Lachmöwe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Chroicocephalus ridibundus (früher Larus ridibundus)
- Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
- Familie: Möwen (Laridae)
- Gattung: Chroicocephalus
- Lebensraum: Binnengewässer, Küsten, Feuchtgebiete, Agrarlandschaften, urbane Räume
- Größe: 35–39 cm Körperlänge, Flügelspannweite 86–99 cm
- Gewicht: 200–350 g
- Lebenserwartung: Durchschnittlich 10–15 Jahre, Einzelnachweise bis über 30 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Lachmöwe ist eine kleine, schlanke Möwenart mit auffälligem saisonalem Wechsel des Gefieders. Im Prachtkleid, das ab etwa März getragen wird, zeigt der Kopf eine dunkelbraune – nicht schwarze – Kapuze, die bis in den Nacken reicht. Im Schlichtkleid, das außerhalb der Brutzeit angelegt wird, fehlt die Kopfkappe; es verbleiben lediglich ein dunkler Ohrfleck und ein schwacher Scheitelstreif auf dem ansonsten weißen Kopf.
Der Rumpf ist oberseits hellgrau, die Unterseite weiß. Die Flügel tragen einen charakteristischen weißen Vorderrand (Handschwingenfeld), der im Flug ein gutes Erkennungsmerkmal darstellt. Die Handschwingenspitzen sind schwarz gefärbt. Der Schnabel ist im Prachtkleid dunkelrot, im Schlichtkleid blasser mit dunkler Spitze. Die Beine sind ebenfalls rot gefärbt, bei Jungvögeln dagegen fleischfarben bis orange.
Jungvögel im ersten Lebensjahr zeigen ein bräunlich geflecktes Gefieder mit einer dunklen Schwanzendbinde. Sie benötigen etwa zwei Jahre, um das vollständige Adultkleid auszubilden. Die Iris ist bei Altvögeln dunkelbraun.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Lachmöwe erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis – von Island und Westeuropa ostwärts bis nach Kamtschatka und in die Mandschurei. In Mitteleuropa gehört sie zu den häufigsten Möwenarten. Sie besiedelt eine Vielzahl von Habitaten: Seen, Flüsse, Stauseen, Fischteiche, Klärteiche, Feuchtwiesen und Moore dienen als Brutbiotope. Außerhalb der Brutzeit ist sie auch an Meeresküsten, in Häfen und auf offener See in Küstennähe anzutreffen.
Im Binnenland hat sich die Lachmöwe stark an menschliche Siedlungsräume angepasst. Sie nutzt Mülldeponien, Ackerflächen, Parks und städtische Gewässer als Nahrungshabitate. In Großstädten wie Berlin, Hamburg oder Wien ist sie ganzjährig präsent. Die mitteleuropäischen Populationen sind Teilzieher: Während ein Teil der Vögel im Brutgebiet überwintert, ziehen andere in südwestlicher Richtung bis an die Atlantikküste, ins Mittelmeergebiet oder nach Nordafrika.
Ernährung
Die Lachmöwe ist ein ausgesprochener Nahrungsopportunist mit einem breiten Nahrungsspektrum. Sie ernährt sich von Insekten und deren Larven, Regenwürmern, kleinen Fischen, Krebstieren, Schnecken und anderen Wirbellosen. Pflanzliche Kost wie Sämereien und Beeren wird ergänzend aufgenommen.
In der Nähe menschlicher Siedlungen nutzt sie bereitwillig anthropogene Nahrungsquellen: Abfälle auf Mülldeponien, Brotreste in Parks oder Fischereiabfälle in Häfen. Sie folgt häufig Pflügen auf Äckern, um aufgewühlte Wirbellose aufzunehmen. Beim Nahrungserwerb zeigt sie verschiedene Techniken – sie pickt von der Wasseroberfläche, sucht watend im Flachwasser oder fängt Insekten im Flug. Kleptoparasitismus, also das gezielte Stehlen von Nahrung bei anderen Vögeln, kommt ebenfalls regelmäßig vor.
Verhalten & Lebensweise
Lachmöwen sind tagaktive, gesellige Vögel, die sowohl während der Brutzeit als auch im Winterhalbjahr in großen Gruppen auftreten. Schlafplatzgemeinschaften an Gewässern können mehrere Tausend Individuen umfassen. Die Vögel sind laut und ruffreudig – der namensgebende, krächzend-lachende Ruf „krriäh" ist an vielen Gewässern Mitteleuropas ein vertrautes Geräusch.
Im Flug ist die Lachmöwe wendig und ausdauernd. Sie nutzt Thermik und Aufwinde, gleitet geschickt und kann abrupt die Richtung wechseln. Gegenüber Artgenossen zeigt sie ein differenziertes Repertoire an Droh- und Beschwichtigungsgesten, darunter das Wegdrehen des Kopfes als Demutsgebärde und das Vorwärtsdrohen mit gesenktem Kopf. Gegenüber Fressfeinden wie Greifvögeln oder Krähen reagieren Koloniebrüter mit gemeinschaftlichem Hassen (Mobbing), bei dem die Möwen den Störer im Flug bedrängen und mit Kot bewerfen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Lachmöwe brütet in Kolonien, die wenige Dutzend bis mehrere Tausend Brutpaare umfassen können. Die Kolonien befinden sich bevorzugt auf Inseln, Schilfflächen, Feuchtwiesen oder schwimmender Vegetation – Standorte, die Schutz vor Bodenprädatoren bieten. Die Balz beginnt ab März und umfasst synchrone Kopfbewegungen, Futtergaben des Männchens an das Weibchen und gemeinsame Flugmanöver.
Das Nest wird aus Pflanzenmaterial, Halmen und Schilf errichtet und befindet sich meist am Boden. Das Gelege besteht in der Regel aus zwei bis drei olivbraun gefleckten Eiern, die von beiden Partnern über einen Zeitraum von 22 bis 26 Tagen bebrütet werden. Die Küken sind Nestflüchter mit einem bräunlich-gefleckten Dunenkleid. Sie verlassen das Nest bereits wenige Tage nach dem Schlupf, bleiben aber im