Indri
ITierart – Säugetiere > Primaten
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Indri indri
- Ordnung: Primaten (Primates)
- Unterordnung: Feuchtnasenprimaten (Strepsirrhini)
- Familie: Indriidae (Indri-Artige)
- Gattung: Indri
- Lebensraum: Tropische Regenwälder im Osten Madagaskars
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 64–72 cm
- Gewicht: 6–9,5 kg
- Lebenserwartung: 15–23 Jahre in freier Wildbahn; in Gefangenschaft kaum gehalten
Aussehen & Merkmale
Der Indri ist der größte heute lebende Lemur. Sein Körperbau ist aufrecht und schlank, die Hinterbeine sind deutlich länger als die Vorderbeine, was ihm seine charakteristische aufrechte Kletterhaltung und seine kraftvollen Sprünge ermöglicht. Die Tiere erreichen – aufrecht sitzend gemessen – eine Gesamthöhe von bis zu 90 cm.
Das dichte, seidige Fell ist überwiegend schwarz-weiß gefärbt, wobei die individuelle Zeichnung stark variiert. Manche Populationen zeigen großflächig schwarzes Fell mit weißen Flecken an Flanken, Oberschenkeln und Unterarmen, während bei anderen Populationen der Weißanteil überwiegt. Das Gesicht ist weitgehend nackt und dunkel pigmentiert, die Augen sind gelblich-grün. Die Ohren sind rundlich, klein und im Fell teils verborgen.
Ein auffälliges Merkmal ist der stark reduzierte Schwanz: Mit nur etwa 3–5 cm Länge besitzt der Indri den kürzesten Schwanz aller Lemuren. Dieser Stummel unterscheidet ihn deutlich von seinen nächsten Verwandten innerhalb der Familie Indriidae – den Sifakas (Gattung Propithecus) und den Wollmakis (Gattung Avahi), die jeweils über lange Schwänze verfügen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Indri beschränkt sich auf die tropischen Tiefland- und Bergregenwälder im Osten Madagaskars. Die Art kommt in Höhenlagen zwischen Meeresspiegel und etwa 1.800 Metern vor. Bevorzugtes Habitat sind primäre, ungestörte Regenwälder mit geschlossenem Kronendach und hoher Baumvielfalt. Der Indri nutzt vorrangig die mittleren und oberen Stockwerke des Waldes, kommt aber gelegentlich auch in niedrigere Schichten herab.
Die wichtigsten Schutzgebiete innerhalb des Verbreitungsgebiets sind der Nationalpark Andasibe-Mantadia, das Naturreservat Betampona sowie das Schutzgebiet Anjanaharibe-Sud. Die Gesamtpopulation ist auf voneinander isolierte Waldgebiete fragmentiert, was den genetischen Austausch zwischen den Teilpopulationen erheblich einschränkt.
Ernährung
Der Indri ernährt sich überwiegend herbivor. Junge Blätter machen den größten Anteil der Nahrung aus, ergänzt durch Früchte, Samen, Blüten und gelegentlich Rinde. Die Nahrungszusammensetzung variiert saisonal: In den fruchtreichen Sommermonaten steigt der Fruchtanteil, während in der kühleren Trockenzeit verstärkt Blätter gefressen werden.
Aufgrund des hohen Blattanteils in der Nahrung besitzt der Indri einen vergrößerten Blinddarm, in dem Mikroorganismen bei der Fermentation von Zellulose helfen. Die Tiere wählen ihre Futterpflanzen gezielt aus und bevorzugen Blätter mit hohem Proteingehalt und geringem Anteil an sekundären Pflanzenstoffen. Über 70 verschiedene Pflanzenarten wurden als Nahrungsquellen dokumentiert.
Verhalten & Lebensweise
Der Indri ist tagaktiv und lebt in kleinen Familiengruppen von zwei bis sechs Tieren, bestehend aus einem Paar und dessen Nachkommen. Die Paare leben monogam und bleiben in der Regel lebenslang zusammen. Jede Familiengruppe beansprucht ein festes Revier von 17 bis 40 Hektar, das gegen benachbarte Gruppen verteidigt wird.
Die Fortbewegung erfolgt durch vertikales Klettern und Springen von Baumstamm zu Baumstamm – eine Fortbewegungsweise, die als „vertical clinging and leaping" bezeichnet wird. Die kräftigen Hinterbeine ermöglichen Sprünge von bis zu zehn Metern Weite zwischen den Bäumen. Am Boden bewegt sich der Indri dagegen nur ungern und in aufrechter, hüpfender Haltung.
Die Gesänge des Indri gehören zu den eindrucksvollsten Lautäußerungen unter den Primaten. Die durchdringenden, sirenenartigen Rufe sind über Entfernungen von mehr als zwei Kilometern hörbar. Familiengruppen singen häufig im Duett oder Chor, wobei die Rufe der Reviermarkierung, dem Zusammenhalt der Gruppe und der Kommunikation mit Nachbargruppen dienen. Jede Gruppe besitzt ein individuelles Rufmuster. Die Gesänge werden bevorzugt in den Vormittagsstunden vorgetragen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Indris pflanzen sich nur langsam fort, was die Art besonders anfällig für Bestandsrückgänge macht. Die Weibchen bringen alle zwei bis drei Jahre ein einzelnes Jungtier zur Welt. Die Tragzeit beträgt etwa 120 bis 150 Tage. Die Geburten fallen überwiegend in die Monate Mai bis Juni.
Das Jungtier klammert sich zunächst am Bauch der Mutter fest und wechselt nach einigen Wochen auf deren Rücken. Es wird etwa sechs Monate gesäugt und bleibt bis zur Geschlechtsreife – die mit etwa sieben bis neun Jahren eintritt – bei der Familiengruppe. Die lange Jugendphase und die niedrige Reproduktionsrate gehören zu den langsamsten unter allen Lemuren.
Bedrohung & Schutzstatus
Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Indri als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered) ein. Die Bestandszahlen sind in den letzten drei Generationen um mehr als 80 % zurückgegangen. Schätzungen gehen von weniger als 10.000 verblieb