Grassilage
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Definition & Überblick
Grassilage ist ein durch Milchsäuregärung konserviertes Grundfuttermittel, das aus frischem Gras oder Grünlandaufwuchs gewonnen wird. Beim Siliervorgang wird das angewelkte Erntegut unter Luftabschluss in Silos, Fahrsilos oder Rundballen gepresst, wo Milchsäurebakterien den enthaltenen Zucker in Milchsäure umwandeln. Der damit verbundene pH-Wert-Abfall auf etwa 3,8 bis 4,5 konserviert das Futter und macht es über Monate bis Jahre haltbar. Grassilage zählt in der mitteleuropäischen Tierhaltung zu den wichtigsten Grundfuttermitteln und bildet – insbesondere in den Wintermonaten – häufig die Basis der täglichen Futterration für Wiederkäuer.
Im Gegensatz zu Heu, bei dem die Konservierung über Trocknung erfolgt, behält Grassilage einen deutlich höheren Feuchtigkeitsgehalt von meist 55 bis 75 Prozent. Dadurch gehen weniger Nährstoffe durch Bröckelverluste und Sonneneinstrahlung verloren, was Grassilage in vielen Betrieben zum bevorzugten Raufutter macht.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Die Nährstoffzusammensetzung von Grassilage variiert stark – je nach Pflanzenbestand, Schnittzeitpunkt, Düngung und Siliermanagement. Als Richtwerte für eine gut vergorene Grassilage vom ersten Schnitt gelten:
- Trockensubstanz (TS): 25–45 %
- Rohprotein: 130–180 g/kg TS
- Rohfaser: 220–280 g/kg TS
- Rohfett: 30–45 g/kg TS
- Rohasche: 80–110 g/kg TS
- Energiegehalt (NEL): 5,8–6,5 MJ/kg TS (bei frühem Schnitt)
Grassilage liefert neben den Hauptnährstoffen Protein und Rohfaser auch relevante Mengen an Mineralstoffen wie Kalium, Calcium und Phosphor. Der Gehalt an Vitaminen – insbesondere Betacarotin (Provitamin A) und Vitamin E – ist bei sachgerechter Silierung höher als in Heu, da die lichtgeschützte Konservierung den Vitaminabbau reduziert. Spätere Schnitte weisen typischerweise höhere Rohfasergehalte und niedrigere Proteinwerte auf, was die Energiekonzentration senkt.
Für welche Tiere geeignet?
Grassilage ist in erster Linie ein Futtermittel für Wiederkäuer. Ihre Haupteinsatzgebiete:
- Milchkühe: Grassilage bildet oft das Rückgrat der Grundfutterration und wird mit Maissilage und Kraftfutter kombiniert. Sie ist kein Alleinfuttermittel für Hochleistungskühe, da deren Energiebedarf allein über Grassilage meist nicht gedeckt werden kann.
- Mutterkühe und Mastrinder: Besonders extensiv gehaltene Rinder können mit qualitativ hochwertiger Grassilage bedarfsgerecht versorgt werden, wobei je nach Leistungsniveau eine Ergänzung mit Mineralfutter nötig ist.
- Schafe und Ziegen: Grassilage eignet sich grundsätzlich gut, sollte aber zwingend als Ballensilage mit einwandfreier Qualität verfüttert werden. Schafe und Ziegen reagieren empfindlicher auf Fehlgärungen und Listerienbelastung als Rinder.
- Pferde: Grassilage wird kontrovers diskutiert. Während gut vergorene, trockene Silage (über 50 % TS) durchaus verfüttert wird, vertragen viele Pferde die enthaltenen Gärprodukte schlecht. Nassere Silagen mit hohem Säuregehalt sollten Pferden grundsätzlich nicht angeboten werden.
Für Geflügel, Schweine und Heimtiere spielt Grassilage in der Praxis keine relevante Rolle, da deren Verdauungssystem nicht auf die Verwertung faserreicher, fermentierter Futtermittel ausgelegt ist.
Fütterungsempfehlung
Die tägliche Futtermenge richtet sich nach Tierart, Leistungsniveau und Ergänzungsfütterung. Orientierungswerte:
- Milchkühe: 25–45 kg Frischmasse pro Tag, abhängig vom Trockensubstanzgehalt und dem Anteil weiterer Grundfuttermittel in der Ration
- Mastrinder: 15–30 kg Frischmasse pro Tag
- Schafe: 3–6 kg Frischmasse pro Tag
- Ziegen: 3–5 kg Frischmasse pro Tag
Grassilage sollte täglich frisch vorgelegt werden. Das Fütterungsintervall beträgt bei Kühen idealerweise ein- bis zweimal täglich, wobei eine Vorlage über den Futtertisch mit anschließendem Nachschieben die Futteraufnahme steigert. Als reines Grundfutter stellt Grassilage ein Ergänzungsfuttermittel dar: Die gezielte Ergänzung mit Mineralfutter, Kraftfutter oder weiteren Raufutterkomponenten ist in den meisten Fütterungsstrategien unverzichtbar, um alle Nährstoffansprüche abzudecken.
Vorteile & Nachteile
Vorteile:
- Geringere Witterungsabhängigkeit bei der Ernte im Vergleich zu Heu – bereits nach kurzer Anwelkzeit kann siliert werden
- Höherer Nährstofferhalt, insbesondere bei Protein und Vitaminen
- Gute Schmackhaftigkeit bei korrekter Vergärung fördert eine hohe Futteraufnahme
- Flexibler Einsatz in Mischration (TMR) oder als alleiniges Grundfutter
- Mehrere Schnitte pro Jahr ermöglichen eine effiziente Grünlandnutzung
Nachteile:
- Hoher technischer Aufwand bei der Herstellung (Siliertechnik, Verdichtung,