Gibbon
GTierart – Säugetiere > Primaten
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Hylobatidae (Familie)
- Ordnung: Primaten (Primates)
- Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
- Familie: Gibbons (Hylobatidae), auch Kleine Menschenaffen genannt
- Gattungen: Hylobates, Hoolock, Nomascus, Symphalangus
- Lebensraum: Tropische und subtropische Regenwälder Südostasiens
- Größe: 45–90 cm (je nach Art)
- Gewicht: 5–13 kg; Siamangs bis etwa 14 kg
- Lebenserwartung: 25–35 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis über 40 Jahre
Aussehen & Merkmale
Gibbons sind schlanke, leichtgebaute Primaten mit auffällig langen Armen, die eine Spannweite von bis zu 1,80 Metern erreichen können – deutlich mehr als die Körperlänge. Der Kopf ist rundlich, das Gesicht weitgehend unbehaart und von einem oft kontrastreich gefärbten Fellkranz umgeben. Die Augen stehen frontal, was ein gutes räumliches Sehen ermöglicht – eine entscheidende Voraussetzung für die Fortbewegung im Kronendach.
Das Fell ist dicht und weich. Die Färbung variiert je nach Art und Geschlecht erheblich: Sie reicht von Schwarz über verschiedene Brauntöne bis hin zu Blond und Grau. Beim Weißhandgibbon (Hylobates lar) etwa kommen helle und dunkle Farbmorphen innerhalb derselben Population vor. Beim Schopfgibbon (Nomascus) unterscheiden sich die Geschlechter deutlich – Männchen sind überwiegend schwarz, Weibchen goldbraun. Der Siamang (Symphalangus syndactylus), die größte Gibbonart, besitzt einen aufblasbaren Kehlsack, der als Resonanzkörper bei der Lautgebung dient.
Im Gegensatz zu den Großen Menschenaffen (Gorilla, Schimpanse, Orang-Utan) besitzen Gibbons keine Schwanzreste. Ihre Gesäßschwielen – verhornte Sitzflächen an den Sitzknochen – sind dagegen ein Merkmal, das sie mit den Altweltaffen teilen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gibbons erstreckt sich über Südostasien, von Nordostindien und Südchina über die Malaiische Halbinsel bis nach Borneo, Sumatra und Java. Ihr Habitat sind vorwiegend immergrüne tropische Regenwälder, wobei einige Arten auch in Monsunwäldern, Bergwäldern und halblaubabwerfenden Wäldern vorkommen. Gibbons leben fast ausschließlich im oberen Kronendach in Höhen von 25 bis 40 Metern und gehören zu den am stärksten an das Baumleben angepassten Primaten überhaupt.
Jede Gibbonart besiedelt ein begrenztes geographisches Areal. Der Lar-Gibbon bewohnt Teile Thailands, Malaysias und Sumatras; der Hoolock-Gibbon (Hoolock hoolock) ist in Nordostindien, Myanmar und Bangladesch verbreitet. Die Gattung Nomascus kommt in Vietnam, Laos, Kambodscha und Südchina vor. Geografische Barrieren wie Flüsse haben bei der Artbildung eine wesentliche Rolle gespielt.
Ernährung
Gibbons sind überwiegend Frugivoren. Reife Früchte machen je nach Art und Jahreszeit 50 bis 75 Prozent der Nahrung aus. Ergänzt wird der Speiseplan durch junge Blätter, Blüten, Knospen und wirbellose Tiere wie Insekten und Spinnen. Gelegentlich fressen Gibbons auch Vogeleier. Der Siamang nimmt im Vergleich zu den kleineren Gibbonarten einen höheren Blattanteil zu sich, was mit seiner größeren Körpermasse und dem damit verbundenen Energiebedarf zusammenhängt.
Durch ihre Ernährungsweise tragen Gibbons zur Samenverbreitung bei und erfüllen damit eine ökologische Funktion innerhalb ihres Biotops. Sie bevorzugen weiche, zuckerreiche Früchte und legen auf der Suche nach Nahrung täglich Strecken von etwa 1,5 Kilometern im Kronendach zurück.
Verhalten & Lebensweise
Gibbons sind tagaktiv. Ihre Aktivitätsphase beginnt kurz nach Sonnenaufgang und endet am frühen Nachmittag. Die Nacht verbringen sie schlafend in den Baumkronen, meist auf starken Ästen in aufrechter Sitzposition.
Die typische Fortbewegungsweise ist die Brachiation – das Hangeln und Schwingen von Ast zu Ast mithilfe der langen Arme. Gibbons erreichen dabei Geschwindigkeiten von bis zu 55 km/h und überwinden Distanzen von zehn Metern und mehr in einem einzigen Schwung. Am Boden bewegen sie sich gelegentlich bipedal fort, wobei sie die Arme zur Balance seitlich ausgestreckt halten.
Gibbons leben in monogamen Paaren, die gemeinsam mit ihrem Nachwuchs ein festes Revier bewohnen. Dieses Territorium wird durch morgendliche Duettgesänge markiert und verteidigt. Die Gesänge sind artspezifisch, komplex aufgebaut und weithin hörbar – sie tragen über Distanzen von mehr als einem Kilometer. Männchen und Weibchen singen dabei unterschiedliche, aufeinander abgestimmte Strophen. Diese Duette dienen sowohl der Reviermarkierung als auch der Paarbindung. Bei manchen Arten singen auch subadulte Tiere eigene Gesangspartien.
Fortpflanzung & Aufzucht
Gibbons pflanzen sich relativ langsam fort. Die Tragzeit beträgt etwa sieben Monate. Pro Wurf wird in der Regel ein einzelnes Jungtier geboren. Zwillingsgeburten sind extrem selten. Das Jungtier klammert sich zunächst am Bauchfell der Mutter fest und wird etwa zwei Jahre lang gesäugt. Die Entwöhnung erfolgt schrittweise, und die Jungtiere bleiben bis zur Geschlechtsreife – die mit sechs bis acht Jahren eintritt – in der Familiengruppe.
Das Geburtsintervall liegt bei zwei bis drei Jahren. Die geringe Reproduktionsrate macht