Erzschleiche
ETierart – Reptilien > Echsen – Warane & Skinke
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Chalcides spp. (mehrere Arten, häufig Chalcides ocellatus – Gefleckte Erzschleiche)
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Familie: Skinke (Scincidae)
- Gattung: Chalcides
- Lebensraum: Trockene, offene Landschaften, Halbwüsten, Macchie, Kulturland im Mittelmeerraum und Nordafrika
- Größe: 15–30 cm Gesamtlänge (je nach Art)
- Gewicht: 10–40 g
- Lebenserwartung: 8–12 Jahre (in Gefangenschaft bis 15 Jahre)
Aussehen & Merkmale
Erzschleichen sind kleine bis mittelgroße Skinke mit einem langgestreckten, zylindrischen Körper und relativ kurzen Gliedmaßen. Manche Arten innerhalb der Gattung Chalcides zeigen eine deutliche Reduktion der Extremitäten – bei einigen Vertretern sind die Beine so stark verkürzt, dass sie auf den ersten Blick an Schlangen erinnern. Die namensgebende Eigenschaft ist der metallisch schimmernde Glanz der glatten Schuppen, der an Erz oder poliertes Metall erinnert. Die Grundfärbung variiert je nach Art und Unterart von olivbraun über sandfarben bis hin zu graubraun. Viele Arten tragen dunkle Längsstreifen oder helle, dunkel umrandete Augenflecken (Ocelli) auf den Flanken und dem Rücken.
Der Kopf ist kaum vom Rumpf abgesetzt und leicht zugespitzt – eine Anpassung an die grabende Lebensweise. Die Augen sind relativ klein, aber funktionstüchtig, und besitzen ein bewegliches Unterlid mit einem transparenten Fenster, das das Auge beim Graben vor Substratteilchen schützt. Die Ohröffnungen sind klein und bei manchen Arten von Schuppen teilweise verdeckt. Der Schwanz macht je nach Art etwa ein Drittel bis die Hälfte der Gesamtlänge aus und kann bei Bedrohung durch Autotomie abgeworfen werden.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gattung Chalcides erstreckt sich über den gesamten Mittelmeerraum, von der Iberischen Halbinsel über Südfrankreich, Italien, die Balkanhalbinsel und die vorgelagerten Inseln bis nach Nordafrika und in den Nahen Osten. Einzelne Arten kommen bis in die Sahelzone vor. Die Gefleckte Erzschleiche (Chalcides ocellatus) besitzt das größte Verbreitungsgebiet und wurde historisch in mehrere Unterarten aufgeteilt.
Als Habitat bevorzugen Erzschleichen trockene, warme Biotope mit lockerem, sandigem oder steinigem Substrat. Typische Lebensräume sind Macchie, Garigue, Trockenmauern, Olivenhaine, Weinberge und lichte Kiefernwälder. Die Tiere meiden dichte Vegetation und feuchte Standorte, finden sich aber durchaus in der Nähe menschlicher Siedlungen – etwa in Gärten, unter Steinhaufen oder entlang von Feldwegen. Entscheidend für die Habitatwahl ist die Verfügbarkeit geeigneter Verstecke und grabbarer Bodenschichten.
Ernährung
Erzschleichen ernähren sich vorwiegend von Wirbellosen. Zum Nahrungsspektrum gehören Insekten wie Käfer, Grillen und Heuschrecken, darüber hinaus Spinnen, Asseln und gelegentlich kleine Schnecken. Die Beute wird aktiv aufgespürt, indem die Tiere oberflächennah durch lockeres Substrat gleiten oder unter Steinen und Totholz nach Nahrung suchen. Größere Beutetiere werden mit seitlichem Kopfschütteln überwältigt und stückweise verschlungen. Eine ausgeprägte Spezialisierung auf bestimmte Beutetiere liegt nicht vor – die Tiere sind opportunistische Jäger, die ihr Nahrungsspektrum an das lokale Angebot anpassen.
Verhalten & Lebensweise
Erzschleichen sind überwiegend tagaktiv, wobei sie während der heißesten Sommermonate ihre Aktivität in die frühen Morgen- und späten Nachmittagsstunden verlagern. In besonders heißen Regionen kann es zu einer Sommerruhe (Ästivation) kommen. Umgekehrt halten die Tiere in den kühleren nördlichen Teilen ihres Verbreitungsgebiets eine Winterruhe, die von November bis Februar oder März dauern kann.
Die Lebensweise ist stark bodenbezogen und semi-fossorial: Erzschleichen graben sich durch lockeres Erdreich, bewegen sich unter Steinen und in der Laubstreu und nutzen bestehende Spalten als Tagesversteck. Ihre glatte Beschuppung und die reduzierte Gliedmaßenlänge erleichtern die Fortbewegung im Substrat. An der Oberfläche bewegen sie sich mit raschen, schlängelnden Bewegungen, bei denen die kurzen Beine als Hilfsorgane dienen. Erzschleichen sind Einzelgänger ohne Revierverhalten im engeren Sinne. Begegnungen zwischen Artgenossen außerhalb der Paarungszeit führen selten zu aggressiven Auseinandersetzungen; die Tiere weichen einander eher aus.
Zu den natürlichen Fressfeinden zählen Schlangen – insbesondere Nattern –, Greifvögel, Turmfalken, Würger und verschiedene Säugetiere wie Igel und Marder. Die Autotomie des Schwanzes stellt den wichtigsten Abwehrmechanismus dar: Der abgeworfene Schwanzteil zuckt noch einige Minuten und lenkt den Angreifer ab, während die Erzschleiche flüchtet. Der Schwanz regeneriert sich anschließend, erreicht aber nicht mehr die ursprüngliche Länge und unterscheidet sich in Schuppung und Färbung vom Original.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in den meisten Verbreitungsgebieten in die Monate April bis Juni. Männchen suchen aktiv nach paarungsbereiten Weibchen und vollführen dabei ein kurzes Balzritual, bei dem sie das Weibchen am Hinterkopf oder an der Flanke beißen und festhalten. Eine der besonderen Eigenschaften vieler Chalcides-Arten ist die Viviparie: Die Weibchen bringen leb