Lachseeschwalbe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Gelochelidon nilotica (früher Sterna nilotica)
- Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
- Familie: Seeschwalben (Laridae, Unterfamilie Sterninae)
- Gattung: Gelochelidon
- Lebensraum: Küstennahe Feuchtgebiete, Salzmarschen, Steppenlandschaften, Binnenseen
- Größe: 33–43 cm Körperlänge, Flügelspannweite 85–105 cm
- Gewicht: 150–290 g
- Lebenserwartung: Bis zu 20 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Lachseeschwalbe ist eine mittelgroße, kräftig gebaute Seeschwalbe, die auf den ersten Blick eher an eine Möwe erinnert als an ihre schlankeren Verwandten. Ihr Gefieder ist oberseits hellgrau, die Unterseite weißlich. Im Prachtkleid trägt sie eine schwarze Kappe, die Stirn, Scheitel und Nacken bedeckt. Im Schlichtkleid verblasst diese Kopfzeichnung zu einem unscharf begrenzten dunklen Fleck hinter dem Auge, während der restliche Kopf weiß erscheint.
Das auffälligste Merkmal ist der kräftige, verhältnismäßig kurze und schwarze Schnabel. Er unterscheidet die Lachseeschwalbe deutlich von den meisten anderen Seeschwalbenarten, die typischerweise lange, spitze und oft rot oder orange gefärbte Schnäbel tragen. Die Beine sind schwarz und relativ lang, was der Art beim Laufen auf dem Boden zugutekommt. Der Schwanz ist nur leicht gegabelt – ein weiterer Unterschied zu vielen Verwandten mit tief gegabeltem Stoß. Die Flügel wirken breit und gerundet, der Flug ist gemächlicher und möwenartiger als bei der eng verwandten Flussseeschwalbe oder der Küstenseeschwalbe.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Lachseeschwalbe erstreckt sich über weite Teile der Alten und Neuen Welt. Sie brütet in Südeuropa, Nordafrika, Vorderasien, Zentralasien, Teilen Ostasiens sowie in Nord- und Südamerika. In Europa liegen bedeutende Brutkolonien an den Küsten des Mittelmeers, am Schwarzen Meer und in der südlichen Ukraine. In Deutschland gilt die Art als seltener, unregelmäßiger Durchzügler und ehemaliger Brutvogel.
Als Habitat bevorzugt die Lachseeschwalbe offene, flache Landschaften in Küstennähe: Salzmarschen, Lagunen, Flussmündungen und ausgedehnte Feuchtgebiete. Anders als viele Seeschwalben ist sie weniger an offene Meeresflächen gebunden und nutzt regelmäßig auch Binnengewässer, Steppenlandschaften, landwirtschaftliche Flächen und trockenes Grasland als Nahrungsbiotop. Diese Vorliebe für terrestrische Jagdgründe ist unter Seeschwalben ungewöhnlich.
Die europäischen Populationen sind Langstreckenzieher. Sie überwintern überwiegend in West- und Ostafrika, südlich der Sahara. Die Zugbewegungen finden zwischen August und Oktober sowie im April und Mai statt.
Ernährung
Die Ernährung der Lachseeschwalbe weicht erheblich von der anderer Seeschwalben ab. Während die meisten Arten ihrer Familie vorwiegend Fisch im Sturzflug erbeuten, jagt die Lachseeschwalbe überwiegend an Land. Ihre Nahrung besteht aus großen Insekten – insbesondere Heuschrecken, Käfern und Libellen –, daneben aus Eidechsen, kleinen Fröschen, Mäusen und gelegentlich aus Küken anderer Vogelarten.
Fisch spielt in der Ernährung eine untergeordnete Rolle. Die Art jagt häufig im niedrigen Suchflug über Wiesen und Feldern oder zu Fuß am Boden. Gelegentlich nimmt sie auch Krebstiere, Regenwürmer und andere Wirbellose zu sich. In der Brutzeit werden die Küken vorwiegend mit Insekten und kleinen Wirbeltieren gefüttert. Diese Nahrungsspezialisierung erklärt den kräftigen, kurzen Schnabel, der zum Greifen und Zerdrücken landlebender Beutetiere besser geeignet ist als ein dünner Fischschnabel.
Verhalten & Lebensweise
Die Lachseeschwalbe ist tagaktiv und gesellig. Sie brütet in Kolonien, die von wenigen Paaren bis zu mehreren hundert Brutpaaren umfassen können. Oft siedeln sich diese Kolonien in gemischten Verbänden zusammen mit anderen Seeschwalben, Möwen oder Stelzenläufern an. Außerhalb der Brutzeit treten Lachseeschwalben in kleinen Trupps oder einzeln auf.
Ihren Namen verdankt die Art ihrem charakteristischen Ruf, einem lauten, nasalen, lachähnlichen „ka-ka-ka" oder „kje-kje-kje", das an das Gelächter einer Möwe erinnert. Die Rufe dienen der Kommunikation innerhalb der Kolonie und der Revierverteidigung. Bei Annäherung von Beutegreifern verteidigen die Koloniemitglieder ihre Nester gemeinschaftlich durch aggressive Sturzflüge und lautes Rufen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz beginnt kurz nach der Ankunft im Brutgebiet, meist im April oder Mai. Balzrituale umfassen gemeinsame Flüge, Futterübergaben des Männchens an das Weibchen sowie ritualisiertes Kopfnicken und Körperhaltungen am Boden. Die Paare sind saisonal monogam.
Das Nest ist eine flache Mulde am Boden, oft auf sandigem oder kiesigem Untergrund, spärlich mit Grashalmen, Muschelstücken oder kleinen Steinen ausgekleidet. Das Gelege umfasst in der Regel zwei bis drei Eier, die sandfarben bis bräunlich gefleckt sind und damit gut getarnt auf dem Substrat liegen. Beide Elternvögel bebrüten die Eier über einen Zeitraum von 22 bis 23 Tagen.
Die Küken sind Nestflüchter, verlassen die unmittelbare Nestumgebung aber zunächst nur kurzfristig und werden von beiden Altvögeln mit Nahrung versorgt. Nach etwa 28 bis 35