Frischgras
FFutter & Ernährung > Futtermittel – pflanzlich
Definition & Überblick
Frischgras bezeichnet frisch gewachsenes, nicht konserviertes Gras, das Tieren entweder durch Weidegang direkt oder als geschnittenes Grünfutter vorgelegt wird. Es zählt zu den ältesten und natürlichsten pflanzlichen Futtermitteln überhaupt und bildet für zahlreiche Herbivoren die Grundlage der täglichen Futterration. Im Gegensatz zu Heu oder Silage enthält Frischgras einen hohen Wasseranteil von etwa 70 bis 85 Prozent, was seinen Nährwert pro Kilogramm im Vergleich zu konservierten Futtermitteln deutlich verringert, gleichzeitig aber die Versorgung mit wasserlöslichen Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen begünstigt.
Die botanische Zusammensetzung von Frischgras variiert stark je nach Standort, Jahreszeit, Bodenbeschaffenheit und Bewirtschaftung. Typische Gräserarten in mitteleuropäischen Weiden sind Deutsches Weidelgras, Wiesenlieschgras, Wiesenschwingel und Knaulgras. Häufig enthält Frischgras zusätzlich Kräuter und Leguminosen wie Weißklee oder Luzerne, die den Futterwert erheblich steigern können.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Die Nährstoffgehalte von Frischgras schwanken erheblich, abhängig vom Schnittzeitpunkt, der Pflanzengesellschaft und der Düngung. Folgende Richtwerte gelten für junges Weidegras (bezogen auf die Trockenmasse):
- Rohprotein: 15–25 % – junges Gras ist besonders proteinreich; mit zunehmendem Alter sinkt der Proteingehalt deutlich.
- Rohfaser: 18–28 % – steigt mit dem Reifegrad und ist entscheidend für die Verdauungsgesundheit von Pflanzenfressern.
- Rohfett: 3–5 % – Frischgras enthält vergleichsweise hohe Gehalte an Omega-3-Fettsäuren, insbesondere Alpha-Linolensäure.
- Zucker (leicht lösliche Kohlenhydrate): 5–15 % – der Fruktangehalt kann bei bestimmten Witterungsbedingungen stark ansteigen.
- Mineralstoffe: Kalium, Kalzium, Phosphor und Magnesium sind in relevanten Mengen enthalten. Der Natriumgehalt ist meist gering.
- Vitamine: Besonders reich an Beta-Carotin (Provitamin A), Vitamin E und Vitamin K. Auch B-Vitamine sind in höherer Konzentration vorhanden als in Heu.
Der Energiegehalt liegt bei jungem Gras bei etwa 6,0–6,8 MJ NEL pro Kilogramm Trockenmasse für Wiederkäuer. Überständiges Gras verliert sowohl an Energiedichte als auch an Proteingehalt, während der Rohfaseranteil zunimmt.
Für welche Tiere geeignet?
Frischgras ist für eine Vielzahl von Tierarten als Futtermittel geeignet, wobei es je nach Spezies unterschiedliche Funktionen in der Ernährung übernimmt:
- Pferde: Frischgras stellt für Pferde ein wertvolles Grundfutter dar. Bei Weidehaltung kann es als Alleinfuttermittel für den Erhaltungsbedarf ausreichen, sofern Mineralfutter ergänzt wird.
- Rinder: Milchkühe und Mastrinder decken über Frischgras einen erheblichen Teil ihres Energie- und Proteinbedarfs. In der Weidemast kann es als Hauptfutter dienen.
- Schafe und Ziegen: Beide Tierarten verwerten Frischgras hervorragend und nutzen es als natürliche Futtergrundlage während der Weideperiode.
- Kaninchen und Meerschweinchen: Frischgras ist ein hervorragendes Ergänzungsfuttermittel, das den Rohfaserbedarf unterstützt und für natürlichen Zahnabrieb sorgt.
- Geflügel: Hühner, Gänse und Enten nehmen Frischgras als Ergänzung auf. Besonders Gänse können erhebliche Mengen verwerten.
- Schildkröten: Europäische Landschildkröten profitieren von rohfaserreichem, überständigem Wiesengras als Teil einer artgerechten Ernährung.
Nicht geeignet ist Frischgras für reine Fleischfresser wie Katzen oder Frettchen, auch wenn sogenanntes Katzengras als Verdauungshilfe angeboten wird – dies dient nicht der Ernährung im eigentlichen Sinne.
Fütterungsempfehlung
Die Umstellung auf Frischgras sollte grundsätzlich langsam und schrittweise erfolgen, da die mikrobielle Flora im Verdauungstrakt Zeit benötigt, um sich an die veränderte Futterzusammensetzung anzupassen. Dies gilt besonders im Frühjahr nach der Winterfütterung mit Heu.
- Pferde: Die Anweidung sollte über mindestens zwei bis drei Wochen erfolgen. Beginn mit 15–30 Minuten Weidezeit täglich, dann schrittweise Steigerung. Ein ausgewachsenes Großpferd nimmt auf der Weide 40–80 kg Frischgras pro Tag auf.
- Rinder: Milchkühe können bei ganztägiger Weide 50–100 kg Frischgras täglich aufnehmen. Das Fütterungsintervall ergibt sich bei Portionsweide durch die tägliche Zuteilung neuer Weideflächen.
- Kaninchen: Die Futtermenge sollte langsam von einer kleinen Handvoll auf eine dem Körpervolumen entsprechende Portion gesteigert werden. Frischgras ersetzt nicht die ständige Heuvorlage.
Geschnittenes Frischgras sollte sofort verfüttert werden. Bereits nach wenigen Stunden beginnen Gärprozesse, die zu gesundheitsschädlichen Fehlgärungen im Verdauungstrakt führen können – besonders gefährlich bei Pferden (Kolikrisiko) und Kaninchen (Trommelsucht).
Vorteile & Nachteile
Vorteile:
- Hoher Gehalt an natürlichen Vitaminen, insbesondere Beta-Carotin und Vitamin E, die durch Konservierung teilweise verloren gehen.