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Muntjak

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Tierart – Säugetiere > Huftiere – Hirsche

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Muntiacus (Gattung), bekannteste Art: Indischer Muntjak (Muntiacus muntjak)
  • Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
  • Familie: Hirsche (Cervidae)
  • Unterfamilie: Muntjakhirsche (Muntiacinae)
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder, dichte Unterholzzonen
  • Größe: 40–65 cm Schulterhöhe, je nach Art
  • Gewicht: 10–35 kg
  • Lebenserwartung: 10–15 Jahre in freier Wildbahn, bis 20 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Muntjaks gehören zu den kleinsten Vertretern der Familie der Hirsche. Ihr Körperbau ist gedrungen, die Beine sind vergleichsweise kurz, der Rücken leicht gewölbt. Das Fell variiert je nach Art und Verbreitungsgebiet von rotbraun über goldbraun bis dunkelbraun. Die Bauchseite ist heller gefärbt, oft cremefarben oder weißlich. Das Haarkleid ist kurz und dicht, was den Tieren das Durchqueren dichter Vegetation erleichtert.

Männliche Muntjaks tragen kurze, meist unverzweigte Geweihe, die auf langen, behaarten Knochenzapfen – den sogenannten Rosenstöcken – sitzen. Diese Rosenstöcke sind auffällig lang und ragen als knöcherne Erhebungen über die Stirn hinaus. Ein weiteres charakteristisches Merkmal der Männchen sind die verlängerten oberen Eckzähne, die als hauerartige Strukturen aus dem Oberkiefer ragen und bis zu 5 cm lang werden können. Diese Hauer werden bei Rangkämpfen und zur Verteidigung eingesetzt. Weibchen besitzen keine Geweihe, zeigen aber oft kleine Knochenwülste an den entsprechenden Stellen des Schädels.

Beiden Geschlechtern gemeinsam sind große, dunkle Augen sowie auffällige V-förmige Gesichtszeichnungen, die durch dunkle Fellstreifen auf der Stirn gebildet werden. Die Ohren sind gerundet und im Verhältnis zum Kopf recht groß. Am Vorderkopf befinden sich gut entwickelte Voraugendrüsen, die zur Reviermarkierung genutzt werden.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Muntjaks erstreckt sich über weite Teile Süd- und Südostasiens. Es reicht von der indischen Subkontinent über Myanmar, Thailand, Vietnam und Südchina bis nach Borneo, Sumatra und Java. Die Gattung Muntiacus umfasst je nach taxonomischer Auffassung 12 bis 15 Arten. Der Indische Muntjak (Muntiacus muntjak) besitzt das größte Verbreitungsgebiet, während der Riesenmuntjak (Muntiacus vuquangensis) erst 1994 in Vietnam wissenschaftlich beschrieben wurde – eine der wenigen Großsäugerentdeckungen des 20. Jahrhunderts.

Als Habitat bevorzugen Muntjaks dichte, immergrüne oder laubabwerfende Wälder mit reichlich Unterholz. Sie besiedeln tropische Regenwälder, monsunale Laubwälder und Bergwälder bis in Höhenlagen von etwa 3.000 Metern. In ihrem Biotop sind sie auf dichte Bodenvegetation angewiesen, die ihnen Deckung vor Fressfeinden bietet. Durch gezielte Aussetzung oder versehentliche Freisetzung hat sich der Chinesische Muntjak (Muntiacus reevesi) in Teilen Englands und lokal in weiteren europäischen Ländern als Neozoon etabliert.

Ernährung

Muntjaks sind Pflanzenfresser mit einem breiten Nahrungsspektrum. In der Terminologie der Ernährungsökologie gelten sie als Selektierer, die bevorzugt leicht verdauliche, nährstoffreiche Pflanzenteile aufnehmen. Zu ihrer Nahrung zählen junge Blätter, Triebspitzen, Knospen, Früchte, Beeren, Samen und Pilze. Gelegentlich fressen sie auch Rinde und Gräser. In Gebieten mit saisonaler Nahrungsverknappung ergänzen Muntjaks ihre Kost mit herabgefallenem Obst und Wurzeln. Es gibt vereinzelte Beobachtungen, dass sie Vogeleier und kleine Wirbeltiere verzehren, was sie zu fakultativen Omnivoren machen könnte – dieses Verhalten ist jedoch selten dokumentiert.

Verhalten & Lebensweise

Muntjaks leben überwiegend einzelgängerisch. Nur zur Paarungszeit oder bei Müttern mit Jungtieren lassen sich Paare oder kleine Gruppen beobachten. Die Tiere sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigen in ungestörten Gebieten aber auch tagsüber Aktivität. Jedes Tier unterhält ein festes Revier, das durch Sekret der Voraugendrüsen, Urin und Kot markiert wird. Die Reviere männlicher Tiere überlappen häufig mit denen mehrerer Weibchen.

Eine der auffälligsten Verhaltensweisen ist die Lautgebung. Muntjaks stoßen bei Beunruhigung oder Gefahr ein lautes, bellendes Rufen aus, das über weite Strecken zu hören ist und ihnen den englischen Namen „Barking Deer" (Bellhirsch) eingetragen hat. Dieses Bellen kann minutenlang in regelmäßigen Intervallen wiederholt werden und dient vermutlich dazu, Fressfeinde wie Leoparden, Tiger oder Pythons zu signalisieren, dass sie entdeckt wurden.

Bei Revierkämpfen unter Männchen kommen sowohl die kurzen Geweihe als auch die langen oberen Eckzähne zum Einsatz. Die Hauer können dabei ernsthafte Verletzungen verursachen. Die Tiere bewegen sich auf festen Wechseln durch ihr Revier und legen dabei ein dichtes Netz aus Trampelpfaden im Unterholz an.

Fortpflanzung & Aufzucht

Muntjaks sind nicht an eine bestimmte Fortpflanzungssaison gebunden – sie können sich ganzjährig paaren. Diese asaisonale Fortpflanzung ist unter Hirschartigen ungewöhnlich und wird mit den stabilen klimatischen Bedingungen tropischer Lebensräume in Zusammenhang gebracht. Die Tragzeit beträgt etwa 6 bis 7 Monate, je nach Art. In der Regel wird ein einzelnes Jungtier geboren, Zwillings