T Tierlexikon.net
← Lexikon

Kormoran

K

Tierart – Vögel > Wasservögel – Taucher & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Phalacrocorax carbo
  • Ordnung: Suliformes (Tölpelartige)
  • Familie: Phalacrocoracidae (Kormorane)
  • Gattung: Phalacrocorax
  • Lebensraum: Küsten, Flussmündungen, Binnenseen, Flüsse, Stauseen
  • Größe: 77–94 cm Körperlänge, Flügelspannweite 121–149 cm
  • Gewicht: 1.800–3.000 g
  • Lebenserwartung: 15–20 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Der Kormoran ist ein großer, kräftig gebauter Wasservogel mit überwiegend schwarzem Gefieder, das je nach Lichteinfall einen metallisch-grünlichen oder bronzefarbenen Glanz zeigt. Im Prachtkleid tragen adulte Vögel einen auffälligen weißen Fleck an den Oberschenkeln sowie feine weiße Schmuckfedern am Kopf und Nacken. Der Schnabel ist lang, hakenförmig gebogen und an der Spitze nach unten gekrümmt – eine Anpassung, die das Festhalten glitschiger Beutefische erleichtert. Die unbefiederte Kehlhaut schimmert gelblich und wird bei der Balz zur Schau gestellt.

Ein zentrales Merkmal des Kormorans ist sein Gefieder, das im Gegensatz zu dem vieler anderer Wasservögel nicht vollständig wasserabweisend ist. Die äußeren Federstrukturen nehmen Wasser auf, wodurch der Auftrieb beim Tauchen verringert wird. Diese Eigenschaft erklärt die charakteristische Trocknungspose, bei der der Vogel mit ausgebreiteten Flügeln auf Pfählen, Bäumen oder Felsen sitzt. Die Beine sind kurz und weit hinten am Körper angesetzt, die Füße tragen Schwimmhäute zwischen allen vier Zehen – ein Merkmal, das die Familie der Kormorane mit den Tölpeln und Fregattvögeln teilt.

Jungvögel unterscheiden sich deutlich von adulten Tieren: Ihr Gefieder ist auf der Unterseite bräunlich-weiß und insgesamt matter gefärbt. Erst mit dem zweiten oder dritten Lebensjahr entwickeln sie das typische schwarze Federkleid der Altvögel.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Großen Kormorans erstreckt sich über weite Teile Europas, Asiens, Afrikas und Australiens. In Europa besiedelt er sowohl atlantische und mediterrane Küsten als auch das Binnenland. Sein Habitat umfasst nahezu alle Gewässertypen: von der Meeresküste über Flussmündungen und Brackwasserzonen bis hin zu Süßwasserseen, Flüssen, Teichanlagen und Stauseen. Entscheidend für die Wahl des Biotops ist ein ausreichendes Fischangebot und das Vorhandensein geeigneter Rast- und Brutplätze.

In Mitteleuropa war der Kormoran im 20. Jahrhundert durch intensive Verfolgung stark zurückgegangen. Seit den 1980er-Jahren haben sich die Bestände durch Schutzmaßnahmen deutlich erholt. Heute brütet die Art in Deutschland vor allem im norddeutschen Tiefland, entlang der Ostsee- und Nordseeküste sowie an größeren Binnengewässern. Die Unterart Phalacrocorax carbo sinensis (Festlandkormoran) dominiert dabei im Binnenland, während die Nominatform P. c. carbo (Atlantischer Kormoran) eher an der Küste vorkommt.

Kormorane sind in Mitteleuropa teilweise Standvögel, teilweise Zugvögel. Viele nordeuropäische Populationen überwintern an südeuropäischen Küsten oder am Mittelmeer, während mitteleuropäische Vögel oft nur kurze Strecken zurücklegen.

Ernährung

Der Kormoran ist ein spezialisierter Fischjäger. Er erbeutet seine Nahrung tauchend, wobei er mit kräftigen Beinschlägen unter Wasser manövriert. Die Tauchgänge dauern in der Regel 15 bis 45 Sekunden und erreichen Tiefen von bis zu 10 Metern, in Ausnahmefällen auch deutlich mehr. Der tägliche Nahrungsbedarf liegt bei etwa 300 bis 500 Gramm Fisch.

Das Beutespektrum ist breit und richtet sich nach dem lokalen Angebot. In Küstengewässern dominieren Grundeln, Plattfische und Heringe, im Binnenland stehen Weißfische wie Rotauge und Brassen, aber auch Barsche und Aale auf dem Speiseplan. Die Nahrungszusammensetzung variiert stark je nach Jahreszeit und Gewässertyp. Kormorane jagen meist einzeln, gelegentlich aber auch in koordinierten Gruppen, bei denen Fischschwärme gemeinsam zusammengetrieben werden.

Der Nahrungsbedarf des Kormorans führt seit Jahrzehnten zu Konflikten mit der Binnenfischerei und der Teichwirtschaft, ein Thema, das in der Naturschutz- und Fischereipolitik kontrovers diskutiert wird.

Verhalten & Lebensweise

Kormorane sind tagaktive Vögel, die den Großteil des Tages mit Nahrungssuche, Ruhen und Gefiederpflege verbringen. Sie leben gesellig und bilden außerhalb der Brutzeit oft große Schlafgemeinschaften an geschützten Gewässern, sogenannte Schlafplatzkolonien, die mehrere Tausend Individuen umfassen können. Von diesen Schlafplätzen fliegen sie morgens zu ihren Nahrungsgewässern, die bis zu 30 Kilometer entfernt liegen können.

Im Flug wirken Kormorane gedrungen, mit gestrecktem Hals und etwas nach oben gebogenem Kopf. Gruppen fliegen häufig in V-Formation oder in schrägen Reihen. Am Wasser schwimmen sie mit tief eingetauchtem Körper, wobei oft nur Kopf und Hals über die Oberfläche ragen – eine Folge des nicht vollständig wasserdichten Gefieders.

Ein ausgeprägtes Revierverhalten zeigt der Kormoran vor allem am Brutplatz. Die Nistplätze innerhalb einer Kolonie werden gegen Artgenossen verteidigt, wobei es zu ritualisierten Drohgebärden mit aufgerissenem Schnabel und aufgestellten Flügeln kommt.

Fortpflanzung & Aufzucht