Buntwaran
BTierart – Reptilien > Echsen – Warane & Skinke
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Varanus varius
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Familie: Warane (Varanidae)
- Gattung: Warane (Varanus)
- Lebensraum: Wälder, Buschland und Küstenregionen im östlichen und südöstlichen Australien
- Größe: 120–210 cm Gesamtlänge (einschließlich Schwanz)
- Gewicht: 6–14 kg, in Ausnahmefällen bis 20 kg
- Lebenserwartung: ca. 15–20 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis über 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Buntwaran zählt zu den größten Echsen Australiens und erreicht eine Gesamtlänge von bis zu 210 cm, wobei der Schwanz etwa die Hälfte der Körperlänge ausmacht. Sein kräftiger, seitlich leicht abgeflachter Schwanz dient sowohl als Steuer beim Klettern als auch als Waffe bei der Verteidigung. Der Körperbau ist insgesamt muskulös und langgestreckt, mit robusten Gliedmaßen und langen, gebogenen Krallen, die eine hervorragende Anpassung an die kletternde Lebensweise darstellen.
Die Grundfärbung der Schuppen variiert von Dunkelgrau über Schwarz bis hin zu einem tiefen Blauschwarz. Darauf verteilen sich zahlreiche helle Flecken, Bänder und Augenflecke (Ocelli) in Weiß, Gelb oder Cremefarben – ein Muster, das dem Tier seinen deutschen Namen eingebracht hat. Es existieren zwei anerkannte Unterarten: Varanus varius varius mit einer eher gebänderten Zeichnung und Varanus varius bellii (Bell-Buntwaran), bei der die dunkle Grundfarbe dominiert und die hellen Markierungen feiner ausfallen. Der dreieckige Kopf ist schmal und langgestreckt, das Maul mit zahlreichen spitzen, leicht nach hinten gebogenen Zähnen besetzt. Wie alle Warane besitzt der Buntwaran eine tief gespaltene Zunge, die als Sinnesorgan zur chemischen Wahrnehmung dient und regelmäßig züngelt, um Duftstoffe aufzunehmen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Buntwarans erstreckt sich über den Osten und Südosten Australiens – von Queensland über New South Wales und Victoria bis nach South Australia. Er besiedelt eine Vielzahl von Habitaten: feuchte Küstenwälder, offenes Buschland (Scrubland), Trockenwälder mit Eukalyptusbestand und gelegentlich auch Randgebiete urbaner Siedlungen. Entscheidend für die Wahl des Biotops ist das Vorhandensein großer Bäume, da der Buntwaran ein ausgesprochen arboricoles (baumbewohnendes) Tier ist. Baumhöhlen dienen ihm als Rückzugsort, Schlafplatz und Schutz vor Fressfeinden. In manchen Regionen nutzt er auch Felsspalten oder verlassene Baue anderer Tiere als Unterschlupf.
Ernährung
Der Buntwaran ist ein opportunistischer Räuber mit einem breiten Nahrungsspektrum. Auf dem Speiseplan stehen Insekten, Spinnen, kleinere Reptilien, Vogeleier, Jungvögel und kleine Säugetiere. Größere Exemplare erbeuten gelegentlich auch Kaninchen, Possums oder Schlangen. Aas wird ebenfalls nicht verschmäht – in ländlichen Gebieten Australiens findet man Buntwarane regelmäßig an Straßenrändern bei überfahrenen Tieren. Die Nahrungssuche erfolgt sowohl am Boden als auch in den Baumkronen, wo der Waran geschickt Vogelnester plündert. Beim Fressen wird die Beute meist im Ganzen verschlungen; größere Beutestücke werden durch seitliches Schleudern des Kopfes zerkleinert. Die Verdauung unterstützt ein hocheffizienter Magen mit stark saurer Magenflüssigkeit.
Verhalten & Lebensweise
Buntwarane sind überwiegend tagaktiv und verbringen einen Großteil ihrer aktiven Zeit mit der Nahrungssuche. Als wechselwarme (ektotherme) Tiere regulieren sie ihre Körpertemperatur durch Sonnenexposition: Morgens suchen sie sonnenbeschienene Äste oder Felsen auf, um sich aufzuwärmen. Die Tiere sind Einzelgänger und beanspruchen individuelle Reviere, deren Größe je nach Nahrungsangebot und Habitat zwischen mehreren Hektar und über einem Quadratkilometer variieren kann. Revierkonflikte zwischen Männchen werden durch Drohgebärden – Aufblähen des Halses, seitliches Aufstellen des Körpers – und gelegentlich durch Ringkämpfe ausgetragen, bei denen sich die Kontrahenten aufrecht auf die Hinterbeine stellen und einander mit den Vorderbeinen umklammern (sogenannter Kommentkampf).
Bei Bedrohung flüchtet der Buntwaran bevorzugt auf den nächsten Baum. In die Enge getrieben, verteidigt er sich mit kräftigen Schwanzhieben, Kratzern und Bissen. Neuere Forschungen haben gezeigt, dass Warane über rudimentäre Giftdrüsen im Unterkiefer verfügen, deren Sekret bei Beutetieren eine lokale Schwellung und verlangsamte Blutgerinnung auslösen kann. Beim Menschen ist die klinische Relevanz dieses Gifts gering; Bisswunden können allerdings durch Bakterien im Speichel zu Infektionen führen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit des Buntwarans fällt in den australischen Frühling und Frühsommer (September bis Dezember). Während der Balz verfolgen die Männchen die Weibchen intensiv und züngeln häufig an deren Körper, um deren Paarungsbereitschaft chemisch zu prüfen. Nach der Kopulation vergehen etwa vier Wochen, bis das Weibchen ein Gelege von 6 bis 12, selten bis zu 18 Eiern ablegt. Als Nistplatz dient bevorzugt ein aktiver Termitenhügel: Das Weibchen gräbt ein Loch in die Struktur, legt die Eier hinein und überlässt das Verschließen den Termiten, die den Schaden rasch reparieren. Die konstante Temperatur und Feuchtigkeit im Inneren des Termitenbaus bieten ideale Inkubationsbeding