T Tierlexikon.net
← Lexikon

Brennnessel

B

Futter & Ernährung > Futtermittel – pflanzlich

Definition & Überblick

Die Brennnessel (Urtica dioica, Große Brennnessel) zählt zu den ältesten und nährstoffreichsten Wildpflanzen in der Tierernährung. Sie wird als Ergänzungsfuttermittel eingesetzt und ist weder ein Alleinfuttermittel noch ein Ersatz für eine bedarfsgerechte Grundfutterration. In der traditionellen Tierhaltung wurde Brennnessel seit Jahrhunderten gezielt verfüttert – an Geflügel, Pferde, Rinder, Schweine und Kleintiere. Heute erlebt sie eine Renaissance, insbesondere in der naturnahen und ökologischen Tierhaltung.

Verfüttert werden Blätter, Stängel und teilweise die Samen – frisch, getrocknet oder als Mehl verarbeitet. Durch das Trocknen oder kurzes Überbrühen verlieren die Brennhaare ihre reizende Wirkung, sodass die Pflanze problemlos gefressen wird. Brennnessel wächst auf nährstoffreichen, stickstoffhaltigen Böden und ist in Mitteleuropa von April bis Oktober verfügbar.

Zusammensetzung & Inhaltsstoffe

Brennnessel zeichnet sich durch ein außergewöhnlich breites Nährstoffprofil aus. Die genauen Werte schwanken je nach Erntezeitpunkt, Standort und Verarbeitungsform. Folgende Richtwerte beziehen sich auf getrocknetes Brennnesselkraut:

  • Rohprotein: 20–30 % – damit gehört Brennnessel zu den proteinreichsten heimischen Wildpflanzen. Das Aminosäureprofil umfasst essenzielle Aminosäuren wie Lysin und Methionin.
  • Rohfaser: 9–15 % – fördert die Verdauung und unterstützt eine gesunde Darmflora.
  • Rohfett: 3–5 % – moderat, mit einem günstigen Verhältnis ungesättigter Fettsäuren.
  • Rohasche: 15–20 % – Hinweis auf den hohen Mineralstoffgehalt.
  • Mineralstoffe: Besonders reich an Eisen (bis 40 mg/100 g TM), Calcium, Kalium, Magnesium, Silizium und Phosphor.
  • Vitamine: Hohe Gehalte an Vitamin A (als Beta-Carotin), Vitamin C, Vitamin K sowie B-Vitamine (B1, B2, B3, Folsäure).
  • Sekundäre Pflanzenstoffe: Flavonoide, Chlorophyll, Gerbstoffe und Kieselsäure, denen entzündungshemmende und stoffwechselaktivierende Eigenschaften zugeschrieben werden.

Brennnesselsamen weisen zusätzlich einen höheren Fettgehalt (ca. 25–30 %) und einen bemerkenswerten Gehalt an Linolsäure und Vitamin E auf. Sie gelten traditionell als kräftigend und wurden Pferden vor dem Verkauf als Konditionsfutter zugesetzt.

Für welche Tiere geeignet?

Brennnessel ist für eine Vielzahl von Tierarten als Ergänzungsfuttermittel geeignet:

  • Pferde & Ponys: Getrocknete Brennnessel oder Brennnesselsamen als Beifutter zur Unterstützung von Fell, Huf und Stoffwechsel. Beliebt während des Fellwechsels.
  • Hühner & Geflügel: Klassisches Beifutter. Getrocknetes Brennnesselmehl steigert die Eidotterfarbe durch den hohen Carotinoidgehalt und liefert wertvolles Protein.
  • Kaninchen & Meerschweinchen: Angewelkte oder getrocknete Brennnessel wird gern gefressen und liefert Rohfaser, Mineralstoffe und Vitamine. Frische Brennnessel nur angewelkt anbieten.
  • Rinder, Schafe & Ziegen: Als Heubestandteil oder getrocknetes Beifutter. Brennnessel verbessert die Mineralstoffversorgung und wird traditionell in der Aufzucht eingesetzt.
  • Hunde & Katzen: In kleinen Mengen als getrocknetes Pulver dem Futter beigemischt. Vor allem in der BARF-Fütterung als pflanzliche Nährstoffergänzung verbreitet.
  • Schildkröten & Reptilien: Getrocknete Brennnessel ist ein wertvoller Bestandteil der Futterration herbivorer Schildkröten (z. B. Griechische Landschildkröte).

Nicht geeignet ist Brennnessel als alleiniges Futter für irgendeine Tierart. Sie ersetzt keine ausgewogene Grundration und sollte stets als Ergänzung betrachtet werden.

Fütterungsempfehlung

Die Futtermenge richtet sich nach Tierart, Körpergewicht und Gesundheitszustand. Grundsätzlich gilt: Brennnessel sollte nicht mehr als 5–10 % der täglichen Futterration ausmachen.

  • Pferde (500 kg): 20–50 g getrocknete Brennnessel oder 1–2 Esslöffel Brennnesselsamen täglich, als Kur über 4–6 Wochen.
  • Hühner: 3–5 % Brennnesselmehl im Legefutter oder eine Handvoll getrocknete Blätter pro 10 Tiere täglich.
  • Kaninchen (2–3 kg): 1–2 Stängel angewelkte oder getrocknete Brennnessel täglich, langsam anfüttern.
  • Hunde (20 kg): ½–1 Teelöffel getrocknetes Brennnesselpulver über das Futter, 2–3 Mal pro Woche.
  • Schildkröten: Getrocknete Brennnessel regelmäßig als Bestandteil des Wiesenheues anbieten.

Das Fütterungsintervall richtet sich nach dem Einsatzzweck. Zur allgemeinen Nährstoffergänzung empfiehlt sich eine kurweise Fütterung über 4–8 Wochen mit anschließender Pause. Bei dauerhafter Gabe die Menge moderat halten.

Vorteile & Nachteile

Vorteile: