Gammaeule
GTierart – Insekten > Schmetterlinge – Nachtfalter
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Autographa gamma
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Eulenfalter (Noctuidae)
- Unterfamilie: Plusiinae (Goldeulen)
- Gattung: Autographa
- Lebensraum: Offenlandschaften, Gärten, Kulturland, Ruderalflächen
- Flügelspannweite: 35–45 mm
- Gewicht: ca. 0,2–0,5 g
- Lebenserwartung: wenige Wochen als Falter; gesamter Lebenszyklus je nach Generation 6–10 Wochen
Aussehen & Merkmale
Die Gammaeule gehört zu den mittelgroßen Eulenfaltern und erreicht eine Flügelspannweite von 35 bis 45 Millimetern. Ihr auffälligstes Merkmal ist ein silbrig-weißes Zeichen auf der Mitte der Vorderflügel, das an den griechischen Buchstaben Gamma (γ) erinnert – daher der deutsche wie auch der wissenschaftliche Artname. Dieses Mal kann je nach Individuum leicht variieren, ist aber stets deutlich erkennbar und dient als sicheres Bestimmungsmerkmal gegenüber ähnlichen Arten der Unterfamilie Plusiinae.
Die Grundfärbung der Vorderflügel ist ein marmoriertes Graubraun mit violetten und ockerfarbenen Einmischungen. Dunklere und hellere Felder wechseln sich ab, was dem Falter in Ruhestellung auf Baumrinde oder trockener Vegetation eine hervorragende Tarnung verleiht. Die Hinterflügel sind deutlich heller, gelblich-braun mit einem dunklen Außenrand. Der Körper ist kräftig gebaut und dicht mit haarförmigen Schuppen bedeckt, die dem Falter ein pelziges Aussehen geben. Am Thorax trägt die Gammaeule einen charakteristischen Schuppenkamm.
Die Fühler sind fadenförmig und nicht gekämmt, was sie von manchen anderen Noctuidae-Arten unterscheidet. Die Augen sind groß und dunkel, typisch für überwiegend dämmerungs- und nachtaktive Schmetterlinge. Der Saugrüssel ist lang und voll funktionsfähig – ein Merkmal, das nicht bei allen Eulenfaltern selbstverständlich ist.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gammaeule erstreckt sich über die gesamte Paläarktis: von Westeuropa und Nordafrika über den Mittelmeerraum und Zentralasien bis nach Ostsibirien. In Europa zählt sie zu den häufigsten Nachtfaltern überhaupt. Als ausgesprochener Wanderfalter besiedelt sie im Frühjahr und Sommer auch Regionen, in denen sie den Winter nicht überdauern kann, darunter Skandinavien, Island und Teile Großbritanniens.
Das bevorzugte Habitat der Gammaeule ist vielfältig. Sie besiedelt offene und halboffene Landschaften wie Wiesen, Ackerland, Brachflächen, Gärten, Parkanlagen und Ruderalstandorte. Auch in Höhenlagen bis über 2.000 Meter wird sie regelmäßig beobachtet. Da die Raupen an einer Vielzahl krautiger Pflanzen fressen, ist die Art kaum auf ein bestimmtes Biotop angewiesen. Diese ökologische Flexibilität erklärt ihre weite Verbreitung.
Ernährung
Die erwachsenen Falter ernähren sich von Nektar, den sie mit ihrem langen Saugrüssel aus Blüten verschiedener Pflanzen aufnehmen. Bevorzugt werden dabei röhrenförmige Blüten von Schmetterlingsblütlern, Lippenblütlern und Nelkengewächsen. Die Gammaeule besucht Blüten sowohl in der Dämmerung als auch tagsüber, was sie von vielen anderen Eulenfaltern unterscheidet.
Die Raupen sind polyphag und fressen an weit über 200 Pflanzenarten. Zu den bevorzugten Futterpflanzen zählen Brennnessel, Klee, Luzerne, Salat, Kohl, Rüben, Erbsen und zahlreiche weitere Kultur- und Wildpflanzen. In Jahren mit besonders starken Einwanderungswellen und hoher Populationsdichte kann die Art als Schädling in der Landwirtschaft auftreten. Besonders Zuckerrüben-, Erbsen- und Gemüsefelder sind dann betroffen.
Verhalten & Lebensweise
Die Gammaeule ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, fliegt aber regelmäßig auch tagsüber – vor allem bei warmem, sonnigem Wetter. Der Flug ist schnell und wendig; häufig lässt sich ein charakteristischer Schwirrflug vor Blüten beobachten, der an Taubenschwänzchen erinnert.
Das herausragende Verhaltensmerkmal der Art ist ihre Wanderflugaktivität. Im Frühjahr ziehen Millionen von Gammaeulen aus den Überwinterungsgebieten im Mittelmeerraum und Nordafrika nach Norden. Diese Wanderflüge finden in großen Schwärmen statt, teilweise in Höhen von über 1.000 Metern, und werden durch Radarstudien gut dokumentiert. Im Herbst erfolgt eine Rückwanderung der Nachfolgegeneration in südliche Regionen. Die Tiere legen dabei Strecken von mehreren tausend Kilometern zurück. In Mitteleuropa kann die Gammaeule den Winter in der Regel nicht überstehen, sodass die alljährliche Besiedlung auf Zuwanderung angewiesen ist.
Künstliche Lichtquellen ziehen die Art stark an. An Leuchttürmen, beleuchteten Gebäuden und bei Lichtfängen entomologischer Kartierungen gehört die Gammaeule regelmäßig zu den häufigsten Arten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Nach der Einwanderung im Frühjahr beginnen die Weibchen rasch mit der Eiablage. Die Eier werden einzeln oder in kleinen Gruppen an die Unterseite von Blättern geeigneter Futterpflanzen geheftet. Ein Weibchen kann im Laufe seines Lebens mehrere Hundert Eier ablegen.
Die Raupen schlüpfen nach etwa einer Woche und durchlaufen fünf Larvenstadien. Sie sind grün gefärbt mit feinen weißen Längslinien und besitzen – typisch für die Plusiinae – nur zwei Paar Bauchfüße statt der