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Grünes Heupferd

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Tierart – Insekten > Geradflügler & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Tettigonia viridissima
  • Ordnung: Langfühlerschrecken (Ensifera), innerhalb der Geradflügler (Orthoptera)
  • Familie: Laubheuschrecken (Tettigoniidae)
  • Gattung: Tettigonia
  • Lebensraum: Wiesen, Hochstaudenfluren, Gebüschsäume, Waldränder, Gärten
  • Größe: 28–42 mm Körperlänge (ohne Legeröhre), Weibchen mit Ovipositor bis 60 mm
  • Gewicht: ca. 2–3 g
  • Lebenserwartung: Adulte Tiere leben wenige Monate (Juli bis Oktober/November); Gesamtentwicklung einschließlich Eistadium ca. 1–2 Jahre

Aussehen & Merkmale

Das Grüne Heupferd ist die größte einheimische Laubheuschrecke und gehört zu den auffälligsten Geradflüglern Mitteleuropas. Der gesamte Körper ist kräftig grasgrün gefärbt. Auf dem Rücken verläuft ein schmaler, rostbrauner Längsstreifen vom Kopf über das Pronotum (Halsschild) bis zu den Flügelspitzen. Die Flügel überragen den Hinterleib deutlich und reichen bei beiden Geschlechtern weit über die Hinterknie hinaus. Im Gegensatz zu vielen Kurzfühlerschrecken besitzt das Grüne Heupferd – wie alle Laubheuschrecken – fadenförmige, sehr lange Antennen, die die Körperlänge erheblich übertreffen können.

Die kräftigen Hinterbeine ermöglichen weite Sprünge, dienen aber weniger der Fortbewegung als der Flucht bei akuter Gefahr. Häufig bewegt sich das Tier kletternd in der Vegetation. Weibchen sind durch ihren langen, schwertförmigen Ovipositor (Legeröhre) leicht von Männchen zu unterscheiden. Dieser leicht nach oben gebogene Legebohrer kann bis zu 25 mm lang sein und dient der Eiablage im Erdboden. Männchen besitzen verbreiterte Vorderflügel mit einer spezialisierten Schrillleiste, dem sogenannten Stridulationsorgan.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Tettigonia viridissima erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis: von Westeuropa über Mitteleuropa und den Mittelmeerraum bis nach Zentralasien und Nordafrika. In Deutschland ist die Art flächendeckend verbreitet und gehört zu den häufigsten Heuschreckenarten. Sie fehlt lediglich in höheren Gebirgslagen oberhalb von etwa 1.500 Metern.

Als Habitat bevorzugt das Grüne Heupferd sonnige bis halbschattige Biotope mit hoher Vegetation. Typische Lebensräume sind Hochstaudenfluren, extensiv genutzte Wiesen, Wegränder, Brachen, Gebüschsäume und Waldränder. Auch in Siedlungsnähe tritt die Art regelmäßig auf – in Gärten, Parks und auf Ruderalflächen. Entscheidend ist das Vorhandensein einer ausreichend hohen Krautschicht, in der sich die Tiere aufhalten und verbergen können.

Ernährung

Das Grüne Heupferd ist ein Allesfresser (omnivor) mit deutlichem Schwerpunkt auf tierischer Kost. Entgegen der verbreiteten Annahme, Heuschrecken seien reine Pflanzenfresser, ernährt sich diese Art überwiegend räuberisch. Auf dem Speiseplan stehen Blattläuse, kleine Raupen, Fliegen, Käferlarven und andere Insekten. Gelegentlich werden auch pflanzliche Bestandteile aufgenommen, etwa Blütenblätter, Pollen und weiche Pflanzenteile. Die kräftigen, bezahnten Mandibeln ermöglichen es dem Tier, auch hartschalige Beutetiere zu überwältigen. Bei der Nahrungssuche spielt der Tastsinn der langen Antennen eine wichtige Rolle.

Verhalten & Lebensweise

Grüne Heupferde sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigen aber auch tagsüber Aktivität, besonders bei warmem Wetter. Die Tiere leben einzelgängerisch und bilden keine Gruppen oder Schwärme. Tagsüber sitzen sie häufig exponiert auf hohen Stauden, Grashalmen oder in Büschen, wo sie ihre Körpertemperatur durch Sonnenbaden regulieren.

Besonders auffällig ist der Gesang der Männchen, der an warmen Sommerabenden weithin hörbar ist. Der Stridulationsgesang entsteht durch schnelles Aneinanderreiben der beiden Vorderflügel. Die Schrillleiste auf der Unterseite des linken Flügels streicht dabei über die Schrillkante des rechten Flügels. Der entstehende Ruf ist ein anhaltender, metallisch scharfer Dauerton (Spontangesang), der über Distanzen von mehr als 100 Metern wahrnehmbar ist. Die Frequenz liegt im Bereich von 10–30 kHz und damit teilweise im Ultraschallbereich. Das Gehörorgan (Tympanalorgan) befindet sich bei Laubheuschrecken an den Vorderschienen der Vorderbeine.

Bei Störung reagieren die Tiere mit weiten Sprüngen oder kurzen Flügen. Die Flugfähigkeit ist gut ausgeprägt; die Tiere können mehrere Meter weit fliegen, nutzen diese Fähigkeit aber selten und eher zur Flucht als zur aktiven Fortbewegung.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz beginnt im Hochsommer, wenn die Männchen ab Juli durch ihren Gesang Weibchen anlocken. Nach der Paarung stößt das Weibchen seinen langen Ovipositor senkrecht in den Erdboden und legt dort die Eier einzeln oder in kleinen Gruppen in einige Zentimeter Tiefe ab. Ein Weibchen kann im Laufe seines Lebens mehrere hundert Eier ablegen.

Die Eier überwintern im Boden und durchlaufen häufig eine obligatorische Diapause, sodass die Larven erst im folgenden Frühjahr oder – bei manchen Populationen – sogar erst nach zwei Wintern schlüpfen. Die Larvalentwicklung umfasst sieben Larvenstadien (Nymphenstadien). Die Nymphen ähneln den adulten Tieren, besitzen jedoch noch keine voll aus