Heuschrecke
HTierart – Insekten > Geradflügler & Co
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Orthoptera (Ordnung); umfasst die Unterordnungen Caelifera (Kurzfühlerschrecken) und Ensifera (Langfühlerschrecken)
- Ordnung: Geradflügler (Orthoptera)
- Wichtige Familien: Feldheuschrecken (Acrididae), Laubheuschrecken (Tettigoniidae), Grillen (Gryllidae)
- Lebensraum: Wiesen, Steppen, Wälder, Halbwüsten, Feuchtgebiete – nahezu alle terrestrischen Habitate
- Größe: 1 cm (kleinste Arten) bis über 15 cm (z. B. Riesenlaubheuschrecke, Stilpnochlora couloniana)
- Gewicht: wenige Milligramm bis ca. 35 g (Riesengrille Deinacrida heteracantha)
- Lebenserwartung: wenige Monate bis etwa 2 Jahre, je nach Art und Klima
Aussehen & Merkmale
Heuschrecken besitzen den typischen dreigliedrigen Insektenkörper aus Kopf (Caput), Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen). Ihr auffälligstes Merkmal sind die kräftig vergrößerten Hinterbeine, die als Sprungbeine dienen. Die Femora (Oberschenkel) der Hinterbeine enthalten stark entwickelte Muskeln, mit denen viele Arten das 20- bis 30-Fache ihrer Körperlänge überspringen können.
Die Körperoberfläche ist von einem Chitinpanzer (Exoskelett) bedeckt, der Schutz bietet und zugleich als Ansatzfläche für die Muskulatur dient. Die meisten Arten tragen zwei Flügelpaare: ein schmales, ledrig verdicktes Vorderflügelpaar (Tegmina) und breite, häutige Hinterflügel, die in Ruhestellung fächerartig gefaltet unter den Tegmina liegen. Einige Arten sind flugunfähig und besitzen nur Flügelstummel oder gar keine Flügel.
Kurzfühlerschrecken (Caelifera), zu denen die Feldheuschrecken gehören, haben kurze, kräftige Antennen, die selten länger als der halbe Körper werden. Langfühlerschrecken (Ensifera), darunter Laubheuschrecken und Grillen, tragen dagegen oft körperlange oder sogar deutlich längere, fadenförmige Fühler. Die Färbung variiert stark: Grün-, Braun- und Grautöne dominieren und dienen der Tarnung im jeweiligen Biotop. Manche tropische Arten zeigen leuchtende Warn- oder Signalfarben.
Lebensraum & Verbreitung
Heuschrecken kommen auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis vor. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von tropischen Regenwäldern über gemäßigte Graslandschaften bis hin zu ariden Steppen und Halbwüsten. In Mitteleuropa sind rund 80 Arten heimisch, darunter der Warzenbeißer (Decticus verrucivorus), das Grüne Heupferd (Tettigonia viridissima) und die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens).
Als Habitat bevorzugen viele Feldheuschrecken offene, sonnige Standorte wie Trockenrasen, Magerwiesen und Brachflächen. Laubheuschrecken besiedeln häufig Gebüsche, Hochstaudenfluren und Waldränder. Grillen leben oft bodennah oder in selbstgegrabenen Erdröhren. Die Bindung an bestimmte Biotoptypen ist bei vielen Arten stark ausgeprägt, weshalb Heuschrecken als Indikatororganismen für den ökologischen Zustand von Lebensräumen herangezogen werden.
Ernährung
Das Nahrungsspektrum der Heuschrecken ist breit. Feldheuschrecken ernähren sich überwiegend phytophag, also von Gräsern, Kräutern und Blättern. Laubheuschrecken sind häufig Allesfresser (omnivor): Sie fressen neben Pflanzenteilen auch andere Insekten, deren Larven und gelegentlich Aas. Grillen zeigen ein ähnlich gemischtes Ernährungsverhalten und nehmen sowohl pflanzliche als auch tierische Kost auf.
Die Wanderheuschrecke (Locusta migratoria) und die Wüstenheuschrecke (Schistocerca gregaria) können bei Massenvermehrungen riesige Schwärme bilden, die innerhalb weniger Stunden ganze Ernten vernichten. Ein einzelner Schwarm kann mehrere Milliarden Individuen umfassen und pro Tag das Gewicht von etwa 35.000 Menschen an Pflanzenmasse fressen.
Verhalten & Lebensweise
Die meisten Heuschrecken sind tagaktiv und wärmeliebend. Ihre Aktivität hängt stark von der Umgebungstemperatur ab: Unter 15 °C werden viele Arten träge und bewegungsunfähig. Einige Grillenarten sind dagegen überwiegend dämmerungs- oder nachtaktiv.
Ein zentrales Element im Verhalten der Heuschrecken ist die Lautäußerung (Stridulation). Feldheuschrecken erzeugen Töne, indem sie eine Schrillleiste an der Innenseite des Hinterschenkels über eine Ader der Tegmina streichen. Laubheuschrecken und Grillen reiben dagegen die beiden Vorderflügel gegeneinander. Jede Art besitzt einen arttypischen Gesang, der vor allem der Partnerfindung dient und als akustisches Revier-Signal wirkt. Das Gehörorgan (Tympanalorgan) liegt bei Feldheuschrecken seitlich am ersten Hinterleibssegment, bei Langfühlerschrecken an den Vorderschienen der Vorderbeine.
Die meisten Arten leben solitär. Eine Ausnahme bilden Wanderheuschrecken, die unter bestimmten Umweltbedingungen – hohe Populationsdichte und Nahrungsknappheit – von einer solitären in eine gregäre Phase übergehen. In dieser Phase verändern sich Färbung, Körperbau und Verhalten grundlegend: Die Tiere werden dunkler, aktiver und bilden die berüchtigten Wanderschwärme.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung wird durch den art