Geflügelmehl
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Definition & Überblick
Geflügelmehl ist ein tierisches Futtermittel, das durch Trocknung und Vermahlung von Schlachtnebenprodukten des Geflügels gewonnen wird. Dazu zählen unter anderem Fleisch, Haut, Knochen und Innereien von Hühnern, Puten, Enten oder Gänsen – ausdrücklich jedoch keine Federn, Füße, Schnäbel oder Darminhalt, sofern es sich um qualitativ hochwertiges Geflügelmehl handelt. Das Ausgangsmaterial wird bei hohen Temperaturen erhitzt (sogenanntes Rendering), entfettet, getrocknet und anschließend zu einem feinen, rieselfähigen Mehl vermahlen.
Geflügelmehl dient als konzentrierte Proteinquelle und findet vor allem in der Herstellung von Hunde- und Katzenfutter breite Anwendung, wird aber auch in der Fischfütterung, in der Reptilienhaltung und teilweise in der Nutztierfütterung eingesetzt. Es ist klar von frischem Geflügelfleisch zu unterscheiden: Während frisches Fleisch einen Wasseranteil von rund 70 % aufweist, liegt der Feuchtigkeitsgehalt von Geflügelmehl bei etwa 5–8 %. Dadurch ist der tatsächliche Proteinanteil pro Gewichtseinheit bei Geflügelmehl deutlich höher als bei der Angabe „Frischfleisch" auf Deklarationen.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Geflügelmehl zeichnet sich durch ein nährstoffreiches Profil aus. Die genauen Werte variieren je nach Ausgangsmaterial und Verarbeitungsqualität, bewegen sich aber typischerweise in folgenden Bereichen:
- Rohprotein: 58–68 % – hochwertiges Geflügelmehl liefert ein breites Spektrum essenzieller Aminosäuren, darunter Lysin, Methionin und Threonin.
- Rohfett: 10–16 % – der Fettanteil liefert Energie und fettlösliche Vitamine.
- Rohasche: 12–20 % – ein Indikator für den Mineralstoffgehalt, wobei hohe Werte auf einen größeren Knochenanteil hinweisen.
- Rohfaser: unter 1 % – Geflügelmehl ist nahezu faserfrei.
- Feuchtigkeit: 5–8 %
- Mineralstoffe: Calcium, Phosphor, Magnesium, Zink, Eisen und Selen sind in relevanten Mengen enthalten. Das Calcium-Phosphor-Verhältnis liegt je nach Knochenanteil zwischen 1,5:1 und 2,5:1.
- Vitamine: B-Vitamine (insbesondere B12, Niacin, Riboflavin) sowie geringe Mengen an Vitamin A und D.
Die biologische Wertigkeit des Proteins in Geflügelmehl ist hoch, da das Aminosäureprofil dem Bedarf von Fleischfressern und Allesfressern gut entspricht. Die Verdaulichkeit liegt bei hochwertigen Chargen zwischen 80 und 90 %.
Für welche Tiere geeignet?
- Hunde: Geflügelmehl ist eine der am häufigsten verwendeten tierischen Proteinquellen in Trocken- und Nassfutter. Es eignet sich sowohl für adulte Hunde als auch für Welpen und Senioren – vorausgesetzt, es liegt keine Geflügelallergie vor.
- Katzen: Als obligate Karnivoren profitieren Katzen besonders vom hohen Proteingehalt und der guten Aminosäurenzusammensetzung. Geflügelmehl findet sich in zahlreichen Alleinfuttermitteln für Katzen.
- Frettchen: Aufgrund ihres hohen Proteinbedarfs ist Geflügelmehl eine geeignete Basiskomponente in Frettchenfutter.
- Fische: In der Aquakultur und bei Zierfischen wird Geflügelmehl als teilweiser Ersatz für Fischmehl eingesetzt, insbesondere bei karnivoren Arten.
- Reptilien: Für fleischfressende Reptilien kann Geflügelmehl in speziellen Futtermischungen enthalten sein.
Nicht geeignet ist Geflügelmehl für reine Pflanzenfresser wie Kaninchen, Meerschweinchen oder Pferde. In der EU ist die Verfütterung von tierischem Protein an Wiederkäuer gesetzlich untersagt.
Fütterungsempfehlung
Geflügelmehl wird in der Regel nicht pur verfüttert, sondern ist Bestandteil zusammengesetzter Futtermittel. In der Zusammenstellung einer Futterration – sei es bei kommerziellem Fertigfutter oder beim Barfen – gelten folgende Orientierungswerte:
- Hunde und Katzen (Fertigfutter): Geflügelmehl kann 20–40 % der Gesamtrezeptur ausmachen. Die tägliche Futtermenge richtet sich nach Körpergewicht, Alter, Aktivitätslevel und Gesundheitszustand des Tieres. Die Herstellerangaben auf dem jeweiligen Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel sollten als Ausgangswert dienen.
- Selbst zusammengestellte Rationen: Wer Geflügelmehl als Ergänzungsfuttermittel in selbst gemischtes Futter integriert, sollte maximal 10–15 % der Trockenmasse damit abdecken und den Gesamtproteingehalt der Ration im Blick behalten. Eine Überversorgung mit Protein und Mineralstoffen – insbesondere Phosphor – ist zu vermeiden.
- Fütterungsintervall: Geflügelmehl kann bei jeder Mahlzeit als fester Bestandteil enthalten sein, da es keine besonderen Einschränkungen hinsichtlich der Fütterungshäufigkeit gibt.
Bei Tieren mit Nierenproblemen sollte die Proteinzufuhr mit einem Tierarzt abgestimmt werden, da ein übermäßig hoher Proteingehalt die Nieren zusätzlich belasten kann.
Vorteile & Nachteile
Vorteile:
- Sehr hoher Proteingehalt mit guter biologischer Wertigkeit
- Konzentrierte Nährstoffdichte durch geringen Wassergehalt
- Gute Aminosäurenzusammensetzung – deckt den Bedarf an