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Heimchen

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Tierart – Insekten > Geradflügler & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Acheta domesticus
  • Ordnung: Langfühlerschrecken (Ensifera), Überordnung Geradflügler (Orthoptera)
  • Familie: Echte Grillen (Gryllidae)
  • Gattung: Acheta
  • Lebensraum: Ursprünglich aride Steppengebiete Südwestasiens und Nordafrikas; heute weltweit synanthrop in Gebäuden, Kellern, Bäckereien, Heizungsschächten
  • Größe: 16–21 mm Körperlänge
  • Gewicht: ca. 0,3–0,5 g
  • Lebenserwartung: 8–12 Wochen als Imago; gesamter Lebenszyklus rund 3–4 Monate

Aussehen & Merkmale

Das Heimchen ist eine mittelgroße Grille mit einem schlanken, leicht abgeflachten Körper. Die Grundfärbung variiert zwischen strohgelb und hellbraun, wobei Kopf und Halsschild (Pronotum) meist dunkler gezeichnet sind. Anders als die nahe verwandte Feldgrille (Gryllus campestris), die tiefschwarz gefärbt ist, wirkt das Heimchen insgesamt heller und zierlicher.

Der Kopf trägt zwei lange, fadenförmige Antennen (Cerci), die häufig die Körperlänge übertreffen. Die Facettenaugen sind relativ klein, daneben sitzen drei Punktaugen (Ocellen). Das Pronotum ist breit und schildförmig. Die Hinterbeine sind als kräftige Sprungbeine ausgebildet, mit verdickten Femora, die dem Tier weite Sprünge ermöglichen. Die Vorderflügel (Tegmina) bedecken den Hinterleib vollständig und liegen flach auf dem Körper. Die Hinterflügel sind häutig, überragen die Vorderflügel und ermöglichen kurze, flatternde Flüge – eine Fähigkeit, die das Heimchen von vielen anderen Grillenarten unterscheidet.

Weibchen sind am langen, nadelförmigen Legebohrer (Ovipositor) zu erkennen, der am Hinterleibsende zwischen den beiden Cerci hervorragt und 11–15 mm lang wird. Männchen besitzen keinen Ovipositor, dafür aber spezialisierte Strukturen auf den Vorderflügeln – die sogenannte Schrillleiste und die Schrillkante –, mit denen sie ihren charakteristischen Gesang erzeugen.

Lebensraum & Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von Acheta domesticus liegt in den warm-trockenen Regionen Südwestasiens und Nordafrikas. Von dort hat sich die Art als Kulturfolger über nahezu alle Kontinente ausgebreitet. In Mitteleuropa kann das Heimchen im Freiland nur in den Sommermonaten überleben; bei Temperaturen unter 20 °C stellt es seine Aktivität weitgehend ein, und Frost ist tödlich.

Dauerhafte Populationen finden sich daher vor allem in Gebäuden mit konstant hohen Temperaturen: Bäckereien, Großküchen, Heizungskeller, Gewächshäuser und Tierhaltungen. Diese synanthrope Lebensweise hat dem Heimchen seinen deutschen Namen eingebracht. In tropischen und subtropischen Klimazonen besiedelt es hingegen auch natürliche Habitate wie Steppen, Halbwüsten und offene Buschlandschaften.

Ernährung

Das Heimchen ist ein ausgesprochener Allesfresser (Omnivore). Auf dem Speiseplan stehen pflanzliche Materialien wie Gemüsereste, Getreideprodukte, Obst und Blätter ebenso wie tierische Kost – etwa tote Insekten, Hautschuppen oder kleine Wirbellose. Bei Nahrungsmangel tritt Kannibalismus auf; besonders frisch gehäutete Individuen werden dann von Artgenossen angegriffen.

In der kommerziellen Zucht werden Heimchen mit Weizenkleie, Haferflocken, Gemüse und proteinhaltigem Fischfutter ernährt. Wasseraufnahme erfolgt über feuchtes Futter oder spezielle Tränken, da offenes Wasser für die kleinen Insekten eine Ertrinkungsgefahr darstellt.

Verhalten & Lebensweise

Heimchen sind überwiegend nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich in Spalten, unter Steinen oder in lockeren Substraten. Bei Einbruch der Dunkelheit werden sie aktiv und gehen auf Nahrungssuche. Dabei orientieren sie sich primär über ihre langen Antennen und die Cerci am Hinterleib, die feinste Luftströmungen registrieren.

Das auffälligste Verhalten ist der Gesang der Männchen. Durch rasches Aneinanderreiben der Vorderflügel – ein Vorgang, der als Stridulation bezeichnet wird – erzeugen sie einen gleichmäßig rhythmischen, hellen Ton. Dieser Gesang dient der Anlockung paarungsbereiter Weibchen und erfüllt zugleich eine Revierabgrenzung gegenüber rivalisierenden Männchen. Die Tonhöhe und Pulsfrequenz sind temperaturabhängig: Je wärmer die Umgebung, desto schneller die Tonfolge. Diese Korrelation ist so zuverlässig, dass sich aus der Zirpfrequenz die Umgebungstemperatur annähernd berechnen lässt – ein Zusammenhang, der als Dolbear'sches Gesetz bekannt ist.

Trotz gelegentlicher Ansammlungen an günstigen Plätzen bilden Heimchen keine sozialen Verbände. Männchen verteidigen kleine Reviere um ihren Singplatz und liefern sich bei Begegnungen rituelle Kämpfe, bei denen sie mit gespreizten Mandibeln aufeinander losgehen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung kann ganzjährig stattfinden, sofern die Temperaturen zwischen 25 und 35 °C liegen. Nach erfolgreicher Balz – bei der das Männchen ein besonderes Werbelied anstimmt und ein Spermatophor an das Weibchen überträgt – beginnt das Weibchen innerhalb weniger Tage mit der Eiablage. Mit dem Ovipositor bohrt es einzelne Eier in feuchtes Substrat. Ein Weibchen legt im Laufe seines Lebens zwischen 500 und 3.000 Eier ab.

Die Embryonalentwicklung dauert je nach Temperatur 7–14 Tage. Die geschlüpften Larven (Nymphen) durchlaufen 8–12 Häutungsstadien, bis