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Blindschleiche

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Tierart – Reptilien > Echsen – Warane & Skinke

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Anguis fragilis
  • Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
  • Unterordnung: Echsen (Lacertilia)
  • Familie: Schleichen (Anguidae)
  • Gattung: Anguis
  • Lebensraum: Wälder, Hecken, Gärten, Moorränder, feuchte Wiesen
  • Größe: 30–50 cm (Gesamtlänge inkl. Schwanz)
  • Gewicht: 20–50 g
  • Lebenserwartung: bis zu 30 Jahre in Gefangenschaft, in freier Natur etwa 10–15 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Blindschleiche wird aufgrund ihres schlangenartigen, beinlosen Körpers häufig für eine Schlange gehalten. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine beinlose Echse. Mehrere Merkmale unterscheiden sie deutlich von Schlangen: Sie besitzt bewegliche Augenlider, die sie schließen kann – Schlangen haben stattdessen eine fest verwachsene, durchsichtige Brille über den Augen. Außerdem verfügt die Blindschleiche über sichtbare Gehöröffnungen und kann wie viele Echsen ihren Schwanz abwerfen (Autotomie). Der abgeworfene Schwanz wächst nur als verkürzter Stumpf nach.

Die Schuppen der Blindschleiche sind glatt, glänzend und einander dachziegelartig überlappend. Sie verleihen dem Körper ein metallisch schimmerndes Erscheinungsbild. Die Grundfärbung variiert zwischen Braun-, Grau- und Kupfertönen. Weibchen zeigen häufig eine hellbraune bis bronzefarbene Oberseite mit einem dunklen Aalstrich entlang der Rückenmitte und dunkleren Flanken. Männchen sind tendenziell gleichmäßiger gefärbt und können gelegentlich blaue Flecken auf dem Rücken aufweisen. Jungtiere schlüpfen mit einer auffällig goldenen oder silbernen Oberseite und einer scharfen Abgrenzung zu den fast schwarzen Flanken und der dunklen Bauchseite.

Der Name „Blindschleiche" leitet sich nicht von einer Sehschwäche ab. Die Augen sind funktionsfähig, wenn auch klein. Der Name geht vermutlich auf das althochdeutsche Wort „plintslîcho" zurück, was so viel wie „blendende Schleiche" bedeutet und sich auf den metallischen Glanz der Schuppen bezieht.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Blindschleiche erstreckt sich über weite Teile Europas und reicht im Osten bis in den Westen Asiens. Sie kommt von der Iberischen Halbinsel über Mittel- und Nordeuropa bis nach Westsibirien vor. In Skandinavien erreicht sie Breiten nördlich des Polarkreises – weiter als jede andere Reptilienart. Im Mittelmeerraum wird sie stellenweise durch die nah verwandte Östliche Blindschleiche (Anguis colchica) abgelöst, die lange als Unterart galt und erst 2010 als eigenständige Art beschrieben wurde.

Als Habitat bevorzugt die Blindschleiche halboffene bis geschlossene Landschaften mit ausreichend Bodenfeuchtigkeit. Typische Biotope sind Waldränder, Lichtungen, Heckenlandschaften, naturnahe Gärten, Komposthaufen, Böschungen, Moorränder und extensiv bewirtschaftete Wiesen. Entscheidend ist das Vorhandensein von Versteckmöglichkeiten unter Steinen, Totholz, Laub oder Brettern sowie eine ausreichende Bodenfeuchte. Reine Trockenstandorte werden gemieden.

Ernährung

Die Blindschleiche ernährt sich vorwiegend von wirbellosen Tieren. Nacktschnecken bilden den Hauptbestandteil der Nahrung, daneben werden Regenwürmer, Asseln, kleine Käfer, Spinnen und Insektenlarven erbeutet. Die Beute wird durch langsames Annähern und gezieltes Zupacken mit den kleinen, nach hinten gebogenen Zähnen ergriffen. Größere Nacktschnecken werden durch wiederholtes Zubeißen und Festhalten allmählich verschlungen. Aufgrund ihrer Vorliebe für Nacktschnecken gilt die Blindschleiche als nützlicher Gartenbewohner.

Anders als Schlangen kann die Blindschleiche ihren Kiefer nicht aushängen. Sie ist daher auf kleinere Beutetiere beschränkt, die sie mit ihren relativ schwachen Kiefern bewältigen kann.

Verhalten & Lebensweise

Die Blindschleiche ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, was sie von den meisten anderen mitteleuropäischen Reptilienarten unterscheidet. Tagsüber verbirgt sie sich unter Steinen, Totholz, Brettern oder in lockerer Erde. Nach warmen Regenfällen ist sie gelegentlich auch tagsüber an der Oberfläche anzutreffen, da dann ihre Hauptbeutetiere – Nacktschnecken und Regenwürmer – ebenfalls aktiv sind.

Die Fortbewegung erfolgt durch schlängelnde Körperbewegungen, ist aber deutlich langsamer als bei Schlangen vergleichbarer Größe. Die Blindschleiche gräbt sich gerne in lockeres Substrat ein und nutzt vorhandene Hohlräume im Boden. Sie ist standorttreu und bewohnt relativ kleine Reviere, die sie selten verlässt.

In Mitteleuropa hält die Blindschleiche eine Winterruhe, die je nach Witterung von Oktober bis März oder April dauert. Die Überwinterung erfolgt in frostfreien Erdlöchern, Steinspalten oder Baumwurzelhöhlen, häufig gemeinschaftlich mit anderen Blindschleichen, manchmal auch zusammen mit Kreuzottern oder Waldeidechsen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit fällt in die Monate April bis Juni. Die Balz der Männchen äußert sich durch Verfolgung der Weibchen und Bisse in Kopf, Nacken oder Flanke. Rivalisierende Männchen können sich gegenseitig umschlingen und durch Bisse vertreiben. Die Kopulation dauert mehrere Stunden.

Die Blindschleiche ist ovovivipar – die Eier werden im Mutterleib ausgebrütet. Nach einer Tragzeit von etwa 11 bis 14 Wochen bringt das Weibchen zwischen 3 und 26 Jungtiere zur Welt, die bei der Geburt noch von einer dünnen