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Gerste

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Futter & Ernährung > Futtermittel – pflanzlich

Definition & Überblick

Gerste (Hordeum vulgare) gehört zu den ältesten Kulturgetreidearten der Welt und zählt in der Tierernährung zu den wichtigsten pflanzlichen Futtermitteln. Als Einzelfuttermittel wird sie in der Nutztierhaltung seit Jahrtausenden eingesetzt – insbesondere in der Fütterung von Pferden, Schweinen und Geflügel. Gerste ist ein stärkereicher Energielieferant, der sich durch seine vergleichsweise gute Verträglichkeit und vielseitige Einsetzbarkeit auszeichnet.

In der Tierfütterung kommt vorwiegend Futtergerste zum Einsatz, die sich von der Braugerste durch einen höheren Proteingehalt und geringere Anforderungen an die Kornqualität unterscheidet. Verfügbar ist Gerste als ganzes Korn, geschrotet, gequetscht, geflockt oder als Bestandteil von Mischfuttermitteln. Sie wird nicht als Alleinfuttermittel, sondern als Ergänzungsfuttermittel oder Komponente einer ausgewogenen Futterration verwendet.

Zusammensetzung & Inhaltsstoffe

Gerste weist ein ausgewogenes Nährstoffprofil auf, das sie als Energieträger in der Tierernährung besonders wertvoll macht. Die Zusammensetzung variiert je nach Sorte, Anbaubedingungen und Verarbeitung. Durchschnittliche Werte pro 100 g Trockensubstanz:

  • Stärke: 52–58 g – Hauptenergielieferant, gut verdaulich
  • Rohprotein (Protein): 10–13 g – moderate Proteinquelle mit begrenztem Lysingehalt
  • Rohfett (Fett): 2–3 g – niedriger Fettgehalt
  • Rohfaser: 4–6 g – höher als bei Weizen oder Mais, bedingt durch die Spelzen
  • Mineralstoffe: Phosphor (ca. 3,5 g/kg), Kalium, Magnesium; arm an Calcium und Natrium
  • Vitamine: B-Vitamine (insbesondere Thiamin, Niacin), geringer Gehalt an fettlöslichen Vitaminen
  • Umsetzbare Energie: ca. 12,0–13,0 MJ ME/kg (Schwein), ca. 11,5 MJ DE/kg (Pferd)

Ein Besonderheit der Gerste ist ihr hoher Gehalt an Beta-Glucanen – löslichen Fasern, die die Verdauung beeinflussen und bei manchen Tierarten die Darmgesundheit fördern, bei anderen jedoch die Nährstoffverfügbarkeit verringern können. Der Spelzenanteil beeinflusst den Rohfasergehalt erheblich: Nacktgerste (spelzenfrei) weist deutlich niedrigere Rohfaserwerte und eine höhere Energiedichte auf.

Für welche Tiere geeignet?

  • Pferde: Gerste ist ein klassisches Pferdefutter und liefert gut verdauliche Energie. Sie eignet sich besonders für Pferde mit erhöhtem Energiebedarf (Sport, Zucht, Wachstum). Gegenüber Hafer enthält sie mehr Stärke, weshalb sie vorsichtiger dosiert werden muss.
  • Schweine: In der Schweinemast und Sauenfütterung ist Gerste ein Standardfuttermittel. Ihr Stärke-Rohfaser-Verhältnis unterstützt eine gute Mastleistung und Fettqualität. Gerstemast erzeugt ein festeres Schweinefett als Maismast.
  • Geflügel: Für Hühner, Enten und Gänse geeignet, allerdings kann der hohe Beta-Glucan-Gehalt bei Jungtieren zu klebrigem Kot und verminderter Nährstoffaufnahme führen. Der Einsatz von Enzymzusätzen (Beta-Glucanasen) schafft hier Abhilfe.
  • Rinder: In der Rindermast und Milchviehfütterung wird Gerste als Kraftfutterkomponente eingesetzt. Sie sollte stets geschrotet oder gequetscht verfüttert werden, da ganze Körner den Pansen unverarbeitet passieren können.
  • Schafe und Ziegen: In begrenzten Mengen als Kraftfutterzulage einsetzbar, vor allem bei Hochleistungstieren oder in der Laktation.
  • Kaninchen und Nager: Nur in sehr geringen Mengen geeignet, da der hohe Stärkegehalt die empfindliche Darmflora belasten kann.

Für Hunde und Katzen spielt Gerste als Einzelfuttermittel eine untergeordnete Rolle, findet sich jedoch in einigen Fertigfuttermitteln als Kohlenhydratquelle wieder.

Fütterungsempfehlung

Gerste sollte nie als alleinige Futtergrundlage dienen, sondern stets als Bestandteil einer bedarfsgerecht zusammengestellten Futterration. Die empfohlene Futtermenge hängt von Tierart, Leistungsniveau und den übrigen Rationskomponenten ab:

  • Pferde: Maximal 0,5 g Stärke pro kg Körpergewicht und Mahlzeit. Für ein 600-kg-Pferd entspricht das etwa 500–600 g Gerste pro Fütterungsintervall. Immer gequetscht oder geflockt anbieten – ganzes Korn wird unzureichend zerkaut. Auf mindestens 2–3 Mahlzeiten täglich aufteilen.
  • Schweine: Gerste kann 40–70 % der Gesamtration im Kraftfutter ausmachen. Schroten auf 1,0–1,5 mm Partikelgröße optimiert die Verdaulichkeit.
  • Geflügel: Anteil von 20–40 % in der Futtermischung, bei Jungtieren unter 20 % halten. Feines Schroten oder Einsatz von NSP-Enzymen verbessert die Futterverwertung.
  • Rinder: 20–50 % der Kraftfuttermenge. Stets in gequetschter oder geschroteter Form, um Pansenazidose vorzubeugen. Langsame Anfütterung über 10–14 Tage bei Rationsumstellungen.

Grundsätzlich gilt: Jede Futterumstellung sollte schrittweise über mehrere