Hafer
HFutter & Ernährung > Futtermittel – pflanzlich
Definition & Überblick
Hafer (Avena sativa) zählt zu den ältesten Kulturgetreidearten und hat als Futtermittel in der Tierernährung eine jahrhundertelange Tradition. Innerhalb der pflanzlichen Futtermittel nimmt Hafer eine Sonderstellung ein: Im Vergleich zu anderen Getreidearten wie Gerste, Weizen oder Mais enthält er deutlich mehr Fett und Rohfaser, dafür weniger Stärke. Diese Kombination macht ihn zu einem energiereichen, aber vergleichsweise magenfreundlichen Futtermittel.
Hafer wird in der Tierernährung sowohl als ganzes Korn, gequetscht, geschrotet als auch in Form von Haferflocken oder Hafermehl eingesetzt. Je nach Tierart und Verwendungszweck kann er als Einzelfuttermittel, Bestandteil einer Futterration oder als Ergänzungsfuttermittel dienen. Als Alleinfuttermittel eignet sich Hafer für keine Tierart, da sein Mineralstoff- und Vitaminprofil allein keine bedarfsdeckende Versorgung gewährleistet.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Die Nährstoffzusammensetzung von Hafer unterscheidet sich je nach Sorte, Anbaugebiet und Erntejahr. Typische Durchschnittswerte für ungeschälten Hafer pro Kilogramm Trockensubstanz:
- Rohprotein: 110–130 g – höher als bei Gerste oder Mais, mit einem günstigen Aminosäureprofil (insbesondere Lysin)
- Rohfett: 45–60 g – der höchste Fettgehalt aller heimischen Getreidearten, überwiegend ungesättigte Fettsäuren
- Rohfaser: 100–130 g – bedingt durch die fest verwachsene Spelze deutlich rohfaserreicher als Nacktgetreide
- Stärke: 380–440 g – niedriger als bei Weizen oder Mais, dadurch geringere Gefahr von Übersäuerung im Verdauungstrakt
- Mineralstoffe: Kalzium (ca. 0,9 g), Phosphor (ca. 3,5 g), Magnesium (ca. 1,2 g), Kalium sowie Spurenelemente wie Zink, Mangan und Eisen
- Vitamine: B-Vitamine (B1, B2, B6), Vitamin E und Biotin in relevanten Mengen
- Energiegehalt: ca. 11,5 MJ umsetzbare Energie (Pferd) bzw. 10,8 MJ ME (Schwein) pro kg Trockensubstanz
Die Spelze macht etwa 25–30 % des Korngewichts aus. Nackthafer, bei dem die Spelze beim Dreschen abfällt, enthält entsprechend mehr Energie, Protein und Fett pro Kilogramm, aber weniger Rohfaser.
Für welche Tiere geeignet?
Pferde: Hafer gilt als das klassische Pferdefutter schlechthin. Sein günstiges Stärke-Rohfaser-Verhältnis macht ihn zum magenverträglichsten Getreide für Pferde. Die Stärke wird überwiegend im Dünndarm enzymatisch verdaut – das Risiko für Fehlgärungen im Dickdarm ist geringer als bei Weizen oder Gerste.
Geflügel: In der Hühner- und Geflügelfütterung wird Hafer als Bestandteil der Futterration eingesetzt, allerdings begrenzt auf 15–20 % des Mischfutters. Ein zu hoher Spelzenanteil senkt die Verdaulichkeit. Nackthafer eignet sich hier besser.
Schweine: Hafer kann in der Schweinefütterung als Ergänzungsfuttermittel eingesetzt werden. Der hohe Rohfasergehalt begrenzt den Anteil auf 15–30 % der Ration, bei tragenden Sauen darf er höher ausfallen.
Rinder: In der Rinderfütterung spielt Hafer eine untergeordnete Rolle, kann aber als Kraftfutterkomponente insbesondere bei Milchkühen und in der Kälberaufzucht eingesetzt werden.
Hunde und Katzen: Haferflocken werden gelegentlich als Kohlenhydratquelle in selbst zusammengestellten Rationen verwendet. Für Katzen als obligate Karnivoren ist Hafer nur in sehr geringen Mengen sinnvoll.
Kaninchen und Nager: Hafer kann in kleinen Mengen als Kraftfutterzugabe dienen, insbesondere bei erhöhtem Energiebedarf (Winter, Laktation, Jungtieraufzucht).
Fütterungsempfehlung
Die optimale Futtermenge richtet sich nach Tierart, Körpergewicht, Leistungsniveau und Zusammensetzung der Gesamtration:
- Pferde (600 kg): 1,5–4 kg Hafer pro Tag, aufgeteilt auf mindestens zwei, besser drei Mahlzeiten. Das Fütterungsintervall sollte gleichmäßig über den Tag verteilt sein. Leichtfuttrige Rassen oder Pferde mit geringer Arbeitsleistung benötigen deutlich weniger oder gar kein Kraftfutter.
- Geflügel: Maximal 15–20 % der Gesamtfutterration. Gequetscht oder geschrotet bessere Verwertung als ganzes Korn.
- Schweine: 15–30 % der Kraftfuttermischung, bei Mastschweinen eher im unteren Bereich, um die Speckqualität nicht negativ zu beeinflussen (weicher Speck durch hohen Fettgehalt).
- Kaninchen: 1–2 Esslöffel pro Tier und Tag als Kraftfutterzugabe bei Bedarf, keinesfalls als Hauptfutter.
Grundsätzlich gilt: Hafer ersetzt kein Raufutter. Bei Pferden muss die Heuration die Basis der Fütterung bilden. Jede Rationsveränderung sollte schrittweise über mindestens 7–10 Tage erfolgen, um die Darmflora nicht zu belasten.
Vorteile & Nachteile
Vorteile:
- Hohe Verträglichkeit, insbesondere beim Pferd – geringstes Hufrehe-Risiko aller Getreidearten
- Gutes Aminosäureprofil mit vergleichsweise