Elch
ETierart – Säugetiere > Huftiere – Hirsche
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Alces alces
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Hirsche (Cervidae)
- Unterfamilie: Trughirsche (Capreolinae)
- Gattung: Alces
- Lebensraum: Boreale Nadelwälder, Mischwälder, Sumpfgebiete, Flussauen
- Größe: Schulterhöhe 1,70–2,30 m; Kopf-Rumpf-Länge bis 3,00 m
- Gewicht: Kühe 270–400 kg, Bullen 380–700 kg (nordamerikanische Unterarten bis über 800 kg)
- Lebenserwartung: 15–20 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 25 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Elch ist die größte heute lebende Art aus der Familie der Hirsche. Sein Körperbau wirkt gedrungen und hochbeinig zugleich: Der mächtige Rumpf sitzt auf langen, kräftigen Läufen, während der Rücken zum Widerrist hin deutlich ansteigt und zur Kruppe abfällt. Dieser Buckel entsteht durch verlängerte Dornfortsätze der Brustwirbel, an denen eine starke Muskulatur ansetzt.
Das Fell ist dicht und besteht aus groben, hohlen Deckhaaren sowie einer feinen Unterwolle. Die Färbung variiert zwischen dunkelbraun und graubraun; die Läufe sind häufig heller, nahezu grau bis weißlich. Im Winter wird das Haarkleid dichter und etwas heller. Am Hals tragen beide Geschlechter eine lose herabhängende Hautfalte, den sogenannten Kehlbart oder Kinnbart, dessen Funktion nicht abschließend geklärt ist.
Charakteristisch ist der große, lang gestreckte Kopf mit der überhängenden, breiten Oberlippe – der sogenannten Muffel. Diese bewegliche Nase dient dem Abtasten und Greifen von Nahrung. Die Ohren sind groß und unabhängig voneinander beweglich, das Gehör entsprechend gut ausgeprägt.
Nur die Bullen tragen ein Geweih, das jährlich im Winter abgeworfen und im Frühjahr neu gebildet wird. Bei ausgewachsenen Tieren kann es als Schaufelgeweih eine Spannweite von über 1,80 m erreichen und bis zu 20 kg wiegen. Es dient vorrangig dem Imponierverhalten und den Rivalenkämpfen während der Brunft. Manche Populationen – etwa in Teilen Sibiriens – bilden eher stangenförmige Geweihe ohne Schaufel aus.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Elchs erstreckt sich über die gesamte Holarktis. In Eurasien besiedelt er Skandinavien, das Baltikum, Teile Polens und Weißrusslands sowie weite Gebiete Russlands bis nach Ostsibirien und in die Mandschurei. In Nordamerika reicht sein Habitat von Alaska und Kanada bis in die nördlichen Bundesstaaten der USA. In Mitteleuropa galt der Elch lange als ausgestorben, doch seit einigen Jahrzehnten wandern einzelne Individuen aus polnischen und baltischen Populationen wieder nach Norddeutschland ein.
Als typisches Biotop bevorzugt der Elch boreale Nadelwälder (Taiga), Birken- und Mischwälder sowie Sumpf- und Moorlandschaften mit Zugang zu Seen, Flüssen oder Feuchtgebieten. Er meidet offene Steppen und dicht geschlossene Hochwälder ohne Unterwuchs. Entscheidend für die Habitatwahl sind das Vorhandensein von Weichhölzern als Nahrungsquelle und der Zugang zu Gewässern, die im Sommer auch der Thermoregulation dienen.
Ernährung
Elche sind reine Pflanzenfresser mit einem Nahrungsspektrum, das sich je nach Jahreszeit stark verändert. Im Sommer grasen sie bevorzugt an Wasserpflanzen wie Seerosen, Laichkräutern und Schilf. Sie waten dafür tief ins Wasser und tauchen mitunter den gesamten Kopf unter, um an submerse Pflanzen zu gelangen. Ergänzend fressen sie Laub und frische Triebe von Birken, Weiden, Espen und Ebereschen.
Im Winter stellen sie ihre Ernährung auf die Rinde, Knospen und Zweige von Laub- und Nadelbäumen um. Kiefern, Fichten und Wacholder werden dann ebenso verbissen wie Weiden und Birken. Ein ausgewachsener Elch nimmt täglich etwa 20–30 kg pflanzliche Nahrung zu sich. Die Verdauung erfolgt als Wiederkäuer über einen mehrkammerigen Magen, in dem Mikroorganismen die zellulosereiche Kost aufschließen.
Verhalten & Lebensweise
Elche sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigen aber auch tagsüber Aktivitätsphasen – insbesondere in Gebieten mit geringem menschlichem Störungsdruck. Anders als viele andere Hirscharten leben sie nicht in Rudeln, sondern sind vorwiegend Einzelgänger. Kühe werden gelegentlich von ihren Kälbern begleitet; im Winter können sich lose Ansammlungen an günstigen Nahrungsplätzen bilden, die jedoch keine festen sozialen Strukturen aufweisen.
Ein festes Revier im engeren Sinne verteidigen Elche nicht. Sie nutzen jahreszeitlich wechselnde Streifgebiete, deren Größe von der Nahrungsverfügbarkeit abhängt – zwischen 5 und 50 Quadratkilometern, in nahrungsarmen Regionen noch deutlich mehr. Trotz ihres massigen Körperbaus sind Elche ausdauernde Läufer und gute Schwimmer. Sie durchqueren problemlos Seen und breite Flüsse und können Geschwindigkeiten von über 55 km/h erreichen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brunft findet zwischen September und Oktober statt. Bullen suchen aktiv nach paarungsbereiten Kühen und stoßen tiefe, weithin hörbare Rufe aus. Treffen zwei Bullen aufeinander, kommt es zu ritualisierten Kämpfen, bei denen sie ihre Geweihe ineinanderschieben und durch Drücken die Kraft des Gegners testen. Schwere Verletzungen sind selten, kommen aber vor – gelegentlich verhaken sich die Geweihe