Dinkel
DFutter & Ernährung > Futtermittel – pflanzlich
Definition & Überblick
Dinkel (Triticum aestivum subsp. spelta) ist eine alte Getreideart aus der Familie der Süßgräser, die eng mit dem Weichweizen verwandt ist. Als sogenanntes Spelzgetreide ist das Korn von einer festen Hülle – der Spelze – umschlossen, die vor der Verfütterung in der Regel entfernt werden muss. Dinkel wird seit Jahrhunderten in Mitteleuropa kultiviert und erlebt sowohl in der menschlichen Ernährung als auch in der Tierernährung eine Renaissance. In der Tierfütterung dient Dinkel vorrangig als energiereiches Einzelfuttermittel und kann als Bestandteil einer Futterration verschiedene Tierarten versorgen. Aufgrund seines günstigen Nährstoffprofils wird er häufig als Alternative zu Weizen, Gerste oder Hafer eingesetzt – insbesondere in ökologischen Betrieben und bei der Fütterung sensibler Tiere.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Dinkelkörner (entspelzt) weisen ein ausgewogenes Nährstoffprofil auf, das je nach Sorte, Anbaubedingungen und Erntejahr leicht variieren kann. Typische Richtwerte pro 100 g Trockenmasse:
- Rohprotein: 11–15 % – damit liegt Dinkel meist leicht über dem Proteingehalt von Weizen. Die biologische Wertigkeit des Proteins ist moderat; limitierende Aminosäure ist Lysin.
- Rohfett: 2–3 % – der Fettgehalt ist gering, enthält aber einen vergleichsweise hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren.
- Rohfaser: 2–3 % (entspelzt), bis 10–12 % (mit Spelze) – die Spelze besteht überwiegend aus Cellulose und Hemicellulose und erhöht den Rohfasergehalt erheblich.
- Stärke: 55–65 % – Hauptenergielieferant mit einer im Vergleich zu Weizen etwas langsameren Stärkeabbaurate im Pansen.
- Mineralstoffe: Dinkel enthält nennenswerte Mengen an Phosphor, Magnesium, Zink, Eisen und Mangan. Der Calciumgehalt ist, wie bei den meisten Getreidearten, niedrig.
- Vitamine: Vor allem B-Vitamine (B1, B2, Niacin, B6) sowie Vitamin E sind in relevanten Mengen vorhanden.
Der Energiegehalt liegt bei etwa 13–14 MJ ME/kg (umsetzbare Energie) für Schweine und Geflügel und bei rund 12–13 MJ ME/kg für Wiederkäuer. Damit ist Dinkel ein hochwertiger Energieträger innerhalb pflanzlicher Futtermittel.
Für welche Tiere geeignet?
Dinkel kann grundsätzlich an eine Vielzahl von Nutz- und Heimtieren verfüttert werden:
- Geflügel (Hühner, Enten, Gänse, Wachteln): Dinkel eignet sich hervorragend als Bestandteil der Körnermischung. Die Spelze kann bei Hühnern in Freilandhaltung sogar als Beschäftigungsfutter dienen, da die Tiere die Körner aktiv aus der Hülle picken müssen.
- Schweine: Geschroteter Dinkel kann Weizen oder Gerste in der Futterration anteilig ersetzen. Er wird gut akzeptiert und verdaut.
- Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen): Dinkel lässt sich als Kraftfutterkomponente einsetzen. Die etwas langsamere Stärkefreisetzung im Vergleich zu Weizen kann die Pansengesundheit begünstigen und das Azidoserisiko senken.
- Pferde: Dinkel wird gelegentlich als Getreidekomponente im Krippenfutter eingesetzt. Der moderate Stärkegehalt ist für Pferde mit empfindlichem Stoffwechsel ein Vorteil gegenüber reinem Weizen oder Mais.
- Ziervögel und Kleinnager: Dinkelähren oder entspelzte Dinkelkörner werden von Wellensittichen, Kanarienvögeln, Hamstern und Mäusen gern angenommen und bereichern den Futterplan.
- Hunde und Katzen: In einigen hochwertigen Alleinfuttermitteln wird Dinkelmehl als leicht verdauliche Kohlenhydratquelle verwendet. Für Hunde und Katzen mit Glutenunverträglichkeit ist Dinkel allerdings nicht geeignet, da er Gluten enthält.
Fütterungsempfehlung
Dinkel ist kein Alleinfuttermittel, sondern ein Ergänzungsfuttermittel beziehungsweise eine Einzelfutterkomponente, die stets in eine bedarfsgerecht zusammengestellte Gesamtration eingebunden werden muss. Folgende Orientierungswerte gelten für den Anteil von Dinkel an der Gesamtfutterration:
- Legehennen: Bis zu 30–40 % der Getreidefraktion im Mischfutter oder als Teil der täglichen Körnergabe (ca. 30–50 g pro Tier und Tag).
- Mastschweine: Bis zu 40–50 % der Getreideration; Dinkel sollte geschrotet oder gequetscht verfüttert werden, um die Verdaulichkeit zu verbessern.
- Milchkühe: Bis zu 3–4 kg pro Tier und Tag als Kraftfutterbestandteil, idealerweise gequetscht oder geschrotet. Das Fütterungsintervall sollte auf mehrere Gaben pro Tag verteilt werden, um Pansenübersäuerung vorzubeugen.
- Pferde (500 kg Lebendgewicht): Maximal 1–1,5 kg pro Tag, aufgeteilt auf mindestens zwei Mahlzeiten. Die Futtermenge muss immer an den Arbeitseinsatz und den Erhaltungsbedarf angepasst werden.
- Ziervögel: Dinkelkörner als Leckerbissen – einige Körner täglich, nicht als Hauptfutter.
Generell gilt: Jede Futterumstellung sollte schrittweise über 7–14 Tage erfolgen, damit sich die Verdauungsflora anpassen kann.