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Pampashirsch

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Tierart – Säugetiere > Huftiere – Hirsche

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Ozotoceros bezoarticus
  • Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
  • Familie: Hirsche (Cervidae)
  • Unterfamilie: Trughirsche (Capreolinae)
  • Gattung: Ozotoceros (monotypisch)
  • Lebensraum: Offene Graslandschaften, Savannen und Feuchtgebiete Südamerikas
  • Körperlänge: 110–140 cm
  • Schulterhöhe: 60–75 cm
  • Gewicht: 20–40 kg
  • Lebenserwartung: ca. 10–12 Jahre in freier Wildbahn, bis 20 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen und Merkmale

Der Pampashirsch ist ein mittelgroßer, zierlich gebauter Hirsch mit langen, schlanken Läufen, die ihn als Bewohner offener Graslandschaften ausweisen. Das Fell ist kurz und glatt. Die Oberseite zeigt eine gelblich-braune bis rötlich-braune Färbung, während Bauch, Brust und die Innenseiten der Beine deutlich heller, oft weißlich, ausfallen. Charakteristisch ist ein weißer Fleck oberhalb der Oberlippe sowie ein heller Ring um die großen, dunklen Augen. Der Schwanz ist relativ kurz und an der Unterseite weiß gefärbt, was beim Flüchten als Warnsignal dient.

Die Böcke tragen ein dreisprossiges Geweih, das in der Regel eine Höhe von 25–30 cm erreicht. Es besteht aus einem Hauptspross mit zwei nach vorn gerichteten Nebensprossen und wird jährlich abgeworfen und neu gebildet. Weibliche Tiere sind geweihlos und insgesamt etwas kleiner und leichter als die Männchen. Beide Geschlechter verfügen über Zwischenzehendrüsen an den Hinterläufen, deren Sekret einen intensiven, knoblauchartigen Geruch verströmt. Dieser Duft ist so stark, dass er dem Pampashirsch in manchen Regionen den Beinamen „Stinkhirsch" eingetragen hat.

Lebensraum und Verbreitung

Das historische Verbreitungsgebiet des Pampashirsches erstreckte sich über weite Teile des offenen Graslandes Südamerikas – von Zentralbrasilien über Uruguay und Paraguay bis in die argentinische Pampa. Heute ist die Art auf stark fragmentierte Restpopulationen beschränkt. Die größten verbliebenen Bestände finden sich im Cerrado und Pantanal Brasiliens, in einzelnen Schutzgebieten Uruguays sowie in der argentinischen Provinz San Luis und der Bahía de Samborombón in der Provinz Buenos Aires.

Als Habitat bevorzugt der Pampashirsch offene, flache bis leicht hügelige Graslandschaften mit niedriger bis mittelhoher Vegetation. Er besiedelt sowohl trockene Campos als auch saisonal überschwemmte Feuchtwiesen und Savannen. Dichte Wälder meidet er konsequent. Die enge Bindung an offenes Grasland macht die Art besonders anfällig für den Verlust ihres Biotops durch landwirtschaftliche Nutzung.

Ernährung

Der Pampashirsch ist ein reiner Pflanzenfresser mit einer Präferenz für krautige Pflanzen. Gräser machen einen erheblichen Teil seiner Nahrung aus, daneben frisst er Kräuter, Blätter niedrig wachsender Sträucher, Blüten und gelegentlich Früchte. Die Zusammensetzung der Nahrung variiert saisonal: In der Regenzeit dominieren frische Gräser und Kräuter, während in der Trockenzeit vermehrt auf holzigere Pflanzenteile zurückgegriffen wird. Wie andere Wiederkäuer besitzt der Pampashirsch einen mehrkammerigen Magen, der die Verwertung zellulosereicher Pflanzennahrung ermöglicht.

Verhalten und Lebensweise

Im Gegensatz zu vielen anderen Hirscharten lebt der Pampashirsch nicht in festen Rudeln. Er wird überwiegend einzeln oder in lockeren Kleingruppen von zwei bis fünf Tieren angetroffen. Größere Ansammlungen sind selten und treten allenfalls an besonders nahrungsreichen Stellen auf. Die Sozialstruktur ist insgesamt flexibel, feste Reviere werden nur von Böcken während der Brunft verteidigt.

Die Art ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, wobei in Gebieten mit geringem menschlichem Störungsdruck auch tagsüber Aktivität beobachtet wird. Bei Gefahr verlässt sich der Pampashirsch auf seine Schnelligkeit und sein gutes Sehvermögen. Er kann abrupt die Fluchtrichtung wechseln und erreicht dabei beachtliche Geschwindigkeiten. Die bereits erwähnten Zwischenzehendrüsen spielen eine Rolle bei der innerartlichen Kommunikation und der Markierung von Laufwegen.

Fortpflanzung und Aufzucht

Die Fortpflanzung findet je nach Region zu unterschiedlichen Zeiten statt, wobei sich in vielen Populationen ein saisonaler Schwerpunkt abzeichnet. Während der Brunft setzen die Böcke Duftmarkierungen und tragen ritualisierte Kämpfe mit dem Geweih aus, um Zugang zu paarungsbereiten Weibchen zu erlangen. Ernsthafte Verletzungen sind dabei selten.

Nach einer Tragzeit von rund 210 bis 220 Tagen bringt das Weibchen in der Regel ein einzelnes Kitz zur Welt. Zwillingsgeburten kommen vor, sind aber die Ausnahme. Das Jungtier trägt ein geflecktes Fell, das als Tarnmuster im Gras dient, und verbringt die ersten Lebenswochen als sogenannter Ablieger regungslos im hohen Gras, während die Mutter in der Nähe äst und nur zum Säugen zurückkehrt. Mit etwa drei bis vier Monaten wird das Kitz entwöhnt. Die Geschlechtsreife tritt bei beiden Geschlechtern im Alter von etwa einem Jahr ein.

Bedrohung und Schutzstatus

Die IUCN stuft den Pampashirsch als „Near Threatened" (potenziell gefährdet) ein. Historisch war die Art in den Grasländern Südamerikas weit verbreitet, doch die Bestände sind seit dem 19. Jahrhundert dramatisch zurückgegangen. Die Gesamtpopulation wird auf weniger als 80.000