Halsbandsittich
HTierart – Vögel > Papageien
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Psittacula krameri
- Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
- Familie: Altweltpapageien (Psittaculidae)
- Gattung: Edelsittiche (Psittacula)
- Größe: 38–42 cm (einschließlich der langen Schwanzfedern)
- Gewicht: 115–140 g
- Lebensraum: Laubwälder, Savannen, Parks, Gärten; ursprünglich Afrika und Südasien, heute auch Europa
- Lebenserwartung: 25–30 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis über 30 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Halsbandsittich ist ein mittelgroßer, schlanker Papagei mit einem auffällig langen, spitz zulaufenden Schwanz, der etwa die Hälfte der Gesamtkörperlänge ausmacht. Das Gefieder ist überwiegend leuchtend grün, wobei die Oberseite etwas dunkler gefärbt ist als die Unterseite. Die Handschwingen und die Unterseite der Flügel zeigen einen graugrünen bis gelblichen Ton. Der kräftige, nach unten gebogene Oberschnabel ist tiefrot gefärbt, der Unterschnabel dunkelbraun bis schwarz.
Das namensgebende Halsband tritt nur bei geschlechtsreifen Männchen auf und bildet sich ab dem zweiten bis dritten Lebensjahr vollständig aus. Es besteht aus einem schmalen schwarzen Kehlstreifen, der seitlich in ein rosafarbenes Nackenband übergeht. Weibchen und Jungvögel zeigen kein Halsband, besitzen jedoch gelegentlich eine angedeutete dunklere Markierung im Halsbereich. Dieser deutliche Geschlechtsdimorphismus erlaubt bei adulten Tieren eine sichere Geschlechtsbestimmung auf den ersten Blick. Die Iris ist bei ausgewachsenen Vögeln gelblich-orange, bei Jungvögeln noch dunkel.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Halsbandsittichs erstreckt sich über zwei getrennte Areale: eines in Afrika südlich der Sahara – vom Senegal ostwärts bis Äthiopien und Uganda – und eines in Südasien, von Pakistan über Indien, Nepal und Sri Lanka bis nach Myanmar. Entsprechend werden vier Unterarten unterschieden, von denen zwei afrikanischen (P. k. krameri, P. k. parvirostris) und zwei asiatischen Ursprungs sind (P. k. manillensis, P. k. borealis).
Als Habitat bevorzugt die Art offene Laubwälder, Waldränder, Savannen mit Baumbestand sowie landwirtschaftlich genutzte Flächen. Die große Anpassungsfähigkeit des Halsbandsittichs zeigt sich darin, dass er auch in urbanen Räumen stabile Populationen aufbaut. Seit den 1960er-Jahren haben sich durch entwichene oder freigelassene Käfigvögel zahlreiche frei lebende Populationen in Europa etabliert. In Deutschland brüten Halsbandsittiche mittlerweile in mehreren Großstädten, darunter Köln, Düsseldorf, Heidelberg, Wiesbaden und Mainz. Ähnliche Neozoen-Populationen existieren in London, Amsterdam, Brüssel und zahlreichen Städten rund um das Mittelmeer. Parks, Friedhöfe und Alleen mit altem Baumbestand bieten den Vögeln in diesen Städten geeignete Biotope mit Nahrung und Nistmöglichkeiten.
Ernährung
Der Halsbandsittich ernährt sich vorwiegend pflanzlich. Auf dem Speiseplan stehen Samen, Früchte, Beeren, Nüsse, Blüten, Knospen und Nektar. In Südasien und Afrika richtet die Art gelegentlich erhebliche Schäden an Obst- und Getreidekulturen an, insbesondere an Mais, Sonnenblumen und Mangos. In europäischen Städten nutzen Halsbandsittiche ein breites Spektrum an Nahrungsquellen: Kastanien, Kirschen, Äpfel, Platanenfrüchte und Beeren verschiedener Ziergehölze. Die Vögel fressen auch junge Triebe und Blattknospen, was in Obstbaugebieten zu Konflikten mit Landwirten führen kann. An Futterstellen nehmen sie bereitwillig Sonnenblumenkerne und Erdnüsse an.
Verhalten & Lebensweise
Halsbandsittiche sind tagaktive Vögel, die in Schwärmen leben. Außerhalb der Brutzeit bilden sie oft große Schlafgemeinschaften, die mehrere Tausend Individuen umfassen können. Jeden Abend fliegen die Vögel in charakteristischen, laut rufenden Trupps zu ihren Schlafbäumen, die sie über Jahre hinweg nutzen. Der Flug ist schnell und geradlinig mit raschen Flügelschlägen.
Das Sozialverhalten ist stark ausgeprägt. Die Vögel kommunizieren über laute, durchdringende Rufe, die in Städten mitunter als Lärmbelästigung empfunden werden. Das typische Flugrufe klingen schrill und kreischend. Innerhalb der Schwärme gibt es eine lockere soziale Hierarchie, die sich beim Zugang zu Futter- und Schlafplätzen zeigt. In Mitteleuropa haben Halsbandsittiche gezeigt, dass sie auch strenge Winter mit Temperaturen unter minus zehn Grad überstehen können, sofern ausreichend Nahrung vorhanden ist.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz beginnt in Mitteleuropa im Januar und Februar. Das Männchen wirbt durch Kopfnicken, Pupillenverengen und leise Lautäußerungen um das Weibchen. Halsbandsittiche sind Höhlenbrüter, die natürliche Baumhöhlen oder von Spechten geschaffene Nisthöhlen nutzen. In Städten werden auch Hohlräume an Gebäuden angenommen. Die Konkurrenz um Nistplätze mit einheimischen Höhlenbrütern wie Star, Kleiber, Dohle und verschiedenen Fledermausarten ist ein viel diskutiertes ökologisches Thema.
Das Weibchen legt in der Regel zwei bis sechs weiße Eier, die es allein über einen Zeitraum von etwa 22 bis 24 Tagen bebrütet. Während dieser Zeit wird es vom Männchen mit Nahrung versorgt. Die Nestlinge sind beim Schlupf nackt und blind. Sie werden von beiden Elternvögeln gefüttert und verlassen die Nisthöhle nach rund sechs bis sieben Wochen.