Brandseeschwalbe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Thalasseus sandvicensis (früher Sterna sandvicensis)
- Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
- Familie: Seeschwalben (Sternidae)
- Gattung: Thalasseus
- Lebensraum: Meeresküsten, Wattenmeer, Flussmündungen, Lagunen
- Größe: 36–41 cm Körperlänge, Flügelspannweite 95–105 cm
- Gewicht: 210–310 g
- Lebenserwartung: bis zu 30 Jahre, im Durchschnitt etwa 12–15 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Brandseeschwalbe ist eine mittelgroße Seeschwalbe mit schlankem Körperbau und langen, spitzen Flügeln. Sie ist deutlich größer als die häufige Flussseeschwalbe, aber kleiner als die Raubseeschwalbe. Das Gefieder der Oberseite ist blass silbergrau, die Unterseite weiß. Im Prachtkleid trägt sie eine schwarze Kappe, die Stirn, Scheitel und Nacken bedeckt und in einem kurzen, zerzausten Schopf am Hinterkopf endet. Dieser Federschopf ist ein gutes Erkennungsmerkmal und bei Wind oft deutlich aufgestellt. Im Schlichtkleid – ab dem Spätsommer – weicht das Schwarz an der Stirn einem weißen Feld, sodass nur noch der hintere Oberkopf dunkel gefärbt bleibt.
Der Schnabel ist lang, schlank und schwarz mit einer auffälligen gelben Spitze – ein Merkmal, das die Brandseeschwalbe von den meisten verwandten Arten zuverlässig unterscheidet. Die Beine sind schwarz und vergleichsweise kurz. Der Schwanz ist gegabelt, wenn auch weniger tief als bei der Flussseeschwalbe oder der Küstenseeschwalbe. Jungvögel zeigen auf der Oberseite eine bräunliche Schuppung und einen zunächst dunkleren Schnabel, der erst im Laufe des ersten Winters die typische Gelbfärbung an der Spitze entwickelt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Brandseeschwalbe erstreckt sich über die Küsten Europas, Westafrikas und Teile des westlichen Asiens. In Europa brütet sie vor allem an den Küsten der Nord- und Ostsee, am Atlantik von Großbritannien bis zur Iberischen Halbinsel sowie im westlichen Mittelmeerraum und am Schwarzen Meer. In Deutschland befinden sich die wichtigsten Brutkolonien auf den Nordseeinseln, insbesondere auf Norderoog, Trischen und Amrum.
Als Habitat bevorzugt die Brandseeschwalbe flache, offene Küstenabschnitte mit Zugang zu nahrungsreichen Flachwasserzonen. Sandige Inseln, Dünen, Salzwiesen und Nehrungen dienen als Brutplätze. Außerhalb der Brutzeit hält sie sich bevorzugt über küstennahen Meeresgewässern auf und nutzt Wattflächen, Flussmündungen und Lagunen zur Nahrungssuche. Die Art ist ein Zugvogel: Europäische Populationen überwintern entlang der westafrikanischen Küste, von Mauretanien bis Südafrika. Einzelne Vögel verbleiben gelegentlich auch in milden Wintern an den Küsten Südwesteuropas.
Ernährung
Die Brandseeschwalbe ernährt sich überwiegend von kleinen Fischen, die sie durch Stoßtauchen erbeutet. Aus einer Flughöhe von fünf bis fünfzehn Metern stößt sie im steilen Winkel ins Wasser und ergreift die Beute mit dem Schnabel. Zu den häufigsten Beutefischen zählen Sandaale, Sprotten, Heringe und junge Plattfische. Gelegentlich werden auch Garnelen und andere Krebstiere gefressen. Die Nahrungssuche erfolgt sowohl küstennah als auch auf offener See, wobei die Vögel Entfernungen von bis zu 50 Kilometern zum Brutplatz zurücklegen können.
Das Nahrungsspektrum variiert je nach Jahreszeit und Region. Während der Aufzucht der Küken werden bevorzugt energiereiche, mittelgroße Fische herangetragen, die der Jungvogel im Ganzen schlucken kann.
Verhalten & Lebensweise
Die Brandseeschwalbe ist tagaktiv und verbringt einen Großteil des Tages mit der Nahrungssuche über dem Meer. Sie ist ein ausgesprochen geselliger Vogel und brütet fast ausnahmslos in dichten Kolonien, die mehrere hundert bis einige tausend Paare umfassen können. Häufig siedeln sich Brandseeschwalben in unmittelbarer Nachbarschaft zu Lachmöwenkolonien an. Diese Vergesellschaftung bietet Schutz, da Lachmöwen Bodenprädatoren wie Füchse und Ratten aggressiv vertreiben.
Der Flug der Brandseeschwalbe wirkt kraftvoll und geradlinig, unterbrochen von suchenden Gleitphasen über dem Wasser. Der Ruf ist ein durchdringender, rauer Laut, der oft als „kir-rick" oder „kirr-witt" umschrieben wird und in der Kolonie weithin hörbar ist.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutzeit beginnt in Mitteleuropa im April und Mai. Die Balz umfasst Flugvorführungen, bei denen das Männchen dem Weibchen einen Fisch als Brautgeschenk überreicht. Das Nest ist eine flache Mulde im Sand oder in niedriger Vegetation, oft ohne nennenswerte Auspolsterung. In dichten Kolonien liegen die Nester nur wenige Dezimeter voneinander entfernt.
Das Gelege besteht in der Regel aus einem, seltener aus zwei Eiern, die cremeweiß bis gelblich gefärbt und dunkel gefleckt sind. Beide Elternvögel bebrüten die Eier über einen Zeitraum von 21 bis 29 Tagen. Die Küken sind Nestflüchter und verlassen die Nestmulde bereits nach wenigen Tagen, bleiben aber in der Kolonie. Ab einem Alter von etwa drei bis vier Wochen bilden die Jungvögel sogenannte Crèches – Gruppen, in denen sie sich zusammenfinden, während die Eltern auf Nahrungssuche sind. Jeder Altvogel erkennt sein eigenes Küken an der Stimme und füttert ausschließlich dieses. Nach etwa 28 bis 35 Tagen werden die Jungvögel flügge, bleiben aber noch mehr