Mantelmöwe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Larus marinus
- Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
- Familie: Möwen (Laridae)
- Gattung: Larus
- Lebensraum: Felsküsten, Inseln, Hafengebiete, offenes Meer
- Größe: 64–79 cm Körperlänge, Flügelspannweite 150–170 cm
- Gewicht: 1.000–2.300 g, Männchen im Durchschnitt schwerer als Weibchen
- Lebenserwartung: 20–25 Jahre, in Einzelfällen über 30 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Mantelmöwe ist die größte Möwenart der Welt und bereits aus großer Entfernung an ihrem massigen Körperbau und dem charakteristisch dunklen Rückengefieder zu erkennen. Der namensgebende „Mantel" – die Oberseite von Flügeln und Rücken – ist bei adulten Vögeln schiefergrau bis schwärzlich gefärbt und hebt sich deutlich vom ansonsten reinweißen Gefieder ab. Der kräftige, seitlich abgeflachte Schnabel ist gelb mit einem auffälligen roten Gonysfleck am Unterschnabel. Die Augen sind hell, meist blass gelblich mit einem schmalen orangeroten Orbitalring. Die Beine und Füße sind fleischfarben bis blassrosa.
Jungvögel unterscheiden sich erheblich von den Adulten. Ihr Gefieder ist in den ersten Lebensjahren bräunlich-weiß gescheckt mit dunklen Flecken und einer dunklen Schwanzbinde. Erst im vierten Lebensjahr erreichen Mantelmöwen das vollständige Adultkleid. Gegenüber der ähnlichen, aber deutlich kleineren Heringsmöwe (Larus fuscus) fällt neben der Körpergröße vor allem der massivere Schnabel und der insgesamt bulligere Habitus auf. Auch die Silbermöwe (Larus argentatus) ist kleiner und hat ein wesentlich helleres Rückengefieder.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Mantelmöwe erstreckt sich über den Nordatlantik. Sie brütet an den Küsten Nordwesteuropas – von Island über Skandinavien, die Britischen Inseln und die Bretagne bis zur Kola-Halbinsel – sowie an der Ostküste Nordamerikas von Labrador bis zu den Carolinas. In der Ostsee kommt sie als Brutvogel vereinzelt vor, in Deutschland brüten nur wenige Paare an der Nordseeküste und auf vorgelagerten Inseln.
Als Habitat bevorzugt die Mantelmöwe felsige Küstenabschnitte, kleine Inseln und Schären. Außerhalb der Brutzeit ist sie auch auf offener See, in Hafengebieten, an Flussmündungen und gelegentlich an größeren Binnengewässern anzutreffen. Besonders im Winter weiten sich die Aufenthaltsbereiche aus; dann tauchen Mantelmöwen auch an Mülldeponien und in küstennahen Agrarlandschaften auf. In Mitteleuropa ist die Art vor allem als Wintergast und Durchzügler zu beobachten.
Ernährung
Die Mantelmöwe ist ein ausgesprochener Nahrungsopportunist mit einem breiten Beutespektrum. Fische bilden den Hauptbestandteil der Nahrung, darunter Heringe, Makrelen, Sandaale und verschiedene Plattfischarten. Darüber hinaus erbeutet sie regelmäßig andere Seevögel und deren Küken – darunter Papageitaucher, Sturmschwalben und kleinere Möwenarten –, was ihr den Ruf eines aggressiven Prädators eingebracht hat.
Neben Fischen und Vögeln gehören Krebstiere, Muscheln, Seeigel, Aas und Abfälle aus der Fischerei zur Nahrung. Mantelmöwen sind geschickte Kleptoparasiten, die anderen Seevögeln wie Basstölpeln oder Kormoranen die Beute abjagen. Hartschalige Beutetiere lassen sie aus der Höhe auf Felsen fallen, um sie zu öffnen. An Mülldeponien und in Hafennähe nutzen sie bereitwillig anthropogene Nahrungsquellen.
Verhalten & Lebensweise
Mantelmöwen sind tagaktive Vögel, die sich außerhalb der Brutzeit oft einzeln oder in kleinen Gruppen aufhalten. Im Gegensatz zu vielen anderen Möwenarten bilden sie selten große Schwärme, sondern treten eher als dominante Einzelvögel in gemischten Möwenansammlungen auf. Ihre Körpergröße und Aggressivität verschaffen ihnen dabei eine überlegene Position an Nahrungsquellen.
Der Flug wirkt trotz der Körpergröße kraftvoll und ausdauernd, mit langsamen, tiefen Flügelschlägen. Mantelmöwen können weite Strecken über dem offenen Meer zurücklegen. Ihr Revierverhalten ist während der Brutzeit ausgeprägt: Brutpaare verteidigen den unmittelbaren Nestbereich vehement gegen Artgenossen und andere Eindringlinge. Die Rufe sind tief und rau, deutlich tiefer als die Laute der Silbermöwe, und umfassen ein charakteristisches, langgezogenes „oww" sowie bellende Warnrufe.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Mantelmöwe brütet gewöhnlich ab dem fünften Lebensjahr und führt eine monogame Saisonehe, wobei viele Paare über mehrere Jahre zusammenbleiben. Die Balz beginnt im zeitigen Frühjahr und umfasst rituelle Fütterungen, paralleles Kopfwerfen und gemeinsame Rufreihen. Das Nest wird auf dem Boden angelegt – bevorzugt auf erhöhten, schwer zugänglichen Felsvorsprüngen oder auf kleinen Inseln. Es besteht aus Pflanzenmaterial, Tang, Gras und Federn und ist meist voluminöser als die Nester anderer Möwenarten.
Das Gelege umfasst in der Regel zwei bis drei olivbraune, dunkel gefleckte Eier. Beide Elternvögel bebrüten die Eier über einen Zeitraum von 27 bis 30 Tagen. Die Küken sind Nestflüchter mit graubraunem Dunenkleid und werden von beiden Altvögeln gefüttert. Sie betteln um Nahrung, indem sie den roten Gonysfleck am Schnabel der Eltern anpicken – ein bei Möwen weit verbreiteter Auslösemechanismus.