Hanfsamen
HFutter & Ernährung > Futtermittel – pflanzlich
Definition & Überblick
Hanfsamen sind die Früchte der Nutzhanfpflanze (Cannabis sativa L.), die seit Jahrtausenden als Nahrungs- und Futtermittel kultiviert wird. In der Tierernährung gelten sie als hochwertiges Ergänzungsfuttermittel pflanzlichen Ursprungs. Die im Handel erhältlichen Hanfsamen stammen ausschließlich aus zugelassenen Nutzhanfsorten, deren THC-Gehalt unter 0,2 % liegt – eine psychoaktive Wirkung auf Tiere ist daher ausgeschlossen.
Botanisch betrachtet handelt es sich bei Hanfsamen um kleine Nussfrüchte mit einer harten Schale, die einen ölhaltigen, proteinreichen Kern umschließt. Sie werden ganz, geschält oder als Presskuchen (Hanfkuchen, Hanfschrot) nach der Ölgewinnung verfüttert. Aufgrund ihres hervorragenden Nährstoffprofils haben Hanfsamen in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung in der Fütterung verschiedener Tierarten gewonnen.
Zusammensetzung & Inhaltsstoffe
Hanfsamen zeichnen sich durch eine außergewöhnlich günstige Nährstoffverteilung aus. Die durchschnittliche Zusammensetzung ungeschälter Hanfsamen pro 100 g sieht folgendermaßen aus:
- Rohprotein: 22–27 %, bestehend aus den leicht verdaulichen Proteinen Edestin und Albumin, die alle essenziellen Aminosäuren enthalten – darunter Lysin, Methionin und Tryptophan.
- Rohfett: 28–35 %, mit einem besonders günstigen Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren (ca. 3:1). Hauptbestandteile sind Linolsäure und Alpha-Linolensäure. Zusätzlich ist die seltene Gamma-Linolensäure (GLA) enthalten.
- Rohfaser: 25–33 % (ungeschält) bzw. 3–5 % (geschält). Die Rohfaser besteht überwiegend aus unlöslichen Ballaststoffen in der Samenschale.
- Mineralstoffe: Hohe Gehalte an Magnesium, Phosphor, Kalium, Eisen und Zink. Das Calcium-Phosphor-Verhältnis liegt bei etwa 1:1,5.
- Vitamine: Nennenswerte Mengen an Vitamin E (Tocopherol), B-Vitaminen (insbesondere B1, B2, B6) sowie Folsäure.
- Energie: ca. 500–580 kcal/100 g, bedingt durch den hohen Fettgehalt.
Hanfpresskuchen, der nach der Ölpressung zurückbleibt, enthält weniger Fett (8–12 %), dafür einen höheren Proteinanteil (30–35 %) und mehr Rohfaser. Er eignet sich besonders dort, wo eine weniger energiedichte Ergänzung gefragt ist.
Für welche Tiere geeignet?
Hanfsamen können grundsätzlich an eine Vielzahl von Tierarten verfüttert werden:
- Pferde: Hanfsamen und Hanfpresskuchen dienen als wertvolle Protein- und Fettquelle, insbesondere für Pferde mit erhöhtem Energiebedarf, bei Fellwechsel oder zur Unterstützung der Muskulatur. Sie werden häufig als Ergänzung zur Grundfutterration aus Heu und Stroh eingesetzt.
- Hunde: Geschälte Hanfsamen oder Hanföl eignen sich als Nahrungsergänzung, besonders zur Unterstützung von Haut und Fell. Das günstige Fettsäuremuster kann entzündungshemmend wirken.
- Katzen: In kleinen Mengen sind geschälte Hanfsamen oder Hanföl als Ergänzung möglich. Katzen als obligate Karnivoren benötigen allerdings primär tierische Proteinquellen.
- Vögel (Zier- und Wildvögel): Hanfsamen gehören zu den klassischen Bestandteilen hochwertiger Körnermischungen. Besonders Stieglitze, Zeisige, Papageien und Tauben fressen sie gern. Die ganze Saat dient als energiereiche Komponente, vor allem in der kalten Jahreszeit.
- Hühner und Geflügel: Hanfsamen und Hanfkuchen werden als Proteinträger in der Futterration geschätzt. Studien zeigen positive Effekte auf die Eigewicht und das Fettsäureprofil der Eier.
- Nager (Kaninchen, Meerschweinchen): In geringer Menge als Leckerli geeignet. Wegen des hohen Fettgehalts ist Zurückhaltung geboten.
Hanfsamen sind kein Alleinfuttermittel, sondern ergänzen eine ausgewogene Grundfutterration.
Fütterungsempfehlung
Da Hanfsamen sehr energie- und fettreich sind, ist eine maßvolle Dosierung entscheidend. Orientierungswerte für die tägliche Futtermenge:
- Pferde (500–600 kg): 50–150 g täglich, aufgeteilt auf zwei Mahlzeiten. Einschleichend über 7–10 Tage an die volle Menge heranführen.
- Hunde (mittelgroß, ca. 20 kg): 1–2 Teelöffel geschälte Hanfsamen täglich, unter das Futter gemischt.
- Katzen: ¼–½ Teelöffel geschälte Hanfsamen oder 2–5 Tropfen Hanföl täglich.
- Ziervögel: Je nach Größe 5–10 % der gesamten Körnermischung. Bei Großpapageien dürfen es einige Samen mehr sein.
- Hühner: 5–10 % Anteil an der Gesamtfutterration, idealerweise als Hanfkuchen oder geschrotete Saat.
Das Fütterungsintervall richtet sich nach der Gesamtration: Hanfsamen können täglich, aber auch als kurweise Ergänzung über mehrere Wochen gegeben werden – etwa beim Fellwechsel oder in der Mauser. Bei adipösen Tieren sollte der Fettgehalt der gesamten Futterration berücksichtigt und gegebenenfalls reduziert werden.