Grünfutter
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Definition & Überblick
Als Grünfutter werden alle frisch verfütterten, oberirdischen Pflanzenteile bezeichnet, die im grünen, nicht konservierten Zustand an Tiere verabreicht werden. Dazu zählen Gräser, Kräuter, Blätter, Kleearten, Luzerne, Gemüsegrün sowie frisch geschnittene Wiesenpflanzen. Grünfutter ist eines der ältesten und natürlichsten Futtermittel und bildet für zahlreiche Tierarten die Grundlage einer artgerechten Ernährung. Im Unterschied zu Heu, Silage oder Trockenfutter wurde Grünfutter keinem Konservierungsprozess unterzogen – es wird erntefrisch oder nach kurzer Lagerung verfüttert.
In der Futtermittelsystematik wird Grünfutter den pflanzlichen Grundfuttermitteln zugeordnet. Je nach Tierart und Zusammenstellung der Futterration kann es als Alleinfuttermittel dienen – etwa bei Weidetieren auf artenreichen Flächen – oder als Ergänzungsfuttermittel, das eine bestehende Ration um wertvolle Nährstoffe ergänzt.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Grünfutter zeichnet sich durch einen hohen Wassergehalt aus, der je nach Pflanzenart und Schnittzeitpunkt zwischen 60 und 85 Prozent liegt. Bezogen auf die Trockensubstanz enthält es folgende Nährstoffe:
- Rohprotein (Protein): 10–25 % der Trockensubstanz, abhängig von der Pflanzenart. Leguminosen wie Luzerne und Rotklee liefern besonders hohe Proteinwerte, während Gräser im fortgeschrittenen Vegetationsstadium weniger Protein enthalten.
- Rohfaser: 15–35 % der Trockensubstanz. Junge Pflanzen sind rohfaserärmer und leichter verdaulich; mit zunehmendem Alter steigt der Rohfaseranteil und die Verdaulichkeit sinkt.
- Rohfett (Fett): 2–5 % der Trockensubstanz, darunter nennenswerte Anteile an Omega-3-Fettsäuren, insbesondere Alpha-Linolensäure.
- Vitamine: Grünfutter ist eine hervorragende Quelle für Beta-Carotin (Provitamin A), Vitamin E, Vitamin C und verschiedene B-Vitamine. Der Vitamingehalt ist im frischen Zustand deutlich höher als in konserviertem Futter.
- Mineralstoffe und Spurenelemente: Calcium, Phosphor, Kalium, Magnesium sowie Eisen, Zink und Mangan sind enthalten. Das Calcium-Phosphor-Verhältnis schwankt stark je nach Pflanzenart: Klee und Luzerne sind calciumreich, Gräser eher phosphorbetont.
- Sekundäre Pflanzenstoffe: Frische Kräuter liefern ätherische Öle, Flavonoide und Gerbstoffe, die die Verdauung unterstützen und das Immunsystem stärken können.
Der Energiegehalt von Grünfutter liegt bei etwa 9–11 MJ umsetzbare Energie pro Kilogramm Trockensubstanz, wobei junges Weidegras die höchsten Werte erreicht.
Für welche Tiere geeignet?
Grünfutter ist für eine Vielzahl von Tierarten geeignet, wenn auch in unterschiedlichem Umfang:
- Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen): Grünfutter stellt das natürliche Hauptfutter dar. Auf der Weide decken Wiederkäuer einen Großteil ihres Nährstoffbedarfs ausschließlich über frische Gräser und Kräuter. Es kann bei leistungsstarken Milchkühen als alleinige Futtergrundlage jedoch nicht ausreichen – hier wird die Futterration mit Kraftfutter ergänzt.
- Pferde und Esel: Frisches Gras ist ein wesentlicher Bestandteil der Pferdeernährung. Wegen des hohen Fruktangehalts bestimmter Gräser ist bei stoffwechselempfindlichen Pferden Vorsicht geboten.
- Kaninchen und Meerschweinchen: Frisches Wiesengrün, Kräuter und Gemüsegrün bilden die Basis einer artgerechten Ernährung. Kaninchen benötigen rohfaserreiches Grünfutter zur Förderung der Darmperistaltik und zum Zahnabrieb.
- Geflügel (Hühner, Gänse, Enten): Grünfutter dient als wertvolles Ergänzungsfuttermittel und liefert Vitamine, die in reinen Getreidemischungen fehlen. Gänse können ihren Energiebedarf im Sommer zu einem erheblichen Anteil über Weidegras decken.
- Schildkröten und Reptilien: Herbivore Landschildkröten ernähren sich überwiegend von Wildkräutern und Wiesenpflanzen. Calcium- und rohfaserreiche Pflanzen wie Spitzwegerich und Löwenzahn sind hier besonders geeignet.
Fütterungsempfehlung
Die optimale Futtermenge richtet sich nach Tierart, Körpergewicht, Leistungsstadium und Zusammensetzung der Gesamtration. Grundsätzliche Richtwerte:
- Rinder: Auf der Weide nehmen Milchkühe täglich 50–70 kg Frischgras auf (entspricht etwa 10–15 kg Trockensubstanz).
- Pferde: Ein 500 kg schweres Pferd frisst auf der Weide ca. 40–60 kg Frischgras pro Tag. Die Weidezeit sollte stufenweise erhöht werden, besonders im Frühjahr.
- Kaninchen: Mindestens 200 g frisches Grünfutter pro Kilogramm Körpergewicht und Tag; bei reiner Frischfütterung auch deutlich mehr.
- Meerschweinchen: Etwa 100–150 g Frischfutter pro Tier und Tag, verteilt auf mindestens zwei Mahlzeiten.
Das Fütterungsintervall sollte idealerweise so gewählt werden, dass Grünfutter mehrmals täglich in kleineren Portionen angeboten wird. So wird die Aufnahme von angewelktem oder verdorbenem Material vermieden.