Großtrappe
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Otis tarda
- Ordnung: Kranichvögel (Gruiformes)
- Familie: Trappen (Otididae)
- Gattung: Otis
- Lebensraum: Offene Steppen, Agrarlandschaften, Grünland
- Größe: 75–105 cm (Körperlänge), Flügelspannweite bis 260 cm
- Gewicht: Hähne 8–18 kg, Hennen 3,5–5,5 kg
- Lebenserwartung: 15–20 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 25 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Großtrappe zählt zu den schwersten flugfähigen Vögeln der Welt. Der ausgeprägte Geschlechtsdimorphismus ist eines ihrer auffälligsten Merkmale: Hähne erreichen ein Gewicht von bis zu 18 Kilogramm und sind damit etwa drei- bis viermal schwerer als die Hennen. Die Männchen besitzen einen kräftigen Hals, einen breiten Kopf und während der Brutzeit einen auffälligen Federbart aus langen, drahtartigen Federn beiderseits des Schnabelgrundes.
Das Gefieder der Oberseite zeigt eine rotbraune Grundfarbe mit feiner schwarzer Bänderung, die eine ausgezeichnete Tarnung in der offenen Landschaft bietet. Die Unterseite ist weiß. Die Flügel weisen im Flug ein kontrastreiches Muster aus weißen, schwarzen und braunen Partien auf, das besonders bei der Balz eine Rolle spielt. Die Läufe sind kräftig und unbefiedert, die drei nach vorn gerichteten Zehen eignen sich zum Laufen über den Boden. Eine Hinterzehe fehlt – ein typisches Merkmal bodenlebender Vogelarten. Der Schnabel ist kurz, kräftig und leicht abwärts gebogen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Großtrappe erstreckt sich in einem breiten Band von der Iberischen Halbinsel über Mittel- und Osteuropa bis nach Zentralasien und in die Mongolei. Spanien beherbergt mit rund 30.000 Individuen mehr als die Hälfte des Weltbestandes. Weitere bedeutende Populationen finden sich in Ungarn, der Türkei, Russland und China.
In Deutschland ist die Großtrappe nahezu ausgestorben. Das letzte natürliche Vorkommen beschränkt sich auf das Havelländische Luch und die Belziger Landschaftswiesen in Brandenburg, wo der Bestand durch intensive Schutzmaßnahmen auf etwa 300 Tiere stabilisiert werden konnte. Historisch war sie in weiten Teilen der norddeutschen Tiefebene und in Teilen Süddeutschlands verbreitet.
Als Habitat bevorzugt die Großtrappe weite, offene Landschaften mit niedriger Vegetation. Ursprünglich war sie ein Steppenvogel, der sich in Europa an extensiv bewirtschaftetes Agrarland angepasst hat. Entscheidend ist eine freie Rundumsicht, da die Art Deckung durch Bäume oder Sträucher meidet. Wintergetreidefelder, Brachen, Luzerneschläge und extensives Grünland bilden heute die wichtigsten Biotope.
Ernährung
Die Großtrappe ist ein Allesfresser mit saisonal wechselnder Ernährung. Im Frühjahr und Sommer stehen Insekten – vor allem Käfer, Heuschrecken und Raupen – sowie andere Wirbellose wie Regenwürmer und Schnecken auf dem Speiseplan. Gelegentlich werden auch kleine Wirbeltiere wie Mäuse, Eidechsen oder Frösche erbeutet.
Im Herbst und Winter verschiebt sich die Nahrungszusammensetzung deutlich in Richtung pflanzlicher Kost. Dann werden Blätter, Knospen, Triebe, Sämereien und Früchte gefressen. Besonders Raps- und Kohlblätter sowie Luzerne dienen als winterliche Hauptnahrung. Jungvögel sind in den ersten Lebenswochen fast ausschließlich auf proteinreiche Insektennahrung angewiesen.
Verhalten & Lebensweise
Die Großtrappe ist tagaktiv und verbringt den Großteil des Tages mit der Nahrungssuche auf dem Boden. Sie läuft dabei langsam und bedächtig durch die Vegetation. Trotz ihres hohen Gewichts ist sie flugfähig und kann bei Gefahr überraschend schnell auffliegen, wobei der Start einen kräftigen Anlauf erfordert. Im Flug erreicht sie Geschwindigkeiten von 50 bis 60 km/h.
Außerhalb der Brutzeit leben Großtrappen in nach Geschlechtern getrennten Trupps. Hähne bilden kleinere Gruppen, während Hennen mit Jungvögeln größere Verbände formen, die in Mitteleuropa Dutzende, in Spanien auch mehrere Hundert Tiere umfassen können. Ein ausgeprägtes Revierverhalten zeigen vor allem die Hähne während der Balzzeit.
Die mitteleuropäischen Populationen sind weitgehend Standvögel oder Kurzstreckenzieher. Die zentralasiatischen Bestände unternehmen dagegen regelmäßige Wanderungen über mehrere Hundert Kilometer in mildere Überwinterungsgebiete.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz der Großtrappe gehört zu den eindrucksvollsten Schauspielen in der europäischen Vogelwelt. Ab März versammeln sich die Hähne auf traditionellen Balzplätzen, sogenannten Leks. Dort werfen sie den Kopf in den Nacken, blähen die Kehlpartie auf, stülpen die weißen Unterflügelfedern nach außen und drehen den Schwanz über den Rücken. Das Ergebnis ist eine Verwandlung des gesamten Erscheinungsbildes: Der braun-weiße Vogel wird zu einer nahezu vollständig weißen, aufgeblähten Erscheinung, die über weite Distanzen sichtbar ist. Dieses Balzverhalten wird als „Schaumschwimmer-Pose" oder „Radschlagen" bezeichnet.
Das Paarungssystem ist polygyn – ein erfolgreicher Hahn paart sich mit mehreren Hennen. Die Henne legt im April oder Mai zwei bis drei olivbraun gefleckte Eier in eine flache Bodenmulde ohne nennenswerten Nestbau. Die Brutdauer beträgt 21 bis 28 Tage. Die Küken sind Nestflüchter und folgen der Mutter unmittelbar nach dem