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Küstenseeschwalbe

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Tierart – Vögel > Wasservögel – Möwen & Seeschwalben

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Sterna paradisaea
  • Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
  • Familie: Seeschwalben (Sternidae)
  • Gattung: Sterna
  • Lebensraum: Küsten, Inseln und Tundren der Arktis und Subarktis; im Winter antarktische Gewässer
  • Größe: 33–36 cm Körperlänge, Flügelspannweite 75–85 cm
  • Gewicht: 86–127 g
  • Lebenserwartung: Über 30 Jahre, nachgewiesenes Höchstalter über 34 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Küstenseeschwalbe ist ein schlanker, elegant gebauter Seevogel mit langen, spitzen Flügeln und einem tief gegabelten Schwanz, der ihr im Englischen den Beinamen „sea swallow" eingebracht hat. Im Prachtkleid trägt sie eine schwarze Kappe, die Stirn bis Nacken bedeckt. Die Oberseite des Gefieders ist hellgrau, die Unterseite weißlich bis zart grau getönt. Auffällig ist der leuchtend rote Schnabel, der im Gegensatz zur nahe verwandten Flussseeschwalbe (Sterna hirundo) keine dunkle Spitze aufweist. Die Beine sind kurz und ebenfalls rot gefärbt.

Im Schlichtkleid nach der Brutzeit weißt die Stirn weiße Federn auf, der Schnabel dunkelt nach und kann fast schwarz werden. Jungvögel zeigen bräunliche Schuppenzeichnungen auf den Deckfedern der Oberseite und einen dunkleren Schnabel. Gegenüber der Flussseeschwalbe lässt sich die Küstenseeschwalbe im Feld durch die insgesamt kürzeren Beine, den kürzeren Schnabel, die durchscheinenden Handschwingen (von unten betrachtet als schmaler dunkler Rand am Flügelsaum erkennbar) und den längeren Schwanzspieß unterscheiden. Im Flug wirkt sie leichter und graziler als ihre Verwandte.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Küstenseeschwalbe erstreckt sich zirkumpolar über die arktischen und subarktischen Regionen der Nordhalbkugel. Brutkolonien finden sich in Skandinavien, Island, Grönland, Spitzbergen, Nordrussland, Alaska und im nördlichen Kanada. In Mitteleuropa brütet die Art an der Nord- und Ostseeküste, auf den Halligen, den Ostfriesischen Inseln und vereinzelt an Küstenabschnitten Schleswig-Holsteins. Als Habitat bevorzugt sie flache, vegetationsarme Kies- und Sandstrände, Dünenränder, Salzwiesen und felsige Inseln – Biotope, die wenig Deckung für Bodenprädatoren bieten.

Im Winterhalbjahr der Nordhalbkugel zieht die Art in die Gewässer rund um die Antarktis. Damit vollführt sie die längste regelmäßige Wanderung aller Vogelarten. Besenderte Individuen legten nachweislich über 70.000 Kilometer pro Jahr zurück, einzelne sogar mehr als 90.000 Kilometer. Durch diese Zugbewegung zwischen arktischem und antarktischem Sommer erlebt die Küstenseeschwalbe mehr Tageslichtstunden pro Jahr als jedes andere Tier.

Ernährung

Die Küstenseeschwalbe ernährt sich überwiegend von kleinen Fischen wie Sandaalen, Heringen und Sprotten sowie von Krebstieren und anderen marinen Wirbellosen. Die Jagd erfolgt typischerweise im Rüttelflug: Der Vogel steht flügelschlagend in der Luft, fixiert die Beute und stößt dann im Sturzflug ins Wasser. Dabei taucht er meist nur wenige Zentimeter unter die Oberfläche. Gelegentlich werden auch Insekten im Flug gefangen, vor allem während der Brutzeit an Binnengewässern. Auf dem Zug nutzt die Art ergiebige Nahrungsgebiete in produktiven Meeresregionen, etwa entlang der westafrikanischen Küste und im Bereich des Benguelastroms.

Verhalten & Lebensweise

Küstenseeschwalben sind tagaktive Vögel, die außerhalb der Brutzeit weite Teile ihres Lebens über dem offenen Meer verbringen. Sie brüten in Kolonien, deren Größe von wenigen Paaren bis zu mehreren Tausend Individuen reichen kann. Innerhalb der Kolonie verteidigt jedes Paar ein kleines Revier unmittelbar um die Nestmulde. Gegenüber Eindringlingen – ob Artgenossen, Prädatoren oder Menschen – reagieren die Vögel äußerst aggressiv. Sie fliegen Stoßangriffe und hacken mit dem Schnabel gezielt auf den Kopf des Störers. Diese Wehrhaftigkeit bietet auch kleineren bodenbrütenden Arten Schutz, die sich im Umfeld der Kolonien ansiedeln.

Die Lautäußerungen umfassen hohe, scharfe „kria"-Rufe, die besonders bei Störungen zu hören sind. Der Flug ist leicht und wendig mit relativ langsamen, elastischen Flügelschlägen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz beginnt nach der Ankunft im Brutgebiet, meist zwischen Mai und Juni. Zur Balz gehören gemeinsame Flugmanöver, bei denen das Männchen dem Weibchen einen kleinen Fisch als Brautgeschenk überreicht. Das Nest ist eine schlichte Mulde im Sand, Kies oder in kurzer Vegetation, meist ohne nennenswerte Auspolsterung. Das Gelege besteht in der Regel aus ein bis drei Eiern, die auf sandfarbenem bis olivgrünem Grund dunkel gefleckt sind und dadurch gut getarnt wirken.

Beide Elternvögel bebrüten die Eier über einen Zeitraum von 21 bis 23 Tagen. Die Küken sind Nestflüchter mit einem dichten, graubraunen Dunenkleid, das ihnen am Boden Tarnung bietet. Sie werden von beiden Altvögeln mit kleinen Fischen gefüttert und sind nach etwa 21 bis 24 Tagen flügge. Bis dahin bleiben sie im Umfeld des Nestes und ducken sich bei Gefahr reglos auf den Boden. Die Geschlechtsreife tritt im Alter von drei bis vier Jahren ein. Küstenseeschwalben führen saisonale Einehe, wobei viele Paare sich in aufeinanderfolgenden Jahren erneut verpaaren.

Bedrohung & Schutzstatus