Glattschnabelara
GTierart – Vögel > Papageien
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Anodorhynchus glaucus
- Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
- Familie: Eigentliche Papageien (Psittacidae)
- Gattung: Blauaras (Anodorhynchus)
- Lebensraum: Galeriewälder und Palmenhaine entlang von Flüssen im südlichen Südamerika
- Größe: ca. 70–72 cm Körperlänge
- Gewicht: geschätzt 250–400 g (keine gesicherten Daten lebender Exemplare)
- Lebenserwartung: vermutlich 30–50 Jahre (abgeleitet von verwandten Arten)
- Schutzstatus (IUCN): Vom Aussterben bedroht (Critically Endangered) – möglicherweise bereits ausgestorben
Aussehen & Merkmale
Der Glattschnabelara war ein mittelgroßer Vertreter der Gattung Anodorhynchus und damit ein naher Verwandter des Hyazintharas (Anodorhynchus hyacinthinus) sowie des Learas (Anodorhynchus leari). Das Gefieder wurde von Zeitzeugen und anhand weniger erhaltener Bälge als überwiegend blassblau bis grünlich-blau beschrieben, mit einem deutlichen Graustich, der ihn von seinen intensiver gefärbten Verwandten unterschied. Die Unterseite des Gefieders wies einen leicht grünlichen bis olivfarbenen Ton auf. Der Kopf war etwas heller gefärbt als der restliche Körper.
Namensgebendes Merkmal war der vergleichsweise glatte, weniger stark skulpturierte Oberschnabel. Wie bei allen Vertretern der Gattung war der Schnabel kräftig und dunkelgrau bis schwarz gefärbt, jedoch fehlten die bei anderen Anodorhynchus-Arten ausgeprägten Rillen und Furchen weitgehend. Die unbefiederte Haut an der Schnabelbasis und um die Augen war gelb, ähnlich wie beim Hyazinthara, jedoch in geringerem Umfang. Der lange, spitz zulaufende Schwanz entsprach der typischen Ara-Morphologie. Die Beine waren dunkelgrau, die Zehen als Kletterfüße (Zygodaktylie) ausgebildet – zwei Zehen nach vorn, zwei nach hinten gerichtet.
Lebensraum & Verbreitung
Das historische Verbreitungsgebiet des Glattschnabelaras erstreckte sich über Teile des südlichen Südamerikas. Es umfasste den Süden Brasiliens (insbesondere die Bundesstaaten Rio Grande do Sul und Paraná), den Nordosten Argentiniens (Provinzen Corrientes und Entre Ríos), Uruguay sowie den Südosten Paraguays. Dieses Areal deckt sich weitgehend mit dem natürlichen Vorkommen der Yatay-Palme (Butia yatay), die als bevorzugter Lebensraum und vermutlich zentrale Nahrungsquelle der Art galt.
Das Habitat bestand vorwiegend aus subtropischen Galeriewäldern entlang von Flussläufen und offenen Savannenlandschaften mit Palmenbeständen. Besonders die Uferzonen des Río Uruguay und des Río Paraná mit ihren ausgedehnten Palmhainen bildeten das Kernbiotop dieser Art. Die Umwandlung dieser Lebensräume in landwirtschaftliche Nutzflächen ab dem 18. Jahrhundert führte zu einem drastischen Verlust geeigneter Habitate.
Ernährung
Gesicherte Daten zur Ernährung des Glattschnabelaras sind spärlich, da die Art bereits verschwand, bevor systematische Studien durchgeführt werden konnten. Aus Analogieschlüssen zu den verwandten Arten der Gattung Anodorhynchus und aus historischen Berichten lässt sich ableiten, dass die Nüsse und Früchte von Palmen die Hauptnahrung bildeten. Insbesondere die Früchte der Yatay-Palme dürften eine zentrale Rolle gespielt haben. Der kräftige Schnabel war bestens geeignet, die harten Schalen der Palmfrüchte aufzubrechen, um an den fetthaltigen Kern zu gelangen. Daneben kamen vermutlich weitere Samen, Nüsse und pflanzliche Bestandteile als Nahrung in Frage.
Verhalten & Lebensweise
Über das Verhalten des Glattschnabelaras ist aufgrund der frühen Dezimierung der Bestände nur wenig überliefert. Wie andere große Aras dürfte er tagaktiv gewesen sein und in kleinen Gruppen oder Paaren gelebt haben. Historische Berichte aus dem 18. und 19. Jahrhundert erwähnen gelegentlich kleinere Schwärme, die in Palmhainen nach Nahrung suchten. Die Fortbewegung erfolgte sowohl fliegend als auch kletternd im Geäst. Große Aras sind in der Regel standorttreu und verteidigen kein ausgeprägtes Revier, nutzen aber feste Schlafbäume und Nahrungsgebiete, die sie regelmäßig aufsuchen. Ein solches Muster ist auch für den Glattschnabelara anzunehmen.
Die Kommunikation dürfte wie bei verwandten Arten aus lauten, krächzenden Rufen bestanden haben, die über weite Distanzen hörbar waren und dem Zusammenhalt der Gruppe dienten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Zur Fortpflanzungsbiologie des Glattschnabelaras existieren keine direkten Beobachtungen. Anhand des bekannten Verhaltens der eng verwandten Hyazinth- und Learaas lassen sich jedoch plausible Rückschlüsse ziehen. Die Aras dürften monogame Paarbindungen eingegangen sein, die über viele Jahre oder lebenslang Bestand hatten. Eine Balz mit gegenseitiger Gefiederpflege und Fütterungen zwischen den Partnern ist wahrscheinlich. Als Nistplätze kamen vermutlich Baumhöhlen in großen, abgestorbenen Palmen oder Felsnischen in Flusssteilufern in Frage. Das Gelege umfasste bei verwandten Arten ein bis zwei Eier, die Brutdauer lag bei etwa 26–28 Tagen. Die Jungvögel wurden über mehrere Monate von beiden Elternteilen gefüttert und blieben auch nach dem Ausfliegen noch längere Zeit in deren Nähe.
Bedrohung & Schutzstatus
Der Glattschnabelara gilt als eine der seltensten Vogelarten der Welt