Großes Nachtpfauenauge
GTierart – Insekten > Schmetterlinge – Nachtfalter
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Saturnia pyri
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Pfauenspinner (Saturniidae)
- Gattung: Saturnia
- Lebensraum: Lichte Laubwälder, Streuobstwiesen, Parks, warme Hänge
- Flügelspannweite: 100–160 mm (größter europäischer Schmetterling)
- Gewicht: ca. 3–8 g (Weibchen schwerer als Männchen)
- Lebenserwartung Imago: ca. 1–2 Wochen
- Lebenserwartung gesamt: ca. 1 Jahr (einschließlich Larval- und Puppenstadium)
Aussehen & Merkmale
Das Große Nachtpfauenauge ist der größte in Europa heimische Schmetterling. Seine Flügelspannweite kann bis zu 16 Zentimeter betragen, wobei Weibchen in der Regel deutlich größer und massiger gebaut sind als Männchen. Die Grundfärbung der Flügel variiert zwischen verschiedenen Braun-, Grau- und Ockertönen und zeigt eine komplexe Musterung aus hellen und dunklen Bändern. Charakteristisch sind die vier großen Augenflecken – je einer auf Vorder- und Hinterflügel beider Seiten. Diese Ocelli bestehen aus konzentrischen Ringen in Schwarz, Weiß, Rotbraun und Blau und imitieren die Augen eines größeren Tieres, was der Abschreckung von Fressfeinden dient.
Der Körper ist kräftig gebaut und dicht mit pelzartigen Schuppen bedeckt, die der Thermoregulation dienen. Die Männchen besitzen stark gefiederte, kammartige Antennen, mit denen sie Pheromone des Weibchens über große Distanzen wahrnehmen können. Die Antennen der Weibchen sind deutlich schmaler und fadenförmig. Die Rüssel der Imagines sind verkümmert und funktionslos – ein Merkmal, das die gesamte Familie der Pfauenspinner kennzeichnet.
Die Raupen durchlaufen fünf Larvenstadien und erreichen eine Länge von bis zu 12 Zentimetern. Im letzten Stadium sind sie leuchtend grün gefärbt und tragen auf jedem Segment blaue, mit kurzen Borsten besetzte Warzen (Scoli). Diese auffällige Färbung signalisiert potenziellen Fressfeinden eine gewisse Ungenießbarkeit.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Saturnia pyri erstreckt sich über weite Teile Süd- und Mitteleuropas, Kleinasien, den Nahen Osten und Nordafrika. In Europa reicht das Areal von der Iberischen Halbinsel über Südfrankreich, Italien, den Balkan und Südosteuropa bis in die Kaukasusregion. In Mitteleuropa liegt die nördliche Verbreitungsgrenze ungefähr auf Höhe des südlichen Deutschlands und Österreichs. Historisch war die Art auch in wärmebegünstigten Lagen der Oberrheinebene und des Rheintals verbreitet, ist dort aber seit Jahrzehnten stark zurückgegangen oder ganz verschwunden.
Das bevorzugte Habitat umfasst warme, offene bis halboffene Landschaften. Streuobstwiesen stellen eines der wichtigsten Biotope dar, da sie sowohl geeignete Nahrungspflanzen für die Raupen als auch geschützte Verpuppungsplätze bieten. Daneben besiedelt die Art lichte Laubwälder, Waldränder, Heckenlandschaften, Weinberge und naturnahe Gärten. Entscheidend ist das Vorhandensein von Laubbäumen aus der Familie der Rosengewächse sowie ein warmes, mäßig trockenes Mikroklima.
Ernährung
Die ausgewachsenen Falter nehmen keine Nahrung zu sich. Ihr Rüssel ist vollständig zurückgebildet, sodass sie weder Nektar noch andere Flüssigkeiten aufnehmen können. Die Imagines zehren ausschließlich von den Fettreserven, die während des Raupenstadiums angelegt wurden. Dies erklärt die kurze Lebensdauer der erwachsenen Tiere von nur ein bis zwei Wochen.
Die Raupen ernähren sich polyphag von den Blättern verschiedener Laubbäume und Sträucher. Bevorzugte Futterpflanzen sind Obstbäume wie Kirsche, Pflaume, Apfel und Birne sowie Schlehe, Mandel und Walnuss. Auch Eschen und Ulmen werden gelegentlich befressen. In den ersten Larvenstadien fressen die Raupen gesellig, vereinzeln sich jedoch mit zunehmendem Alter und wachsendem Nahrungsbedarf.
Verhalten & Lebensweise
Das Große Nachtpfauenauge ist streng nachtaktiv. Die Falter fliegen in den späten Abend- und Nachtstunden, wobei die Hauptflugzeit in Mitteleuropa von Ende April bis Anfang Juni liegt. Pro Jahr wird nur eine Generation ausgebildet (univoltin). Tagsüber ruhen die Tiere mit ausgebreiteten Flügeln an Baumstämmen, Mauern oder ähnlichen Strukturen, wo ihre Tarnfärbung sie gut vor Fressfeinden verbirgt.
Männchen sind ausgesprochen flugaktiv und legen auf der Suche nach paarungsbereiten Weibchen weite Strecken zurück. Ihre hochempfindlichen, gefiederten Antennen können die Sexualpheromone der Weibchen über Entfernungen von mehreren Kilometern detektieren. Die Weibchen sind dagegen eher ortstreu und verbleiben oft in der Nähe ihres Schlupfortes, wo sie durch die Abgabe von Pheromonen Männchen anlocken.
Bei Bedrohung setzen die Falter auf eine Schrecktracht: Sie spreizen die Flügel abrupt auseinander und präsentieren die großen Augenflecken. Dieser plötzliche Übergang von der Tarnstellung zur Präsentation der Ocelli kann Vögel und andere Prädatoren kurzzeitig irritieren und dem Falter die Flucht ermöglichen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet in den Nachtstunden statt und kann mehrere Stunden andauern. Die Weibchen legen anschließend ihre Eier in kleinen Gruppen von 2 bis 6 Stück an die Zweige und Blätter geeigneter Futterpflanzen ab. Insgesamt produziert ein Weibchen zwischen 150 und 300 Eier. Die