukturfaseranteil unterstützt Verdauung und Zahnabrieb
- Reich an sekundären Pflanzenstoffen mit positiver Wirkung